„Herzliche“ Hilfe für Fußballer: Eigenverantwortung und Körpergefühl

Von: bsc
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Aachen. Der Tod kickt mit – das eine genauso banale und boulevardeske Feststellung wie die Erkenntnis, die eh ab der Geburt gilt: Der Tod lebt mit.

 Fakt ist, dass in Deutschland über 100.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod sterben. Junge Sportler aber sind davon nur mit 0,5 bis 3 Prozent betroffen. Ab dem 35. Lebensjahr aber steigt das Risiko. Dann sind es vor allem koronare Erkrankungen, die einem plötzlichen Herzstillstand (Herzinfarkt) zugrunde liegen können, also die Ablagerung von Plaque in den Herzkranzgefäßen, die zu einer Engstelle oder einen Verschluss führen können.

Bis zum 35. Lebensjahr überwiegen beim plötzlichen Herztod angeborene oder erworbene Anomalien wie zum Beispiel die krankhafte Verdickung des Herzmuskels, andere vererbbare Herzrhythmusstörungen oder Anomalien.

Die Entzündung der Herzmuskulatur kann aber auch durch einen verschleppten Infekt wie im oben beschriebenen Fall entstehen. Wie wirkt man als Amateurfußballer dieser Gefahr entgegen, wie minimiert man das Risiko?

Ist eine jährliche Untersuchung sinnvoll?

„Das macht keinen Sinn als Prophylaxe“, sagt Kardiologe Matthias Ploch. Er befürchtet, dass zu viele in die Diagnostik-Maschinerie gerieten, nur weil sie beim EKG etwa eine überhöhten Ausschlag (Zacke) aufweisen. Diese Untersuchung habe eher Sinn ab dem 35. Lebensjahr, wenn die Gefahr koronarer Probleme statistisch stark steigt. Ein Massenscreening bei allen sporttreibenden jungen Menschen (ohne Beschwerden) hält auch Heribert Ditzel schon aus Kostengründen für nicht realistisch.

Der Mannschaftsarzt von Borussia Mönchengladbach weist wie sein Kollege darauf hin, dass diese prophylaktischen Untersuchungen bis zum 35. Lebensjahr auch nicht von der Kasse bezahlt werden. Das gilt natürlich nicht bei Beschwerden.

Besteht für Amateurfußballer ein höheres Risiko als für Profifußballer?

Die Gefahr steigt naturgemäß mit einer höheren Belastung. Das hieße, je niedriger die Klasse, desto geringer das Risiko? Ploch, dessen Söhne bis zur vergangenen Saison für den damaligen Mittelrheinligisten SV Eilendorf spielten, weist darauf hin, dass auch in den höheren Amateurklassen mindestens drei Mal trainiert wird. Das sei mit dem Aufwand eines A-Ligisten nicht zu vergleichen.

„Die gesundheitlichen Probleme aber sind überall gleich.“ Sprich: Ein verschleppter Infekt kann in eine Herzmuskelentzündung münden. Während aber in den unteren Klassen überzogen verinnerlichter Gemeinschaftssinn dazu führen kann, Krankheitssymptome zu ignorieren oder zu früh wieder mit dem Training oder gar mit einem Spiel einzusteigen, kommt bei den Profis ein anderer Druck hinzu: „Jeder Tag zählt, sowohl in seinem als auch im Vereinsinteresse. Allerdings steht die Gesundheit immer im Vordergrund“, sagt Ditzel.

Wie sieht die Vorsorge bei einem Fußballbundesligisten aus?

Sportärztliche Untersuchungen sind durch die DFL für die 1., 2. und 3. Fußballbundesliga vorgeschrieben. „Das beginnt bereits mit der U 12“, sagt Gladbach-Doc Ditzel. Hier wird jährlich mindestens ein Ruhe-EKG gemacht. Für die Profis werden jährlich große Kontrollen durchgeführt, zu denen Blutuntersuchungen, Belastungs-EKG und Herz-Ultraschall zählen.

„Das ist sehr aufwendig und kostet Geld“, sagt Ditzel. Wie andere Klubs mit akuten Erkrankungen ihrer Spieler umgehen, kann der Internist nicht sagen. Bei Borussia steht die Blutuntersuchung im Mittelpunkt. Aber auch das Gespräch mit dem Spieler. „Dessen Gefühl deckt sich zumeist mit dem Ergebnis der Blutuntersuchung.“ Die Blutsenkung erfolgt bei einem Infekt täglich, um die Entzündungswerte zu kontrollieren. Standard ist ein Ruhe-EKG.

Wie sehen die Lösungsansätze für Amateurfußballer aus?

Ein Spieler müsse mindestens zehn Tage rausgenommen werden, em-pfiehlt Ploch. Bei den Amateuren am ehesten durch sich selbst. „Die Eigenverantwortung ist wichtig“, sagt er. Bei seinen Söhnen habe es nie Probleme oder Diskussionen gegeben, wie lange sie bei einem Infekt pausieren mussten. „Sie wissen, wenn sie sich schlecht fühlen, können sie ihr normales Niveau nicht erreichen. Und sie haben keine Lust darauf, ihren Gegenspielern nur hinterherzuhecheln.“

Auf den Körper hören, Eigenverantwortung entwickeln – inzwischen gibt es auch erschwingliche Pulsmessgeräte fürs Handgelenk. Erhöhter Ruhepuls, zu schneller Anstieg bei Belastung, zu langsames Sinken nach der Belastung sind Indikatoren der Fitness. Ein ambitionierter Fußballer sollte seine Werte kennen und eine Pulsuhr zur Trainingssteuerung einsetzen können. Bei Beschwerden unter körperlicher Belastung ist eine sportmedizinische Untersuchung zu empfehlen – die Kosten übernimmt die Kasse.

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