Jon Dahl Tomasson: „Roda gehört dauerhaft in die Top 10“

Von: Klaus Schmidt
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Ein halbes Jahr als Cheftrainer genügte, um in die Ehrendivision aufzusteigen: Jon Dahl Tomasson. Foto: sport/VI Images

Kerkrade. Ohne Leon Vlemmings würde er nun kaum hier sitzen in der Lounge von Kaalheide. Er hat unter ihm gespielt bei Feyenoord, er war sein Co-Trainer bei Excelsior Rotterdam, inzwischen ist Vlemmings der Sportliche Leiter bei Roda JC Kerkrade. Mitte Dezember letzten Jahres hatten sie nach einer hässlichen Serie den Chefcoach Ruud Brood vor die Tür gesetzt, die Suche nach einem Erben endete schnell und höchst prominent.

Nun also ist Jon Dahl Tomasson der Frontmann an der Seitenlinie. Der Däne war als Aktiver eine große Nummer im internationalen Fußball. „Manchmal geht es schnell im Leben“, sagt Tomasson. Erst zu Saisonbeginn hatte ihn der Zweitligist Excelsior vom Assistenten zum Chef befördert. Der 37-Jährige glaubt, dass seine Mannschaft „den besten Fußball in der Jupiler League gespielt hat“. Rotterdam wollte die Trainer-Entdeckung zunächst nicht freigeben, eine Chance in der Ehrendivision mochte man Tomasson aber letztlich doch nicht verbauen.

Schon in seiner Zeit als Kapitän der Nationalmannschaft war in Jon Dahl Tomasson die Idee gereift, nach dem Ende seiner Laufbahn als Manager oder Trainer im Geschäft zu bleiben. Er hat viel aufsaugen können von Männern wie Morten Olsen, Carlo Ancelotti, Bert van Marwijk, Leo Beenhakker, Manuel Pellegrini, Kenny Dalglish oder Giovanni Trapattoni. „Man kann von allen etwas mitnehmen“, sagt Tomasson – und verfolgt seinen eigenen Stil. „Das Allerwichtigste ist: Du musst dir selbst treu bleiben.“ Während des Trainingslagers in Malaga wollte er nicht nur die Fußballer kennenlernen und ihre Meinung zu Rodas Spielweise hören. „Ich habe viele Einzelgespräche geführt. Mich interessiert auch das Umfeld, die Familiensituation. Das ist sehr wichtig.“ Auf dem Platz stand täglich nur eine Einheit an, aber das ist kein Widerspruch zu Tomassons Credo: „Hart und gut trainieren ist das Fundament. Wenn ich trainiere, dann intensiv und richtig.“

Auf „halbem Weg“, mitten in der Saison, hat er die Mannschaft übernommen. „Das ist nicht optimal. Und ich bin in einen Klub mit verschiedenen Problemen gekommen“, nicht nur sportlichen. Im Dezember hatten 22 von 27 befragten Angestellten der Geschäftsstelle den Daumen für Marcel van den Bunder gesenkt. Der Hauptgeschäftsführer gilt in der Öffentlichkeit, gegenüber Fans, Sponsoren und Medien, als freundlich und umgänglich; im Binnenleben der Büroräume soll er jedoch selbst ein Mindestmaß an sozialer Kompetenz vermissen lassen. Die Atmosphäre ist vergiftet, derzeit läuft eine (extern durchgeführte) „Zufriedenheitsuntersuchung“ des Personals. „Das ist nicht glücklich und nicht gut für das Image von Roda“, sagt Jon Dahl Tomasson. „Aber es sind zwei verschiedene Dinge. Das eine“ – er zeigt Richtung Parkstad Limburg Stadion – „sind die Büros. Das andere ist hier, Kaalheide“, das Trainingszentrum.

Dennoch sei Roda „een mooie club“, „mooi“ bedeutet schön, aber auch hübsch oder sogar prächtig. „Hier ist viel möglich“, glaubt der neue Hoffnungsträger. Zunächst muss Tomasson die Mannschaft stabilisieren. Der Pokalsieger von 1997 und 2000 rettete sich 2009 und im vergangenen Jahr erst in der Relegation auf den allerletzten Drücker vor dem Abstieg, derzeit steht Kerkrade zwei Punkte über dem Strich und könnte mit einem Sieg am Samstag bei PEC Zwolle mit dem Tabellenneunten gleichziehen. „Der Start war gut“, 2:2 in Heerenveen, 1:0 gegen Utrecht, zwischendurch der vermeidbare Pokal-K.o. gegen Alkmaar. Jon Dahl Tomasson hat ein Team vorgefunden, das ein „gutes Positionsspiel bei schnellen Kontern“ pflegt, aber „nicht gut zusammen verteidigt. Da sind zu viele Gegentore.“

Für dreieinhalb Jahre hat der Däne in Südlimburg unterschrieben, das ist ein Bekenntnis dazu, „hier etwas aufzubauen“. Roda sieht in dem neuen Trainer den Mann, der die „koempelmentaliteit“ verinnerlicht. „Ein Trainer muss die Spieler besser machen, sie entwickeln. Die Leute sind stolz, wenn sie sehen: Das sind Jungs aus unserem Klub.“

In die Nachwuchsabteilung wird jetzt viel investiert, ein Sponsor hat sich gefunden. Das wird in Kerkrade wohl so bleiben: ausbilden und später lukrativ verkaufen. Gerade sind Rechtsverteidiger Henk Dijkhuizen und Rechtsaußen Guus Hupperts, beide U 21-Nationalspieler („Jong Oranje“), Objekte der Begierde. Hupperts steht unter Beobachtung von Ajax Amsterdam, RSC Anderlecht, Celtic Glasgow, KRC Genk und Real Sociedad San Sebastian, AZ Alkmaar hat sogar schon ein offizielles Angebot deponiert.

Jon Dahl Tomasson nimmt das gelassen zur Kenntnis. „Das ist normal, wenn andere Klubs auf solche Spieler aufmerksam werden. Ich schaue immer nach vorne, bin immer positiv. Mit dem Blick für die Realität.“ An die „großen Drei“ – Ajax, PSV, Feyenoord – wird Kerkrade nie herankommen; auch Klubs wie Alkmaar, Vitesse Arnheim, Twente Enschede und SC Heerenveen scheinen zu weit weg. „Aber Roda gehört dauerhaft in die Top 10.“

Der Offensiv-Star von früher steht am Anfang einer neuen Karriere. „Ich habe auch als Trainer Ambitionen.“ Gedanken daran, irgendwann bei einem großen Klub zu coachen, verschwendet Jon Dahl Tomasson indes nicht – obwohl seine Augen immer noch strahlen, wenn er an seine kurze Zeit beim VfB Stuttgart und in der Bundesliga denkt: „Immer volle Stadien, tolle Atmosphäre.“

Nur: „Eine Karriere kann man nicht planen. Darüber habe ich keine Kontrolle – nur über meine persönliche Entwicklung.“ Und: „Manager kann ich ja immer noch werden.“

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