Lucien Favres „Feier-Abend” fällt aus

Von: Bernd Schneiders
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Von wegen stolzer Südamerikan
Von wegen stolzer Südamerikaner: Frustriert schleicht Borussias Juan Arango in Düsseldorf nach der Pokal-Pleite vom Platz. Foto: Wiechmann

Mönchengladbach. Hans Meyer hätte gewusst, was zu tun ist: Dem ehemaligen Trainer von Borussia Mönchengladbach wurde während seiner Amtszeit unzählige Male die Frage nach dem Torschuss-Training gestellt, wenn seine Mannschaft mal wieder viele Chancen herausgespielt, aber zu wenige genutzt hatte.

„Ja, wir werden das jetzt üben!” pflegte er die so sachkundigen TV-Reporter zu bestätigen, scheinbar dankbar über die so hilfreiche Anregung. Natürlich hat er dann ganz normal weitertrainiert. Extraschichten Torschusstraining als Hilfsmittel entsprangen lediglich der naiven Vorstellung der Fragesteller. Auch Lucien Favre hätte guten - oder „treffender” schlechten - Grund, einen Lösungsansatz für das Pokal-Aus in Düsseldorf zu finden. Denn das 0:1 nach Verlängerung entsprang nicht der Stärke der Fortuna, sondern ausschließlich der (Abschluss-)Schwäche seiner Borussia. Doch dem Schweizer fehlt die Ironie. Wie Meyer aber weiß er: Fußball ist nicht immer so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint.

Gefangen in der Fußball-Welt

Nah sind sich die beiden auch in einer privaten Angelegenheit: Gestern hatte Favre Geburtstag (55), heute wird Hans Meyer 70 (siehe: Leute). Nun kann es sich das Präsidiumsmitglied leisten, heute ein Gläschen Rotkäppchen-Sekt zu schlürfen. Der Trainer aber ist gefangen in seiner selbst erwählten Fußball-Welt. „Wir werden im Mannschaftshotel sein, einen Feier-Abend wird es nicht geben”, offenbarte Favre sein gestriges Geburtstagsprogramm. Die 120 Minuten in Düsseldorf bieten Anschauungsmaterial en masse, was noch zu verbessern ist - auch ohne Torschusstraining. Aber es besteht Hoffung auf Besserung. Nicht nur bei der Mannschaft. Der Schweizer scheint seine (neue) Aufgabe immer mehr anzunehmen, mit ihr zu verwachsen wie in der vergangenen Spielzeit. Die Mäkel-Kommentare werden seltener, mit einem gewissen Abstand entdeckt Favre auch in der Derby-Niederlage Positives. „Man kann schlecht spielen und verlieren, das muss man dann leider akzeptieren. Aber das war nicht so. Die Niederlage war total unverdient.”

Die Gemeinsamkeit entwickelt sich, wenn auch wie erwartet jenseits vom zu lange nachgeweinten „Tiki-Taka” der Vorsaison. Und man muss ja nicht unbedingt zynisch kommentieren, dass diese zurückgewonnene Tugend sich in Düsseldorf besonders prägnant gezeigt habe: im gemeinsamen Verschludern der allerbesten Einschussmöglichkeiten. Diese hohe Anzahl an Torchancen ist für die Borussia 2012/2013 nicht alltäglich. Ob sie jetzt nur der Schwäche der Düsseldorfer oder der eigenen Stärke geschuldet ist: Ausgerechnet in diesem so seltenen Moment fehlte der Neuner, den Max Eberl mit Luuk de Jong eingekauft hat. Das Spiel am Mittwochabend war wie gestrickt für den verletzten niederländischen Strafraumspieler.

Die Aufgabe gegen Freiburg wird „anders”, wie Favre sich vornehm ausdrückte. Was er nicht sagt, weil er die Fortunen nicht beleidigen will: Die Breisgauer sind wesentlich bessere Fußballer, spielstark und schnell. Da kommt es nicht ungelegen, dass Tony Jantschke nach seiner Gehirnerschütterung spielen und Martin Stranzl wieder nach innen rücken kann.

So könnten sie spielen: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems - Nordtveit, Xhaka - Rupp, Arango - Herrmann, de Camargo
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