Jörg Schmadtke blickt zuversichtlich in die Zukunft

Von: Günter Kirschbaum
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Bester Laune und optimistisch für die Zukunft des 1. FC Köln: Geschäftsführer Sport Jörg Schmadtke. Foto: sport/Eibner

Köln. Ostermontag gegen 22 Uhr soll es so weit sein. Zweitliga-Spitzenreiter 1. FC Köln will die letzten theoretischen Zweifel an seiner Erstliga-Rückkehr mit einem Sieg gegen den VfL Bochum (20.15/Sport 1) beseitigen. In unserem Interview spricht Jörg Schmadtke, der Geschäftsführer Sport, über den FC, seine Arbeit und die Bundesliga.

Was haben Sie sich für Montag ab 23 Uhr vorgenommen?

Schmadtke: Da fahre ich normalerweise nach Hause, wenn das Spiel vorbei und alles erledigt ist. Das ist eine Uhrzeit, um schlafen zu gehen. Es könnte sein, dass das am Montag ein bisschen über den Haufen geworfen wird.

Wenn Sie auf Ihre ersten zehn Monate als Geschäftsführer Sport beim FC zurückblicken, können Sie sich dann zufrieden zurücklehnen?

Schmadtke: Wenn zurücklehnen nicht heißt, dass man selbstzufrieden ist, selbstgefällig wird und glaubt, es wäre alles schon erledigt, dann könnte man zumindest relativ zufrieden auf die letzten Monate zurückblicken. Aber es liegt noch sehr viel Arbeit vor uns.

Welche Situation haben Sie bei Ihrem Amtsantritt vorgefunden?

Schmadtke: Ich habe gute Strukturen vorgefunden, ich habe ein ausgesprochen angenehmes Betriebsklima vorgefunden mit kompetenten Kollegen, die sehr einsatzwillig und bereit sind, bei denen man spürt, dass sie eine Verbindung zum Klub und nicht nur zum Job haben. Und die Dinge, die man aus der Ferne immer betrachtete, dass es hier teilweise chaotisch und unstrukturiert wäre, kann ich aus der Innenansicht nicht bestätigen. Im Gegenteil. Wir sind hier mit vielen guten Leuten besetzt, es ist sehr strukturiert und ein sehr angenehmes Arbeiten.

Es war in Köln rund um den FC lange nicht mehr so ruhig wie in dieser Saison…

Schmadtke: Ja, gut. Wir haben natürlich auch eine Saison, in der wir keine richtigen Krisen erlebt haben. Die Saison war geprägt von der Entwicklung der Mannschaft, die sich dann auch in Ergebnissen ausgedrückt hat. Wir haben im November mal kurz vor einer Krise gestanden, als wir in Bochum und gegen Ingolstadt unsere ersten beiden Niederlagen hinnehmen mussten. Dann sind wir nach St. Pauli gefahren. Da hätte es kribbelig werden können, wenn wir nicht gewonnen hätten. Aber da ist das Team in einer Art und Weise aufgetreten, die dem Charakter dieser Mannschaft entspricht. Das Spiel haben wir souverän 3:0 gewonnen. Wir hatten also keine echte Krise und neigen zudem von den Protagonisten auch dazu, etwas ruhiger und zurückhaltender zu agieren.

Die Rückkehr in die Bundesliga ist ja nur noch rechnerisch nicht perfekt. Wie weit ist die Mannschaft?

Schmadtke: Den letzten Schritt würden wir gerne am Montag gehen, damit die Rechenspiele aufhören. Ich finde es ganz schön, die Sache in einem Heimspiel perfekt zu machen. Es ist etwas angenehmer und schöner für unsere Fans, die viel gelitten haben. Es wäre ein schöner Nebeneffekt. Aber auch danach wäre unsere Aufgabe noch nicht beendet. Wir wollen unter 20 Gegentoren bleiben, wir wollen einen Punkterekord für den 1. FC Köln in der Zweiten Liga aufstellen – der liegt bisher bei 67. Und ich würde gerne Erster werden und die Radkappe bekommen, wie die Auszeichnung für den Zweitliga-Meister despektierlich genannt wird. Es wäre ein wichtiges Symbol.

Mit dem geplanten Erstliga-Etat von 24 Millionen Euro wird der FC in der Finanztabelle ganz weit unten zu finden sein.

Schmadtke: Ja, das ist so. Das ist unser derzeitigen wirtschaftlichen Situation geschuldet. Aber es gibt auch Klubs, die deutlich mehr Einsatz an Geld haben, dennoch unten stehen und Gefahr laufen abzusteigen. Und dass Braunschweig immer noch im Rennen ist, zeigt, dass man auch mit einem deutlich geringeren Budget bestimmte Ziele erreichen kann.

Würden Sie anders handeln, wenn der FC nicht 30 Millionen an Verbindlichkeiten hätte?

Schmadtke: Wir würden wohl mehr investieren. Aber nur so, dass wir keine Verbindlichkeiten aufbauen. Wir werden Verbindlichkeiten abbauen, was wir sogar in der Zweiten Liga machen, was relativ ungewöhnlich ist. Es ist einfach wichtig, dass der Verein wirtschaftlich auf gesunde Beine gestellt wird. Parallel dazu müssen gewisse sportliche Ziele erreicht werden, damit das funktioniert. Wenn man das in einigen Jahren erreicht hat und erstklassig ist, kann man sich über andere Dinge unterhalten.

