Kein Quäntchen Glück und ein sterbender Schwan

Von: Heribert Förster
Letzte Aktualisierung:
glad-fotto26
Der Retter: Kölns Miso Brecko (links) klärt auf der Linie nach dem Kopfball von Roel Brouwers (rechts am Boden). Foto: Reiner Dahmen

Mönchengladbach. Michael Frontzeck erzählte einfach eine kurze Geschichte. Er redete sich nicht in Rage, versprühte keinen Zynismus, er erzählte nur. Von einem Fernsehabend zuletzt, „da hab´ ich ein Fußballspiel gesehen. Manchester United gegen Manchester City, ein Derby wie hier”.

Und Frontzeck sah im Fernsehen, wie ManU-Stürmerstar Wayne Rooney mittels Schwalbe einen Elfmeter schinden wollte. „Da haben die eigenen Fans gepfiffen.”

Englische Stadionbesucher gelten mehrheitlich als Anhänger des ehrlichen Spiels. Natürlich wollen sie Siege sehen, natürlich Tore ihrer Mannschaft bejubeln. Wird auf der Insel die Arbeit mit Leidenschaft und Einsatz erledigt, ist der Fan auch nicht unzufrieden. Borussia Mönchengladbachs Sympathisanten hatten dieses feine Gespür, sie entzogen ihren „Helden” auch nach dem vom Ergebnis her enttäuschenden 0:0 gegen den 1. FC Köln nicht die Zuneigung - es ging raus mit Applaus.

Mönchengladbachs Trainer Frontzeck hat mit seiner Geschichte zwar eher die schauspielerischen Darbietungen des Kölner Torwarts Faryd Mondragon, 37, anprangern wollen, dem Borussias Sportdirektor Max Eberl „Altersschwäche” attestierte. Borussias Kapitän Tobias Levels - und nicht nur ihm - geht der oftmals „sterbende kolumbianische Schwan” regelrecht auf den Keks: „Wenn der zehn Mal im Spiel auf dem Boden liegt, dann muss der Schiedsrichter mal hingehen und den Karton ziehen. Das nervt einfach.”

Frontzeck regte sich höchstens innerlich so auf wie sein Kapitän, äußerlich gab Frontzeck den Frontzeck, den er schon seit Wochen gibt. Ruhig, besonnen - und wissend: „Es ist jetzt eine zähe Phase, aber es ist auch nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder dreifach punkten. Der Fleiß wird irgendwann belohnt.” Ins gleiche Horn blies Eberl, „das einzige, mit dem ich heute hadern kann, ist das fehlende Quäntchen Glück.”

Nun muss man schon ein bisschen relativieren: Borussia hat nicht brilliert, aber wie die Mannschaft nach fünf Liga-Niederlagen in Folge auftrat, verdient Respekt. Von Verunsicherung war nichts zu spüren, und dass man als Tabellenvorletzter eine defensiv vorzüglich organisierte Kölner Mannschaft nicht einfach würde aus den Angeln heben können, war auch klar.

So durfte Eberl zwar zu Recht das fehlende Quäntchen Glück bemängeln, als der verbesserte Juan Arango bei Freistößen knapp das Ziel verfehlte bzw. am sportlich ohne Frage exzellenten Mondragon scheiterte (39., 56.). Oder das Miso Brecko den Kopfball von Roel Brouwers aus dem Eck köpfte (74.) und der wie Arango verbesserte Michael Bradley mit Distanzschüssen Pech hatte, besonders beim satten Linksschuss in der Nachspielzeit. Doch Eberl und auch Frontzeck wird nicht verborgen sein, dass gerade der finale Pass oftmals zu kurz, zu lang, zu schlecht geriet.

Den vier, fünf ganz guten Mönchengladbacher Möglichkeiten hatte Köln eine einzige entgegenzusetzen. Doch Manasseh Ishiaku, sarkastisch betrachtet über 90 Minuten einer der besten Borussen, vergab in der 45. Minute die gute Vorarbeit von Lukas Podolski und Kevin McKenna, der schon frühzeitig (34.) den am Bein verletzten Christopher Schorch ersetzen musste. „Da hatten wir einmal Glück, ansonsten haben wir sehr, sehr diszipliniert gestanden und nichts zugelassen”, ordnete Frontzeck die defensive Leistung seines Teams als fast vorbildlich ein.

Fast perfekt war das Auftreten der Kölner Defensive. Bestens organisiert, gut gestaffelt, kaum überwindbar - Gladbachs Stürmer waren abgemeldet. Doch in Richtung gegnerisches Tor war es eine ganz schwache Vorstellung der Kölner. Trainer Zvonimir Soldo bemängelte die „Passivität” nach der Pause, doch von der ersten Minute an hatte man nur einen Eindruck: Köln will nicht mehr als den Punkt, den man beim Anpfiff hat. Deshalb spielte auch Mondragon von Sekunde 1 an schon auf Zeit. Gut für ihn, gut den FC: dass man nicht in der Premier League spielt.

Erinnerungen an einen Sieg in Dortmund...

Thorben Marx sagt: „Jetzt sollten wir versuchen, vorne unser Glück zu erzwingen, damit auch wieder mal einer reinrutscht. Wir sollten so weitermachen, dann werden wir auch wieder Spiele gewinnen.”

Auch mal auswärts, auch mal bei einem so genannten Großen? Das ist es, was nie gelingt, was zum Beispiel der FC mit Siegen wie in Stuttgart immer mal wieder in die Statistik einfließen lässt.

Der letzte Erstliga-Auswärtssieg der Borussia, der nicht gerade in Bielefeld, Köln oder Rostock bejubelt wurde sondern bei einem gestanden Verein, datiert vom 18. April 1998! Beim überraschenden 2:1 in Dortmund (damals immerhin Tabellenachter) erzielten Jörgen Pettersson und Karlheinz Pflipsen die Gladbacher Treffer.

Kommenden Samstag spielt die Borussia in Hamburg - beim Tabellenzweiten...
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert