Mönchengladbach - Max Eberl: „Jetzt müssen wir alle Kräfte bündeln”

Max Eberl: „Jetzt müssen wir alle Kräfte bündeln”

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:

Mönchengladbach. Die Tage sind etwas ruhiger geworden für Max Eberl. Nicht nur, weil die Transferperiode beendet ist. Die zwei Siege anno 2011 haben dem Sportdirektor des Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach sichtlich gut getan.

Er erlebt mit der sportlichen Misere und den Angriffen von Oppositionsgruppen gerade die schwierigste Zeit seiner noch jungen Manager-Karriere. Doch Eberl gibt sich kampfbereit.

Sechs Punkte mehr auf dem Konto seit der Winterpause. Was hat sich seitdem noch mehr verändert?

Eberl: Das Spiel! In der Hinrunde haben wir viel mehr Fußball gespielt - und extrem viele Gegentore kassiert. Deshalb haben wir den Fokus darauf gelegt, stabil zu werden, um Gegentore zu verhindern. Stabilität, der Fußball als zweiter Schritt - und Effektivität obendrein. Es geht um die Symbiose von guter Struktur, gut stehen und gut nach vorne spielen.

Sie haben das auch mit neuen Spielern neben den zurückgekehrten Verletzten versucht. Heißt das, dass Ihre Einkaufspolitik, Ihr Scouting, auf das Sie immer so viel wert gelegt haben, versagt hat?

Eberl: Bei jedem Transfer gibt es Unwägbarkeiten. In negativen Situationen machen diese sich deutlicher bemerkbar. Wenn wir Spieler holen, sind diese bewusst nicht alle stromlinienförmig. Wir machen es trotzdem. Wir wussten, dass uns ein Bobadilla mit seinem überschäumenden Moment auch schaden kann. Aber wir sind das Risiko eingegangen, weil wir die exorbitante Qualität gesehen haben. Und deshalb haben wir ihn auch nur ausgeliehen.

Aber im Laufe der Hinrunde stellte sich raus, dass die Zusammenstellung der Mannschaft nicht optimal war . . .

Eberl: Nicht alles ist planbar. Es haben sich Situationen entwickelt, die man nicht vorhersehen konnte. Dazu gehören auch die vielen Verletzungen. Im Winter aber haben wir dann reagiert und Spieler verpflichtet, die Erfahrung besitzen, keine lange Eingewöhnungszeit benötigen und bei denen die Unwägbarkeiten im Charakter minimiert sind. Doch sie sind keine Kurzarbeiter, alle können uns auch mittelfristig weiterhelfen.

Haben Sie denn auch Fehler gemacht?

Eberl: Fehler macht jeder. Davon spreche ich mich nicht frei. Mit 37 Jahren bin ich noch jung und bestimmt nicht davor gefeit. Wir haben beispielsweise mit Janeczek und Anderson auf zwei junge und mit Brouwers und Dante auf zwei ältere Innenverteidiger gesetzt. Vielleicht war das naiv. Beide Alten haben sich verletzt. Aber immerhin war Anderson der beste Verteidiger in der Zweiten Liga.

Werden Sie daraus Ihre Lehren ziehen und auch das fast Unmögliche - etwa in puncto Verletzungen - einkalkulieren?

Eberl: Die absolute Sicherheit können wir nicht haben. Wir wollen unsere Philosophie nicht verlieren und Talente weiter fördern. Es ist für uns nur eine bestimmte Kadergröße möglich. Mit 30 Spielern kannst du schon kein vernünftiges Training mehr machen.

Also sind auch Groß-Klubs nicht vor unwägbaren Einflüssen durch Verletzungen gefeit?

Eberl: Es gibt eine interessante Parallele. Auch andere Klubs sind punktemäßig weit hinter ihren Erwartungen geblieben: die Bayern, Bremen und auch wir. Alle mussten auf wesentliche Spieler verzichten. Die Münchner auf Robben und Ribry, die Bremer auf Naldo, Özil und Pizarro. Auch große Vereine können im Extremfall derartige Verluste nicht kompensieren. Ich hätte gerne mal gesehen, wenn wir mit unserer stärksten Elf durchgespielt hätten . . .

Aber dann gab es einen Zeitpunkt, wo Bobadilla und auch Arango nicht fehl am, aber auf dem Platz waren?

Eberl: Beide besitzen Qualitäten, die schon sehr wichtig für uns waren. Momentan sind sie hintendran. Und Beide werden uns in der Zukunft noch helfen.

Das mit den Beiden angestrebte Ziel Mittelfeldplatz ist schon lange passé . . .

Eberl: Wir haben jetzt das Ziel Klassenerhalt ausgegeben. Dabei ist natürlich auch das Rumoren um den Verein herum nicht gerade förderlich. Das hat man selbst im Spiel gegen Leverkusen nach dem Sieg in Nürnberg gespürt. Es herrscht eine extreme Unzufriedenheit. Das aber müssen wir von uns streifen. Jetzt müssen wir alle Kräfte bündeln.

Ist denn der Relegationsplatz das einzig realistische Ziel?

Eberl: Wir konzentrieren uns auf das rein Sportliche, das können wir beeinflussen. Die Ausgangslage war in der Winterpause sicherlich schlechter als momentan. Jetzt aber müssen wir den zweiten Schritt machen. Platz 13 ist auch nur sechs Punkte weg. Entscheidend ist, auch mal eine Serie zu spielen. Und das kann bedeuten, dass man in einen Lauf kommt . . .

Neuer Optimismus?

Eberl: Aus den ersten drei Spielen gehen wir in der Abstiegszone als Gewinner hervor. Wir haben aber nur einen Zipfel mehr in der Hand als in der Hinrunde.

Ihr Spiel hat sich verändert, der Sportdirektor auch?

Eberl: Ob ich mich verändert habe, weiß ich nicht. Aber so etwas geht nicht spurlos an einem vorüber. Das geht einem sehr nahe. Aber ein Max Eberl ist dafür bekannt, dass er dafür kämpft, was möglich und realistisch ist. Ich bin sicher, dass wir es mit unseren eingeleiteten Schritten und den zurückkehrenden Verletzten schaffen werden. Kampf ist die Mentalität, die mich immer ausgezeichnet hat. Und auch die, bei Rückschlägen weiterzukämpfen. Die Mannschaften, die die Nerven verlieren, werden es richtig schwer haben.

Haben Sie denn Sorgen, dass die Strukturen, die Sie mit Ihrem Team in den letzten Jahren geschaffen haben, durch die Vorhaben der Opposition gefährdet sind?

Eberl: Ich denke nicht zu viel an den Sommer. Vieles kann man den Mitgliedern erklären. Aber natürlich ist Misserfolg der Nährboden für Leute, die sich ins gemachte Nest setzen wollen. Aber das ist im Fußball nun mal so - die Mitglieder entscheiden. Ich will mich aber nur auf das konzentrieren, was ich beeinflussen kann - den Sport. Dahin fließt all meine Kraft und nicht in die Gedanken, was wäre wenn?
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