Köln - Lustlos, ratlos, trostlos: Köln im Abstiegskampf

Lustlos, ratlos, trostlos: Köln im Abstiegskampf

Von: Florian Lütticke, dpa
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Podolski
Lukas Podolski verzweifelt. Foto: dpa

Köln. Lustlos auf dem Platz, wortlos nach der Blamage: Die Pfiffe der Kölner Fans waren erst zehn Minuten verklungen, da flüchtete Lukas Podolski bereits frustriert aus dem Stadion.

Nicht nur dem seit 793 Bundesligaminuten torlosen Nationalstürmer fehlten für den peinlichen Auftritt beim 0:4 (0:2) gegen 1899 Hoffenheim die passenden Worte. „Ich muss mich entschuldigen für eine desolate Leistung”, sagte Trainer Zvonimir Soldo.

Nach dem neuerlich missratenen Charaktertest vor eigenem Publikum heißt die bittere Realität für Podolski und Co. Abstiegskampf - für den es allerdings an einer essenziellen Tugend mangelt. „Vielleicht liegt es an der Einstellung”, vermutete FC-Manager Michael Meier.

Besonders die Slowenen Milivoje Novakovic und Miso Brecko vermittelten nicht den Eindruck, als würden sie nach dem Ärger der vergangenen Tage vollen Einsatz für den FC zeigen. Mit „taktischen Gründen” erklärte Coach Zvonimir Soldo, warum er Brecko nach 29 Minuten und Novakovic nach einer Halbzeit ausgewechselt hatte. Der FC-Kapitän hatte dem Verein am Freitag wegen der erzwungenen Heimreise per Privatjet „wenig Respekt” vorgeworfen. Die Aufständigen, die nach geschaffter WM-Qualifikation in der Heimat feiern wollten, wurden „rein materiell bestraft” (Meier).

Der zunehmend ratlos wirkende Soldo muss hingegen noch keine Konsequenzen befürchten. „Warum soll ich das beantworten? Das ist doch selbstverständlich”, gab Meier auf die Frage zurück, ob der Kroate auch am Freitag auf der FC-Bank sitzen wird. Dann muss die „schwer emotionalisierbare Mannschaft” (Meier) beim VfL Bochum besonders die offensive Lethargie ablegen: In den vergangenen vier Spielen schoss das Team insgesamt nur achtmal aufs Tor. Beim Abstiegsduell fehlt der gelbgesperrte Podolski, der sich im Vergleich zur erfolgreichen Zeit im Nationaldress wie in einer schlimmen Kölner Parallelwelt fühlen muss.

Neben dem Publikumsliebling gingen im Anschluss an die fünfte Heimpleite auch andere vermeintliche Führungsspieler wie bereits während der Partie auf Tauchstation. So fasste einzig der 20 Jahre alte Kevin Pezzoni die prekäre Situation zusammen: „Es standen nicht elf Leute auf dem Platz, die zusammenhalten, sondern jeder hat für sich selbst gespielt”, sagte er und attackierte die Kollegen. „Es muss auch mal was von den etablierten Spieler kommen, nicht von mir. Sie müssen sich in die Pflicht nehmen.” Den Rüffel für seine Offenheit erhielt Pezzoni umgehend von Manager Meier: „Vielleicht ist er noch zu unerfahren. Es gibt große Spieler, die nach solchen Niederlagen sagen: Am besten hältst du die Klappe.”

Kein Grund für leise Töne hatte hingegen Hoffenheims Carlos Eduardo, der seinem ersten Auftritt mit der brasilianischen Selecao beim 1:0 gegen England eine Gala-Vorstellung folgen ließ. „Das hat mir unglaubliches Selbstvertrauen gegeben. Wenn man mit so großen Stars wie Kaka oder Robinho spielen darf, ist das unglaublich”, sagte der Torschütze zum 1:0 (5. Minute). Mit den Treffern von Chinedu Obasi (11.), Demba Ba (46.) und Vedad Ibisevic (90./Foulelfmeter) schoss sich das junge Team in die Spitzengruppe und lieferte unbedrängt eine Blaupause für Offensivfußball. „Das ist der Maßstab, den wir uns selber setzen. Es liegt an uns, das jetzt konstant abzurufen”, sagte Verteidiger Marvin Compper.
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