Max Eberl ist noch nicht geschieden

Von: Bernd Schneiders
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Mönchengladbach. Wer unten steht, hat wenig Argumente - im Fußball. Nicht viel anders ergeht es Borussia Mönchengladbach. Neben der sportlichen Misere weht dem Noch-Bundesligisten auch ein eisiger Wind auf Vereinsebene entgegen.

Dabei machen derzeit vor allem zwei Gruppierungen von sich reden: zum einen die Mitgliederoffensive 2007/2010, zum anderen die „Initiative Borussia”. Beide unterscheiden sich grundlegend: Die Mitgliederoffensive rekrutiert sich aus der Fanszene, die „Initiative” ist ein Zusammenschluss ehemaliger Unternehmer. Für beide scheint sich ein geeigneter Nährboden zu entwickeln, der mit dem - noch nicht feststehenden - Abstieg seinen Höhepunkt erreichen könnte.

Beide planen auf der turnusmäßig im Mai anstehenden Jahreshauptversammlung, den Lauf der Vereinsdinge mit Anträgen maßgeblich zu beeinflussen. Das ist für die Mitgliederoffensive um ihren Sprecher Michael Weigand nicht neu. Sie versuchten, sich in den letzten Jahren kontinuierlich in die Vereinsarbeit einzubringen. So haben Weigand & Co. erreicht, dass die sieben Aufsichtsratsmitglieder komplett von den Mitgliedern gewählt und nicht mehr, wie zuvor, nur vier gewählt, drei aber vom Präsidium kooptiert werden.

Die „Initiative” hat - noch - keine Geschichte. Ihre maßgeblichen Männer sind Wirtschaftsfachleute, die ebenfalls den Verein verändern wollen. Allerdings setzen sie auf Konfrontation und auf eine Politik der „rollenden Köpfe”: Während die Fan-Gruppe überwiegend eine Personalisierung ihrer Forderungen vermeidet, verlangt die Gruppe um Norbert Kox (64), einem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden einer Versicherungsgruppe, das Aus von Präsident Rolf Königs und Sportdirektor Max Eberl. In naher Zukunft will sie ein Gegen-Team vorstellen.

Auch sie hat sich auf ihre Fahnen eine „Demokratisierung” der Vereins geschrieben, allerdings will sie eben den von der Profi-Abteilung abtrennen. Der angestrebte verstärkte Mitgliedereinfluss beschränke sich damit auf den „Restverein” mit den Abteilungen Volleyball, Tischtennis, Jugendfußball, spöttelt Michael Weigand. Und auch die Versicherung der Offensiv-Bosse, sie würden kein Präsidentenamt anstreben, lässt den 34-jährigen CDU-Politiker nur müde lächeln. „Das ist doch klar: Der Präsident hat dann doch nichts mehr zu sagen. Die sind auf die Positionen im Aufsichtsrat scharf.”

Weigand ist zugleich Vorsitzender des Fanklubs Preuszen 93 und weiß die anderen Anhänger-Gruppierungen und das Fanprojekt hinter sich. Er ist nicht gut auf die „Initiative” zu sprechen. „Sie benutzen unsere Überschriften, um andere Inhalte zu transportieren”, ärgert sich Weigand, seit 1998 Vereinsmitglied und seit 1992 im Fanprojekt aktiv. Weigand setzt auf Kooperation, „wir wollen keine Revolution”. Und konträr zur Stoßrichtung der inzwischen Konkurrenz-Gruppierung wollen Weigand und seine Unterstützer den Verein als solchen weiterentwickeln und Borussia zu einem „Mitgliederverein” umstrukturieren. „Wir wollen nicht ein Unternehmen und auch Sportverein, sondern ein Sportverein und ein Unternehmen sein”, erklärt er.

Dazu wolle man nicht die bestehenden Strukturen zerschlagen, sondern an wichtigen Stellschrauben drehen. „Anders als bei vielen Traditionsvereinen wie etwa 1860 München, dem Karlsruher SC oder Arminia Bielefeld ist es um uns richtig gut bestellt”, lobt der „Vereinsentwickler” die Arbeit von Königs & Co. Doch auch er kritisiert Königs und fordert eine sportliche Zäsur. Darauf zielt der wichtigste von drei Anträgen für die Mitgliederversammlung. Das für den Sport zuständige Präsidiumsmitglied, derzeit Rainer Bonhof, soll von den Mitgliedern gewählt werden.

Eine kontinuierliche Arbeit sieht Weigand dennoch gegeben, da die Amtszeit sich auf drei Jahre belaufe. Weigand will Traditionalismus und Professionalismus miteinander versöhnen. Borussia solle wieder ein Verein mit Herz, mit Wohlfühlcharakter werden. Weigand gibt zu, ein Romantiker zu sein, aber einer mit professioneller Ausrichtung: Mit diesem Pfund als Mitgliederverein und seiner speziellen „Wir-Atmosphäre” könne man nicht nur einige richtig starke Profis zum längeren Verweilen animieren, sondern auch verstärkt bei Sponsoren wuchern.

Die „Initiative Borussia”, die gescheitert ist im Bemühen, die „Offensive” zu vereinnahmen, befindet sich derzeit in der Defensive. Man hat sich einen Maulkorb verpasst. Womöglich auch um zu verhindern, dass Gründungsmitglied Norbert Kox weiter Erhellendes zum Innenleben seines Klubs beisteuert. Sein letzter „Leckerbissen”: Trainer Michael Frontzeck sei nur verpflichtet worden, weil seine Frau mit der von Sportdirektor Max Eberl befreundet sei. Frontzeck ist inzwischen entlassen, Stand heute hat Frau Eberl noch nicht die Scheidung eingereicht.
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