Lukas Podolski und der geläuterte „Obama”

Von: Günter Kirschbaum
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Ein Tänzchen in Ehren... Kölns überragender Lukas Podolski (links) und der zweifache Torschütze Manasseh Ishiaku. Foto: imago/Chai v.d. Laage

Köln. Lukas Podolski kletterte über den Zaun an der Südtribüne, sprang in die Menge, verschenkte sein verschwitztes Trikot und ließ sich von seinen Sympathisanten feiern. Es war die pure, ausgelassene Freude. An einem bemerkenswerten Fußballabend und dem 3:2 (2:0)-Pokalsieg über den VfL Wolfsburg brachen am Rhein sämtliche emotionalen Dämme.

Zurück blieb die Erkenntnis, dass der 1. FC Köln innerhalb von vier Tagen der Spirale des Misserfolgs die Dynamik genommen hat. 2:0 in Stuttgart, das Pokal-Achtelfinale erreicht: Die Krise ist zunächst Geschichte. „Unser Ziel ist es, dass die Zuschauer zufrieden nach Hause gehen”, versteht sich FC-Trainer Zvonimir Soldo als Dienstleister.

„Heute haben sie ein tolles Spiel gesehen. Wir haben diesmal auch das nötige Glück gehabt und verdient gewonnen.” Der smarte Kroate, der öffentlich nie die Fassung verliert, war immer davon überzeugt, dass seine Arbeit erfolgreich sein würde.

Es war das Auftreten als Kollektiv, die Körpersprache der Kicker und die Gala der Stürmer, die Soldo und den 31.500 Zuschauern eine sehenswerte und im zweiten Durchgang hochdramatische Begegnung ermöglichten. Und das noch ohne den Kapitän, die FC-Torgarantie der letzten Saison. Milivoje Novakovic (Adduktorenzerrung) gehörte nicht einmal zum Kader.

Ob der Slowene am Samstag beim Derby gegen Bayer Leverkusen in der Startformation stehen wird, ist sehr fraglich. Manasseh Ishiaku, eigentlich nur sein Platzhalter, erlebte in Stuttgart und gegen Wolfsburg seine sportliche Wiedergeburt. „Mana war eine Sensation”, befand Vize-Präsident Jürgen Glowacz. Innerhalb von zehn Minuten hatte „Obama”, wie der Nigerianer im Mannschaftskreis gerufen wird, zwei Mal geknipst. In Minute 22 wuchtete er eine Flanke von Fabrice Ehret zur Führung in den „Wolfsbau”. Und nach einem Podolski-Freistoß aus knapp 25 Metern, den VfL-Keeper Diego Benaglio nach vorne abprallen ließ, war der 26-Jährige erneut zur Stelle. Dieser Doppelpack allein reichte zwar nicht, Wolfsburg kam durch Edin Dzeko (54.) und -Ênach dem zwischenzeitlichen 3:1 von Sebastian Freis (65.) -durch ÊSascha Riether zwei Mal zurück. Mehr ließ der FC nicht zu in einer spannenden Schlussphase, in der Wolfsburgs Marcel Schäfer Gelb-Rot sah und Trainer Armin Veh auf die Tribüne musste.

Im Sommer 2008 vom MSV Duisburg für 2,5 Millionen zum FC gewechselt, waren es Ishiakus erste Heimtreffer. Bisher war der Afrikaner bei seinem aktuellen Arbeitgeber eher durch mangelhafte Disziplin aufgefallen. Er telefonierte auf der Ersatzbank während des Spiels, kam häufig verspätet zum Training, verpasste schon mal die Abfahrt des Busses zu einem Testspiel und vermittelte in vielen Übungseinheiten nicht den Eindruck überbordenden Engagements. Vor dem Spiel gegen Frankfurt platzte Soldo der Kragen. Wieder einmal kam Ishiaku zu spät zu einer Besprechung und wurde suspendiert. Seither, so berichten regelmäßige Besucher des FC-Trainings, arbeite der Stürmer vorbildlich.

Auf die zweite Geschichte, die dieser Pokalsieg schrieb, haben die Kölner Anhänger seit Wochen gewartet. Lukas Podolski rechtfertigte erstmals nach seiner Rückkehr die Zehn-Millionen-Überweisung an die Bayern. Also sang FC-Präsident Wolfgang Overath das hohe Lied auf seine Nummer 10. „Lukas ist einer der besten deutschen Spieler. Er hat sensationell gespielt.”

Der Nationalstürmer war an allen Kölner Treffern beteiligt und war unglaublich präsent. „Wir kommen immer besser in Fahrt”, befand Podolski und begründete: „Wir haben jetzt auch eine eingespielte Mannschaft.” Und vor der nahen Zukunft ist dem Sympathieträger nicht bange. „Wenn wir so auftreten wie heute, können wir gegen jede Mannschaft gewinnen.” Sagt Podolski.
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