Jansen will von Karriereknick nichts wissen

Von: Britta Körber, dpa
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Wechselt nach einem Jahr FC Bayern zum HSV: Marcel Jansen.

Hamburg. Als hochgelobtes Talent für mehr als zehn Millionen von Mönchengladbach zu Bayern München transferiert, als neuer Lichtblick auf der linken Außenbahn in der Nationalelf gefeiert und dann nach einem schlechten EM-Spiel gegen Kroatien als Versager tituliert ...

Schon mit 23 Jahren hat Marcell Jansen die Höhen und Tiefen des Fußball-Geschäftes kennengelernt, die mancher Profi nie erlebt. „Da habe ich gesehen, wie es ist, wenn die Maschine anspringt”, erzählt Jansen, den die Kritik von allen Seiten mit voller Härte traf. Doch von Schulterklopfern will er nichts wissen.

Aus der Bahn hat ihn die Europameisterschaft im vergangenen Jahr nicht geworfen, auch wenn Fußball-Experten sie als Karriereknick des Linksverteidigers mit Offensivqualitäten sehen. Der Vorwurf: Er schalte nicht schnell genug um, seine Defizite in der Rückwärtsbewegung seien offensichtlich. Zudem sei er zu oft verletzt.

Jansen sagt, die massive Schelte habe ihn nach vorn gebracht. „Ich habe in kurzer Zeit verstanden, was läuft”, sagt der Fachabiturient. Er zögerte nicht lang, als Jürgen Klinsmann seinen Förderer Ottmar Hitzfeld als Bayern-Coach ablöste und ihm keine Stammplatzgarantie geben wollte. Nach einem guten Bayern-Jahr mit dem Gewinn des Doubles wollte er nicht auf der Auswechselbank Platz nehmen und darauf warten, dass auch Philipp Lahm einmal Fehler macht.

In einer Spontanaktion wechselte Jansen zum Hamburger SV, kämpfte aber erneut mit Blessuren und wurde den Ansprüchen an einen Acht- Millionen-Transfer in der Hinrunde nicht gerecht. Er hatte schon früher Schwierigkeiten mit seinem Körper, der die Anforderungen im Leistungssport nicht bewältigen konnte. Ein Schienbeinbruch warf ihn schon als jungen Spieler zurück, als Profi fehlte ihm die Regeneration.

„Als ich verletzt war, habe ich vieles hinterfragt. So hatte ich in den vergangenen fünf Jahren kaum Urlaub”, erzählt der bodenständige Jansen, für den die internationalen Belastungen mit den Bayern plus der Einsätze für Deutschland zu viel wurden. „Profis sind fast wie Roboter”, kritisiert er, „es wird immer gesagt, Fußball ist Kopfsache, doch dazu braucht man auch Auszeiten”.

Zur Erholung zieht sich der blonde Vorzeige-Profi in der Freizeit aufs Land zurück, schaltet an der Seite von Freundin Julia, zwei Pferden und zwei Hunden ab. Besser regenerieren kann er, seitdem vor zwei Monaten eine Lebensmittelallergie festgestellt wurde und danach Milch, Brot und Soßen vom Speisezettel verschwanden.

„Mir hat die Winterpause richtig gut getan”, sagt Jansen, der in der Vorbereitung seinen Stammplatz beim HSV festigte und auch wieder Mut für die Nationalmannschaft schöpfte. „Ich habe regelmäßig Kontakt mit dem Bundestrainer. Auch als ich länger verletzt war. Wichtig ist, dass der Pfeil nach oben zeigt”, meint er und hat dabei die Weltmeisterschaft im Sommer 2010 in Südafrika im Hinterkopf.
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