Lücke im Etat: Alemannia fehlen 800.000 Euro

Von: Christoph Pauli
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Wie alles begann: Die Gesichte
Wie alles begann: Die Gesichter beim ersten Spatenstich von Bauunternehmer Walter Hellmich, dem damaligen Oberbürgermeister Jürgen Linden und Geschäftsführer Frithjof Kraemer (von links) wirkten noch sehr zuversichtlich. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. „Nachlizenzisierungsverfahren” ist ein sperriges Wort. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) nutzt es gerne, wenn sie bei den Klubs im Laufe des Jahres noch einmal vorbeischaut und Abweichungen vom Finanzplan befürchtet.

Die Vereine müssen dann „ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit während der Spielzeit” akribisch dokumentieren. Das klingt auch nicht flüssiger und ändert auch nichts an der Anforderung.

Natürlich sind die Oberaufseher auch bei Alemannia vorstellig geworden. Zu eindeutig hinkt der gefährdete Verein hinter seinen Kalkulationen zurück. Einen Schnitt von 18.500 Zuschauern und TV-Platz 9 hatte die Geschäftsführung in den Etat geschrieben.

Es ist dann anders gekommen. Zwar besuchten im Schnitt sogar 18.882 Zuschauer die ersten sieben Heimspiele, aber die Zahl wurde durch ein gelungenes Marketing zum 1000. Ligaspiel gegen Duisburg und einem prallgefüllten Stadion aufgehübscht.

Woche für Woche verliert das Team, das sich im Tabellenkeller förmlich eingenistet hat, weitere wichtige TV-Gelder (aktuell Platz 14 im Ranking, das die Platzierungen der letzten vier Spielzeiten berücksichtigt). Schon mehr als 300.000 Euro fehlen. Zudem mussten unterwegs noch zwei Trainer außerplanmäßig mit einigen Monatsgehältern abgefunden werden, und ein nicht ganz billiger Coach kam auf der Gehaltsliste dazu.

Insgesamt will die DFL einen Nachweis bis zum 13. Januar in ihren Händen haben, wo fast 800.000 Euro herkommen sollen, die der Zweitligist bislang unter Plan liegt. Bis zum Saisonende wird inzwischen ein Fehlbetrag von einer Million Euro im Vergleich zur Planung aus dem letzten Frühjahr vermutet. Die Herren der Zahlen müssen überzeugt werden. Andernfalls droht Klubs wie Aachen eine Geldstrafe bis hin zum Abzug von zwei Punkten im laufenden Betrieb.

Der Verein muss aufzeigen, wie er das Finanzloch stopfen kann. Die Aufforderung kommt nicht überraschend. „Wir kennen das Thema, haben Maßnahmen vorbereitet”, sagt Frithjof Kraemer. Präziser will der Geschäftsführer vorerst nicht werden, der Verein strebt die „große Lösung” an.

Für Alemannia spitzt sich die Lage ziemlich dramatisch zu. „Die Ertragskomponenten können wir kaum noch beeinflussen”, sagt Frithjof Kraemer. Die Phantasie ist erschöpft. Weder wird ein Pokalspiel noch ein Zuschauerboom in den nächsten Monaten erwartet. Und auch ein Sondererlös durch einen Wintertransfer ist so wahrscheinlich wie ein Schneesturm über dem Tivoli im August. Welcher Spieler hat in der verkorksten Hinrunde bislang auf sich aufmerksam gemacht?

Dem auch sportlich gefährdeten Verein bleibt nur die Kostenseite: Er muss von seiner jährlichen Annuität von 5,5 Millionen Euro herunter. Das Thema ist nicht neu, durch Sondererlöse (Transfers, Pokalsiege) wurde nur Zeit gewonnen, das Kernproblem bleibt ein treuer Begleiter. Nur wenn es Alemannia gelingt, das Korsett zu lockern, in das sich der Klub hineingezwängt hat, kann er überleben. Der Verein ist unterwegs wie ein Bergsteiger im freien Fall, der noch festen Halt an einer Wand finden will.

Im Hintergrund laufen die Verhandlungen zwischen Ministerien, Stadt und Hauptsponsor, um die Situation zu retten. Kraemer will sich zum Stand der Dinge nicht äußern, aber es hakt wohl immer noch gewaltig. Von der Verwaltung ist noch kein Signal der Zustimmung gekommen, und inzwischen ist auch der Hauptsponsor, so ist zu hören, nachhaltig verstimmt über die Politik im Aachener Rathaus.

Die Aachen Münchener will erst weiterhelfen, wenn die Verwaltung Unterstützung zusagt. Der Klub lässt gerade ein „Worst-case-Szenario” erstellen. Die Gutachter sollen ermitteln, welche Miete Alemannia nach einem Stadion-Verkauf in der 2. oder 3. Liga leisten könnte. Absehbar ist jetzt bereits, dass sich Alemannia ohne den Stadion-Verkauf oder externe Hilfe im Sommer von den ersten drei Ligen verabschieden muss. Am Tivoli würden dann die Lichter ausgehen.

Im Januar ist „D-Day”. Die DFL-Frist läuft aus, und nahezu parallel muss sich der Rat der Stadt Aachen erklären.
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