Max Eberl und Borussias virtuelle Punktekiste

Von: Bernd Schneiders
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Fliegender Holländer, pardon - Limburger: Roel Brouwers wuchtet die Flanke von Arango zum 1:1 ins Freiburger Tor. Foto: imago/Heuberger

Mönchengladbach. Im Borussia-Park steht eine virtuelle Kiste: Sie ist reichlich gefüllt. Seit Samstag quillt sie fast über. Der Inhalt: Unnötig abgegebene Punkte. Am Samstagnachmittag gegen den SC Freiburg waren zwei dazugekommen.

Das macht alle Beteiligten und jene, die ein Herz für Borussia Mönchengladbach haben, ein wenig traurig. Denn die Verlust-Sammlung lädt so herrlich zum träumen ein: Was wäre, wenn ...

... etwa Roberto Colautti in der ersten Hälfte noch ein wenig genauer gezielt und SC-Keeper Simon Pouplin die Hand im Dure eins gegen eins nicht mehr mit einem Blitz-Reflex an den Ball bekommen hätte (26.).

... etwa der brillante Schrägschuss von Raul Bobadilla von Pouplin ebenso unverschämt wie ebenfalls brillant aus dem Winkel gefischt worden wäre (49.).

... etwa Karim Matmour aus sieben Metern innen neben statt außen neben den Pfosten gezielt hätte (79.).

... Felix Sebastian einen Schuss von Bobadilla nicht von der Linie geschlagen hätte (63.).

... und überhaupt: etwa Borussia all die Punkte in Bochum, Mainz, gegen Hoffenheim und Bochum nicht liegengelassen hätte.

Dann, ja dann ... hätte Tobias Levels nicht sagen können: „Wir sind immer noch Borussia Mönchengladbach und nicht Bayern München. Wir müssen den einen Punkt mitnehmen.”

1:1 also. Und beinahe sieht man Max Eberl dankbar aber hartnäckig auf dem Deckel der Kiste sitzen - auch natürlich nur virtuell - , froh darüber, dass nicht der zehnte Schritt vor dem zweiten auf der Tagesordnung des gerade einmal genesenen Patienten steht. Erst einmal nicht in den Abstiegskampf verwickelt zu sein, statt sich gefährlichen Träumereien von europäischen Wettbewerben hinzugeben. Auch nach dem Remis gegen den Viertletzten besitzt sein Klub immer noch ein Polster von zwölf Punkten auf den Relegationsplatz. Borussia ist noch nicht so gut, wie sie mitunter spielt. Aber Bobadilla & Co. sind schon in der Lage anzudeuten, wohin eine Entwicklung gehen könnte. Aber eben nur schrittweise, und ohne den Druck, als einziges Steigerungspotenzial für die kommende Saison um die Teilnahme am europäischen Wettbewerb mitzuspielen.

Diesmal kein Event-Spiel

Es war nicht das nächste Kapitel in Gladbachs Sammlung von Event-Spielen. Zu schwer tat sich die Elf von Trainer Michael Frontzeck, gegen aufopferungsvoll und gut gestaffelt stehende Freiburger Mannschaft mehr als ein Plus an Ballbesitz zu bekommen. „Das einzige, wobei wir uns dumm angestellt haben, waren die letzten drei Minuten, als wir zu viele Chancen für Freiburg zugelassen haben.”

Das Harakiri-Finale überstand Borussia aber schadlos. Und hatte zuvor zwei beruhigende Fähigkeiten bewiesen. Nummer 1: Selbst bei mangelnder Tiefenwirkung und scheinbar unzähligen Sicherheitspässen - hintenrum spielen nennt das der Fußballfachmann - schafft es der Tabellenelfte noch, Torchancen zu kreieren.

Erst Recht, wenn die fleischgewordene Brechstange in Person von Rob Friend nach einer Stunde ausgepackt wird. Was Nummer 2 wäre. „Wir haben nichts weggegeben”, gab denn auch Roel Brouwers Einsicht in die Ursache für die zähen ersten 45 Minuten. „Es war das erwartet komplizierte Spiel”, sagte Michael Frontzeck. Und das Komplizierte am Duell mit einem eigentlich unterlegenen Gegner war, die Balance zu finden zwischen Organisation und Angriffslust. Vor der Pause litt Borussia ungewollt am Primat der Chancenverhinderung. Daran abzulesen, dass die beiden Sechser (Bradley/Meeuwis) zu häufig beide zu tief statt gestaffelt standen.

Aber immerhin ist Borussia unter der „Herrschaft” eines Michael Frontzeck inzwischen soweit, selbst das Primat der Attacke noch kontrolliert durchzusetzen. Nach der glücklichen Führung der Gäste durch den Kopfball von Papiss Cissé (56.) - aus dem Nichts kann man „dank” der Fehler von Arango und Dante schwerlich sagen -, ließ man auch mit nur einem Sechser plus einer weiteren Offensivkraft kaum Torchancen zu. „Dass Gladbach einen Lauf hat, konnte man nach dem 1:0 sehen: Sie waren nicht verunsichert, sondern haben Druck gemacht”, lobte Freiburgs Trainer Robin Dutt.

Dass ausgerechnet einer aus der Abteilung Torverhinderung für den hoch verdienten Ausgleich sorgte, ist ebenso bezeichnend wie beinahe normal: Roel Brouwers Kopfball-Tor nach gefühlvoller Flanke von Arango (72.) war bereits der sechste Saison-Treffer des Niederländers.

Ein Innenverteidiger als Torschützenkönig: So muss ein Musterschüler von Michael Frontzeck aussehen.
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