Welchen Zeitraum halten Sie für die wirtschaftliche Gesundung des FC für realistisch?

Schmadtke: Drei bis fünf Jahre. Dann müsste man die gröbsten Baustellen erledigt haben.

Kommt der wirtschaftliche Druck dem Ziel, eine junge Mannschaft mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs aufzubauen, nicht sogar ein Stück weit entgegen?

Schmadtke: Es ist oft so, dass der wirtschaftliche Druck Vereine dazu zwingt, stärker auf kostengünstigere, junge Spieler zu setzen. Wir brauchen diesen Druck nicht, weil wir ohnehin davon überzeugt sind, dass das der von uns eingeschlagene Weg richtig ist.

Welche Typen braucht eine Mannschaft in Liga eins?

Schmadtke: Das Team muss stressresistent und in der Lage sein, schwierige Situationen zu überstehen. Dabei werden wir ihr helfen. Die Mannschaft muss, ein Konzept, das man ausgegeben hat, durchhalten können. Da geht es auch um Einzelqualität.

Ist Daniel van Buyten ein Typ, der der Mannschaft weiterhelfen kann?

Schmadtke: Definitiv. Und dass wir uns mit ablösefreien Spielern aus der Ersten Liga beschäftigen, ist doch klar. Es wäre komisch, wenn wir das nicht tun würden.

In Ihrer Zeit bei Alemannia Aachen haben Sie mit Erik Meijer einen ähnlichen Transfer realisiert.

Schmadtke: Es gibt immer mal wieder Konstellationen, die passen könnten. Deswegen ist die Idee mit van Buyten auch nicht total bescheuert. Meijer haben wir nach Aachen holen können, weil sein Engagement beim Hamburger SV beendet werden sollte und wir ihm die Möglichkeit geboten haben, sich aus dem deutschen Fußball zu verabschieden. In der Verbindung, nach Hause zu kommen. Das hat dazu geführt, dass Erik Meijer noch erfolgreiche Jahre in Aachen verbracht hat.

Van Buyten ist Belgier und würde auch heimatnäher kicken.

Schmadtke: Wenn man sieht, was wir in Aachen mit Meijer gemacht haben, dann ist das mit van Buyten auch keine so schlechte Idee. Van Buyten ist ein Name, den die Öffentlichkeit spielt, den wir aber nicht kommentieren werden.

Sie haben bei der Kaderplanung drei Baustellen zu beackern.

Schmadtke: Drei Baustellen?

Ein Innenverteidiger, ein Linksverteidiger und ein Stürmer sollen noch geholt werden.

Schmadtke: Linksverteidiger? Ich glaube, dass wir mit Jonas Hector einen der besten Linksverteidiger haben. Erst mal glaube ich, dass es überhaupt keine Baustelle gibt. Wir haben die drittmeisten Tore geschossen und mit Abstand die wenigsten kassiert. Fakt ist: Wir wollen leistungsmäßig die Dichte erhöhen. Das heißt nicht, dass die Jungs, die uns den Aufstieg ermöglicht haben, außen vor sind. Im Gegenteil.

Im Kader gibt es für die Positionen der Außenverteidiger keinen Ersatz. Mit Olkowski wurde bereits ein Spieler für die rechte Seite verpflichtet, über ein Backup für Hector verfügt der FC aber nicht.

Schmadtke: Wir sind ohne Backups für den rechten und den linken Außenverteidiger in diese Saison gegangen. Wir sind dieses Risiko aber auch auf Grund von wirtschaftlichen Zwängen und der Überzeugung eingegangen, dass wir noch andere Baustellen schließen müssen. Das haben wir dann getan. Wobei ich sagen muss, dass aus unserem aktuellen Kader Kevin Wimmer hinten links und Marcel Risse hinten rechts spielen können.

Worauf legen Sie den Schwerpunkt im Sommer?

Schmadtke: Den Schwerpunkt sehe ich darin, bis zur kommenden Saison den neuen Kader zu fixieren. Und ich glaube, dass wir bei der Formulierung unseres Saisonziels klare Zeichen setzen werden. Damit nicht einige glauben, wir könnten den zweiten Schritt schon vor dem ersten tun. In den kommenden zwei Jahren geht für uns nur um den Klassenerhalt.

Ihre Vorgänger haben bei solchen Anlässen gleich einen Drei- oder Fünfjahresplan aus der Tasche gezogen, der in den Europapokal führt.

Schmadtke: Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, was diese Drei- oder Fünfjahrespläne bringen. Die kann man toll präsentieren, am besten noch mit Powerpoint. Das sind tolle Bilder, hat aber wenig mit der Realität zu tun. Was wir definitiv vor uns haben, ist eine Stabilisierungsphase in den nächsten zwei, drei Jahren.

Welche Chancen hat dieser Verein?

Schmadtke: Super Chancen. Das ist ein Grund, weshalb ich hier bin, weil ich die Chancen und die Perspektiven gesehen habe und nicht die Risiken. Natürlich haben wir wirtschaftliche Schwierigkeiten. Doch wenn es einen Klub in Deutschland gibt, der das auf ein Normalmaß herunterfahren kann, dann ist das der 1. FC Köln.

Voraussichtliche Aufstellung: Horn - Brecko, Maroh, Wimmer, Hector - Lehmann, Matuschyk - Nagasawa, Halfar, Peszko - Helmes

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