Lieber auf dem Transfermarkt punkten als beim EM-Tipp

Von: Jan Schlegelmilch
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Interessanter Mann: Abwehrspie
Interessanter Mann: Abwehrspieler Mapou Yanga-Mbiwa aus Montpellier. Foto: imago/PanoramiC

Mönchengladbach. Nein, erfolgreich verlief die Europameisterschaft für Max Eberl bis jetzt noch nicht. Im vereinsinternen Tippspiel hat Borussias Sportdirektor noch keinen Punkt geholt. Eberl nimmts mit Humor - schließlich will Mönchengladbachs Manager in den nächsten Wochen vielmehr auf dem Transfermarkt punkten.

Ein Innenverteidiger und ein Stürmer, die die Abgänge von Dante und Marco Reus kompensieren sollen, stehen unverändert auf Eberls Wunschzettel. Etliche Namen geistern durch die Internetforen und Gazetten, kommentieren will Eberl diese Gerüchte nicht. Auch nicht die über den möglichen Dante-Ersatz Mapou Yanga-Mbiwa, der mit Borussia in Verbindung gebracht wird.

„Wer mit 23 Jahren als Kapitän von Montpellier französischer Meister wird, kann schon nicht so schlecht sein”, sagt Eberl lediglich zum Innenverteidiger, an dem fast jeder europäische Verein mit Rang und Namen interessiert sein soll. Gleiches gilt für Luuk de Jong, beim Werben um den niederländischen Angreifer von Twente Enschede muss die Borussia prominente Konkurrenz aus der englischen Premier League ausstechen.

„Wenn solche interessanten Spieler auf dem Markt sind, haben sie auch immer ihren Stellenwert. Wir stehen da mit Vereinen wie Arsenal und deutschen Top-Klubs in Konkurrenz, das macht die Sache schwierig. Aber wir werden trotz unserer finanziellen Möglichkeiten das Geld nicht zum Fenster rauswerfen”, bleibt Eberl seiner Transferpolitik trotz gefülltem Portemonnaie treu.

Etwa 22 Millionen Euro stehen dem Manager durch die Transfers von Marco Reus (nach Dortmund) und Dante (Bayern München) zur Verfügung, für die Offensivkräfte Peniel Mlapa von 1899 Hoffenheim und Branimir Hrgota aus der zweiten schwedischen Liga musste Eberl das wenigste davon ausgeben. Auch für Außenstürmer David Hoilett, dessen Verpflichtung der Manager noch nicht bestätigen will, würde Gladbach wegen einer Ausstiegsklausel nur rund 800 000 Euro nach Blackburn überweisen. Nur den Wechsel von Granit Xhaka vom FC Basel ließ sich Eberl Xhakas Marktwert entsprechend wohl etwas mehr kosten, im Gespräch sind rund neun Millionen Euro.

Mittelfeld ist „dicht”

Xhaka soll die Lücke schließen, die der zu Schalke abgewanderte Roman Neustädter im defensiven Mittelfeld hinterlässt - dass der erst 19-jährige Schweizer Nationalspieler darüber hinaus zu weit mehr in der Lage ist, deutete er zuletzt beim Länderspiel der Schweiz gegen Deutschland an. „Wir suchen ja auch niemanden, der einen Spieler Eins-zu-Eins ersetzen kann. Das geht nicht. Jeder Spieler hat seine eigene Qualität, seine eigenen Ideen. Wir suchen die Qualität, die uns mit Dante und Marco Reus verlässt, zu finden”, erklärt Eberl den weiteren Plan. Zumindest im Mittelfeld sieht der Sportdirektor - auch unter Berücksichtigung der Winter-Einkäufe von Alexander Ring und Tolga Cigerci - keinen Handlungsbedarf mehr.

Weitere Qualität in der Abwehr bekommt Gladbach in Person von Bamba Anderson hinzu, dem Eberl während seiner Ausleihe zu Eintracht Frankfurt eine gute Entwicklung bescheinigt. „Deswegen ist Bamba hochinteressant für uns, auch wenn ich verstehen kann, dass er lieber in Frankfurt geblieben wäre”, meint Eberl. Frankfurt hat die Kaufoption für den Brasilianer aber nicht gezogen. Auch bei Tobias Levels, der an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen war, hat der Aufsteiger die Kaufoption verstreichen lassen. Dennoch soll Levels bei der Fortuna bleiben, beide Seiten würden an einer Lösung arbeiten, so Eberl.

Ungeklärt ist der „Fall Logan Bailly”. Der Torwart, der noch einen Vertrag bis Juni 2013 hat und vom KRC Genk zurückkehrt, soll Gladbach aber in jedem Fall verlassen, konkretes Interesse hat noch kein Verein signalisiert. Das sieht bei Nachwuchsstürmer Elias Kachunga, der in der vergangenen Saison beim VfL Osnabrück überzeugt hat, ganz anders aus. Eberl denkt darüber nach, Kachunga durch ein erneutes Ausleihgeschäft Spielpraxis in Liga Zwei zu geben. Auch Ausleihgeschäfte weiterer junger Spieler wie Yuki Otsu oder Mathew Leckie schließt Eberl keinesfalls aus.

Bei den EM-Spielen sitzt Borussias Sportdirektor übrigens ganz entspannt und ohne Notizblock vor dem Fernseher. Ein bis zwei Spiele schaue er aus Sicht des Managers, so Eberl, den Rest vielmehr als Fan und Tippspieler. „Alles andere macht keinen Sinn. Spieler, die bei der EM groß raus kommen, haben nachher einen ganz anderen Wert”, meint Eberl. Ein Glück für Borussia, dass Luuk de Jong das Turnier wahrscheinlich von der Ersatzbank aus verfolgen wird . . .
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