Mönchengladbach - Grün ist die Hoffnung: Hanke und seine Abstiegs-Allergie

Grün ist die Hoffnung: Hanke und seine Abstiegs-Allergie

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Sein Blick geht nur nach oben: Mike Foto: imago/Schmidt

Mönchengladbach. Das Haus in Mönchengladbach ist bezogen, der Hausherr ist sicher, dass er die Miete länger als ein halbes Jahr bezahlen muss. „Wir steigen nicht ab”, sagt Mike Hanke. Borussias neuer Stürmer hat Erfahrungen damit, erstklassig zu bleiben.

Und der 27-Jährige will seinen Beitrag dazu leisten, möglichst am Samstag schon in Nürnberg die Aufholjagd des Tabellenletzten zu starten.

Schmerzt die Schulter noch?

Hanke: Nein, ich hab das Anstreichen nicht übertrieben. Allerdings hatte ich auch gute Hilfe von meinen Eltern und Freunden.

Man könnte meinen, ein gut bezahlter Fußball-Profi würde nicht unbedingt Hand anlegen. Oder haben Sie handwerkliches Talent?

Hanke: Ich hatte keine Lust, 3000 oder 4000 Euro dafür zu zahlen. Und außerdem ist das ja auch nicht so anspruchsvoll: Farbe auf die Rolle und dann los . . .

Spiegelt sich der neue Arbeitgeber denn auch schon farblich in Ihren Räumen wieder?

Hanke: Nee, das Wohnzimmer ist weiß, das Kinderzimmer blau-rosa. Das hat sich allerdings mein Sohn ausgesucht.

Borussia verzichtet auf die Dienste eines dunkelhaarigen, argentinischen Stürmers mit hitzigem bis unberechenbaren Temperament und setzt auf einen blonden, blauäugigen Deutschen mit pflegeleichtem Charakter?

Hanke: Ich denke schon, dass ich pflegeleicht bin. Ich ordne mich problemlos in die Gruppe ein. Ich habe auch in Hannover, obwohl ich nicht über vier oder fünf Spiele hinausgekommen bin, nie Stunk gemacht. Wenn man vernünftig mit mir umgeht, bin ich anständig.

Apropos: Muss ein erfolgreicher Stürmer auch dreckig spielen?

Hanke: Klar, das ist Profi-Fußball, da musst du als Stürmer auch mal halten, zwicken und dich verbal wehren. Man muss versuchen, sich mit allen Mitteln durchzusetzen - aber nicht brutal.

Sind Sie dafür bei Ihrem Kumpel Sergio Pinto, mit dem Sie auch Silvester in New York gefeiert haben, in die Lehre gegangen?

Hanke (lacht): Der macht das ja auch schon drei Jahre länger als ich . . .

Wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die Lust am Fußball spielen wichtiger ist als das Gehalt?

Hanke: In der Hinrunde schien ich in Hannover zur Stammelf zu gehören - bis zum Pokal-Aus. Dann wurde zudem noch das System geändert - und ich habe früh mit dem Manager darüber gesprochen.

Und wechseln dann zum Abstiegskandidaten Nummer 1?

Hanke: Ich wusste, dass Borussia besser ist als der Tabellenplatz. Ich bin inzwischen so weit, dass ich auch als Führungsspieler einer Mannschaft helfen will. Ich habe einen sehr, sehr guten Vertrag bei Hannover gehabt. Aber um ans Spielen zu kommen, habe ich auch auf Geld verzichtet. Und die ersten Wochen hier in Mönchengladbach haben bereits bestätigt: Das war der richtige Schritt.

Ist es Ihr Traum, dass einmal nur noch auf Kunstrasen gespielt wird?

Hanke: Warum das?

Sie haben eine Rasen-Allergie.

Hanke: Die ist nicht so schlimm wie es dargestellt wird. Wenn im Sommer der Rasen frisch gemäht ist, juckt es an den Beinen - aber erst nach dem Spiel. Mit dem Duschen ist es dann erledigt.

Borussia hat Sie wegen Ihrer zweiten Allergie verpflichtet.

Hanke: Die da wäre?

Sie wollen partout nicht absteigen. Sowohl mit Wolfsburg als auch Hannover haben Sie noch die Klasse erhalten.

Hanke: Ja, mit Wolfsburg haben wir es gut gemacht, mit 96 überragend. Man muss in solchen Situationen die Nerven bewahren, speziell an den letzten drei Spieltagen, wenn es um alles geht. Cool bleiben und auch den Spaß nicht verlieren: Das ist das Wichtigste.

Ihr Sohn entscheidet über die Farben im Kinderzimmer, Ihre Frau hat sich für Ihre Kinder für die recht ungewöhnlichen Namen Janatha-Fay und Jayron-Cain entschieden. Sind Sie zu Hause kein Führungsspieler?

Hanke: Ich bin kein Diktator, meine Kinder können mitentscheiden. Und was die Namen angeht: Das waren bei meiner Frau wohl die Hormone. Aber ich finde die Namen gut.

Wird denn bei Klassenerhalt der Schuppen Ihres Opas von blau-weiß in grün-weiß umgefärbt?

Hanke: Meine Großeltern sind tot. Und ich weiß gar nicht, was mit seinem Schalke-Schuppen ist.

Also muss das Kinderzimmer farblich dran glauben?

Hanke: Das entscheidet mein Sohn. Er ist schon fußballverrückt. Ich habe ihm die kleinsten Fußballschuhe gekauft, die ich kriegen konnte. Immer noch zwei Nummern zu groß. Aber er läuft nur noch damit in der Wohnung herum.

Was ist sein Lieblings-Verein?

Hanke: Immer der, für den Papa spielt.

Dann gibt es ja noch Hoffnung - in Grün sozusagen.

Hanke: Ja, wenn meine Frau einige Male mit ihm auf der Tribüne des Borussia-Parks unsere Spiele geschaut hat, ist im Sommer sicher ein neuer Anstrich fällig. Ein erstklassiger!

Voraussichtliche Aufstellung: Heimeroth - Levels, Stranzl, Nordtveit, Daems - Bradley, Marx - Reus, Idrissou - de Camargo, Hanke


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