Marc-André ter Stegen: Ein Torhüter-Leben auf dem richtigen Fuß

Von: Bernd Schneiders
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Borussias junger, aber großer
Borussias junger, aber großer Rückhalt: Marc-André ter Stegen. Foto: imago/Team 2

Mönchengladbach. Er ist gut im Rauskommen - aus seinem Tor. Verbal aber lässt sich Marc-André ter Stegen kaum locken. Speziell Vergleiche mit anderen aktiven oder ehemaligen Keepern wehrt der 19-Jährige ab.

Dabei ist offensichtlich, dass ter Stegen etwa mit Oliver Kahn, der immer dazu herhalten muss, bis auf die blonden Haare wenig Ähnlichkeiten besitzt. Dafür sind seine fußballerischen Qualitäten einfach zu gut. Vergleichbar aber ist allenfalls das Fokussiertsein auf seinen Job - ohne aber deshalb zu häufig Schaum vor dem Mund zu haben. „Ich hatte schon in der C-Jugend das Ziel vor Augen, ich wusste, wo die Reise hingehen sollte.” In die Bundesliga natürlich.

Und das war nicht nur dem gebürtigen Rheydter klar. Fragte man vor Jahren nach, wer denn mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit den Sprung ins Mönchengladbacher A-Team schaffen würde, kam immer nur eine Antwort: Ter Stegen! Echte Parallelen gibt es mit Manuel Neuer - auch wenn der Gladbacher auch davon nicht wissen will. „Das sollen andere beurteilen.” Aber wie der ehemalige Schalker durchläuft er ausschließlich und alle Jugendabteilungen des Heimatvereins. Wie Neuer (2005) wird er mit der Fritz-Walter-Medaille dekoriert (2009), wie der Bayern-Keeper ist er ein Extra-Libero, der eine wichtig Anspielstation für seine Feldkollegen ist und auch manche brisante Situation bereinigt, wodurch seine Abwehr wesentlich höher stehen kann. „Die Jungs wissen, da ist noch einer.”

Borussias Extra-Libero

Und was für einer! Ter Stegen hat das, was selbst die meisten Feldspieler nicht besitzen: die Beidfüßigkeit. Das vereinfacht die Rückpässe. Dante & Co. müssen nicht aufpassen, ihren Torwart-Libero auf dem falschen Fuß zu erwischen. Langeweile gibt es für ihn selbst hinter einer erstarkten Defensive nicht: „Ich will ein Aktivposten sein, immer mitspielen.” Und überhaupt: „Langweilig wird es bei Borussia sowieso nie werden.”

Bis zur E-Jugend spielte ter Stegen im Sturm. Doch immer wenn der Stamm-Torhüter ausfiel, musste Jung-Marc-André ran. So erfolgreich, dass er sich mit seiner angeborenen Beharrlichkeit dort festbiss und bereits ab der U 15 mit den Profis trainierte - soweit die Schule das zuließ. Die kontrollierte Besessenheit hat ihn auch heute noch nicht verlassen. Die 0:1-Niederlage auf Schalke belegt diese Qualität.

Sie ist für eine Karriere auf einer Position, die nicht nur einsam ist, sondern auch machen kann, unabdingbar. Das Gegentor gewährt einen Einblick ins so sorgsam gehütete Innen- und Außenleben des jungen Mannes. Drei Mal musste Weltstar Raúl aus vier Metern ansetzen, um den Borussen-Keeper zu überwinden. Zwei Mal pariert e ter Stegen brillant und musste sich erst durch einen Knie-Stoß geschlagen geben.

Was bis dahin keiner ahnte: Der 19-Jährige war mit einer Wadenzerrung ins Spiel gegangen. „Hat man mir doch nicht angemerkt?”, fragt der Jung-Profi besorgt. Nein, hat man nicht. „Nach dem Tor hatte ich starke Schmerzen”, gestand er. Die Psyche hält mit. Und die ist bei ihm stark und wird auch durch Lehrmeister Uwe Kamps gekitzelt und gefördert. „Dann werden wir jetzt im Training eben verstärkt das drei- oder viermalige Parieren üben”, kommentierte der Towarttrainer noch in der Schalke-Arena knochentrocken.

Zum Glück war an diesem Sonntagabend auch noch sein älterer Bruder in der alten Heimat. Jean-Marcel studiert BWL in Jena. Und „schafft es leider nur ein- bis zweimal uns zu besuchen”. Nach der Niederlage auf Schalke, die Marc-André so wurmte, war der 25-Jährige besonders wertvoll - „zum Runterkommen”.

„Weiter, immer weiter” - zumindest diese Kahn-Regel hat ter Stegen verinnerlicht. Auch wenn sie in anderen Bereichen etwas schwieriger umzusetzen ist. Gerade hat der 19-Jährige seine erste eigene Wohnung in Windberg bezogen. Weg von Mama, bei der er bisher wohnte. Im Internat, das gemeinsam mit der Jugendabteilung als eines der vier besten der Bundesliga beurteilt und mit drei Sternen ausgezeichnet wurde, hat er nie wohnen müssen. Jetzt aber kämpft er um eine andere Auszeichnung. Er muss sich nun selbst versorgen. „Ich bin schon ein Ein-Sterne-Koch”, grinst er und weiß ganz genau, dass er die Kochkünste seiner Mutter nicht einmal annähernd erreichen wird.

Aber auch auf diesem (Koch-)Feld bemüht er sich - verantwortungsvoll: Seine Kumpel aus der Jungspund-Fraktion im Borussen-Kader wurden noch nicht dem Risiko ausgesetzt, seine Produkte probieren zu müssen. Trainer Lucien Favre wird es ihm danken.

Marco Reus trainiert am Freitag den Ernstfall

Die Frisur ist neu, die Aussage vor dem Spiel am Samstag gegen Kaiserlautern nicht. Wie immer wird es „sehr, sehr schwer”, sagt Borussias Trainer Lucien Favre. Nach ausschließlich wenn nicht dicken, zumindest aber dickeren Brocken kommt ein Gegner, der nicht per se über Borussia anzusiedeln ist. Aber der Schweizer verweist nur zu gerne auf die Tabellen-Endsituation der letzten Saison. Danach empfängt der Tabellen-16. den -Achten. Den Begriff „Favorit” hält Favre deshalb auch für seine Mannschaft für „sehr übertrieben”. Womöglich auch, weil er weiß, dass Gladbach gerade in der vergangenen Spielzeit mit diesen vermeintlich leichteren Gegnern große Schwierigkeiten hatte.

Marco Reus wird am Freitag zum ersten Mal wieder mit der Mannschaft trainieren. Danach entscheidet sich, ob der Offensiv-Künstler im Kader steht. „Ich habe nur positive Gedanken”, mag Favre über den drohenden Ausfall nicht lamentieren. Die Rückkehr von Martin Stranzl und Marc-André ter Stegen wird diesen Positivismus erleichtern.

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