Mönchengladbach - Gladbachs Sportdirektor: „Wir können zu null spielen”

Gladbachs Sportdirektor: „Wir können zu null spielen”

Von: Bernd Schneiders
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Volle Unterstützung: Bamba Anderson (links) und Filip Daems sollen gegen Wolfsburg helfen, die Gladbacher Abwehr inklusive eines im Formtief steckenden Torhüters Logan Bailly zu stabilisieren. Foto: imago/Team2

Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach setzt auf eine Dreier-Kette - in der sportlichen Führung: Sportdirektor Max Eberl war zu Profi-Zeiten Rechtsverteidiger, Teammanager Steffen Korell Innenverteidiger, Trainer Michael Frontzeck Linksverteidiger.

Das defensive Dreigestirn sollte also genug Fachwissen besitzen, um die aktuellen Probleme ihrer Mannschaft zu erkennen, analysieren und abzustellen. Denn nach wie vor hat Borussia die meisten Tore kassiert in der Bundesliga. 19 insgesamt, macht einen Durchschnitt von etwas mehr als drei Treffer pro Spiel. Nach sechs Spieltagen war die Mannschaft noch in keinem Spiel in der Lage, den Kasten dicht zu machen. Kein Gegentor - eine Illusion also?

„Nein”, widerspricht Max Eberl. „Wir können zu null spielen.” Wenn ... „Wenn es unseren Offensivspielern gelingt, den Anschluss zur Abwehr zu schaffen.”

Das ist endlich mal eine andere Bezeichnung für den inflationär benutzten Begriff „Kompaktheit”, ist inhaltlich aber der gleiche. Und oberflächlich betrachtet verwunderlich. Ist denn die Elf vom Niederrhein nicht eine Kontermannschaft? Ja, aber . . .

Die Frontzeck-Zöglinge sind grundsätzlich weit entfernt vom System: hinten dicht - und vorne hilft uns der liebe Gott. Borussias Personal ist stark offensiv ausgerichtet. Und auch zu „ansehnlichen” Konterspezialisten wie dem SC Freiburg bestehen gravierende Unterschiede. Gladbach operiert mit zwei Stürmern, hat keinen klassischen Sechser vor der Abwehr, sondern eine Doppelbesetzung mit zwei Umschaltspielern. Dadurch ist man auf die Kompaktheit angewiesen, um nicht - wie geschehen - auseinandergespielt zu werden. Die Gefahr bestand bereits in der vergangenen Saison, wurde aber durch die Personalpolitik noch verstärkt. „Wir haben uns in der Qualität nach vorne verstärkt”, sagt Borussias Sportdirektor. Und führt als Beleg Statistisches an: „Wir haben durchweg mehr Torschüsse als der Gegner, oft sogar sechs oder sieben mehr.”

Gestörte Balance

Doch dieses Bewusstsein hat sich in den Köpfen festgesetzt - wie ein schleichendes Gift. Das Defensivdenken, das Umkehrspiel wurde zu oft vernachlässigt. Die Balance zwischen Offensive und Defensive war gestört. Und dazu gehörte auch, dass ein Mo Idrissou - wenn auch in bester Absicht - aggressiv und früh die Abwehrspieler attackierte, die Mittelfeldspieler sich rauslocken ließen und die Defensive in ihrer Abwehrstellung verharrte. Gemeinsamkeit ist im Fußball keine moralische, sondern eine strukturelle Qualität.

Gladbach hat zusätzlich das Problem, dass derjenige, der von der Position her in der Lage ist, etliches an Fehlern wieder auszubügeln, sich auch gerade die größte Schaffenskrise seiner bisherigen Laufbahn leistet. Torhüter Logan Bailly hat die Aura, die einen erfolgreichen Torhüter umgeben muss, verloren. Zwar deutete er auf Schalke an, dass seine Reflexe auf der Linie auf dem Wege der Besserung sind. Doch seine Rauslauf-Aktionen wirken mitunter sogar Kintopp-artig. Max Eberl wehrt sich aber, die Schuld bei Einzelnen zu suchen. „Das ist mir zu einfach.” Borussia setzt darauf, dass sich ihr Torhüter gemeinsam mit der Mannschaft erholt. Deren Nerven wirkten beim 2:2 auf Schalke stabilisiert, die von Bailly allerdings nicht. Ein Problem, was naturgemäß besonders bei Standards offensichtlich wird. Aber auch hier hält´s der Sportdirektor nicht mit Individualisierungen. Die ligaweit bekannte Schwäche „muss raus aus den Köpfen”. Der Gedanke, „ach du Sch . . ., jetzt haben die einen Eckball/Freistoß”, ist die beste Vorbereitung für einen Gegentreffer. „Das Selbstvertrauen musst du dir im Zweikampf holen”, weiß Borussias ehemaliger „Wadenbeißer” zu genau. Daems & Co. sind auf diesen Weg eingeschwenkt. Bailly aber erscheint dabei eher noch als Irrläufer.

Ein taktischer Ansatz wäre, beim Standard sich nicht mehr am Gegner zu orientieren, sondern im Raum zu spielen. Freiburg macht das, wie Steffen Korell bestens weiß. Der Teammanager spielte fünf Jahre für den SC. Und befürwortet dennoch das gegnerorientierte Abwehrsystem mit einem freien Kopfballspezialisten der Gladbacher. „Konzentrieren, dran sein - und auch auf die zweite Aktion achten.” Das ging zuletzt häufig schief. Ein Lichtblick war auf Schalke Bamba Anderson. Der Ex-Düsseldorfer, der gegen Wolfsburg neben Daems in der Defensiv-Zentrale spielen wird, wirkte gedanklich frischer als seine Kollegen. „Unbelastet halt”, sagt Max Eberl. „Aber dieses vorzeitige Eingreifen birgt ein hohes Risiko. Besonders gegen einen Mann wie Dzeko.” Sein Rat: „Kühler Kopf, heißes Herz” heißt übersetzt: den Wolfsburger Torjäger nicht zu früh attackieren. Und Michael Frontzeck weiß auch noch Beruhigendes zum vermeintlichen Alptraum-Duo Dzeko/Grafite beizusteuern: „Auch das sind nur Menschen mit zwei Beinen. Sie kommen nicht mit vier Beinen nach Gladbach.”

Voraussichtliche Aufstellung: Bailly - Levels, Anderson, Daems, Schachten - Bradley, Marx - Reus - Arango - Bobadilla, Idrissou


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