Lucien Favre hofft auf Pokal-Spiel statt auf Pokal-Kampf

Von: Bernd Schneiders
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Tüftler aus der Schweiz: Glad
Tüftler aus der Schweiz: Gladbachs Trainer Lucien Favre. Foto: imago/Team 2

Mönchengladbach. Für Lucien Favre fängt eine fürchterliche Zeit an. „Bis Weihnachten haben wir zehn englische Wochen, hoffentlich zwölf.” Das ersehnte Dutzend, wenn Borussia Mönchengladbach in die dritte Pokalrunde einzieht.

Die Folgen wären schrecklich für den Schweizer Tüftler. „Nur ein Training am Tag, keine intensiven Einheiten mehr, dann kommt es mehr auf Erholung an.” Die zehn- bis zwölfwöchige Dürre würde bei seinen Schülern gut ankommen, glaubt der Fußballlehrer. „Wie alle Fußballer spielen sie lieber als zu trainieren - ich auch.”

Bei diesem Nachsatz wird der 54-Jährige noch nicht mal rot, und es wächst ihm auch keine lange Nase. Dabei weiß ein jeder, dass Favre nur dann richtig aufblüht, wenn er seine Spieler auf dem Trainingsplatz unterrichten kann. Die ungewohnt vielen Spiele aber werden ihm umso mehr Ansätze zu korrigierenden Maßnahmen bieten, die er aber nicht umsetzen kann, dass seine Leiden bereits progammiert sind.

Die sind auch nach dem Spiel auf dem Tivoli nicht ausgeschlossen. „Sie können kontern, sie können ein Spiel drehen, sie können ein Spiel machen”, ist Favre von den Aachenern durchaus beeindruckt. Aber er freut sich auch: „Sie haben auch technisch gute Spieler - das finde ich gut.”

Das hört sich an wie die Hoffnung, dass es nicht nur einen Pokal-Kampf, sondern auch ein Pokal-Spiel geben könnte. Und während der 90 oder 120 Minuten auch mal mit eher unerwartetem Gefälle. „Wir werden auch mal in die Situation kommen, in der wir kontern müssen.”

Doch seine Grundidee der Dominanz muss natürlich erst recht gegen einen Drittligisten gelten. Auch wenn rund 29.000 Fans diesen nach vorne peitschen werden. Ballbesitz als Selbstzweck ist für Favre eher eine Schreckensvision. Und noch gut in schlechter Erinnerung ist dem Borussen-Coach die Pokalbegegnung gegen einen anderen Drittligisten aus dem letzten Jahr: Erst im Elfmeterschießen setzte sich der Erstligist beim 1. FC Heidenheim durch, nachdem es nach 120 Minuten 0:0 gestanden hatte. „Da haben wir keine Torchancen gehabt, und das mit Marco Reus und Dante und einer eingespielten Mannschaft.”

So weit kann die neue noch nicht sein. Die Automatismen müssen noch vervollkommnet werden, die ersten Partien sind Ko.- und Findungsspiele zugleich. Innenverteidiger Alvaro Dominguez ist erst spät zur Mannschaft gestoßen und musste gleich wieder zu den Olympischen Spielen. Der Transfer von Torjäger Luuk de Jong zog sich zäh wie Kaugummi hin, und nach einer Mandel-Operation wies der Niederländer erheblichen Trainings- und Konditionsrückstand auf. „Aber er kommt langsam”, frohlockt Lucien Favre.

„Gegen Norwich hat er ein interessantes Spiel gezeigt. Besonders mit dem Rücken zum Gegner.” Die niederländische An- und Mitspielstation: Was dem Schweizer allerdings Sorgen macht, ist, dass sein momentan zweiter bester Stürmer auch nicht die Qualität verkörpert, die Favre für zwingend hält und die zuvor Marco Reus auf ideale Weise eingebracht hatte: die Schnelligkeit Richtung Tor.

Igor de Camargo ist auch eher ein Kombinierer und schlitzohriger Angreifer in Lauerstellung denn ein Tempodribbler. Ein Plus des neuen Duos aber ist eine Waffe, die speziell gegen Alemannia stechen könnte: Beide sind äußerst kopfballstark.

Mögliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems - Xhaka, Nordtveit - Hermann, Arango - de Camargo, de Jong
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