Frankfurt/Main - Gladbacher Auswärtsaufschwung: Tristesse am Main

Gladbacher Auswärtsaufschwung: Tristesse am Main

Von: Lars Reinefeld, dpa
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Gladbach
Gladbacher Torjubel. Foto: dpa

Frankfurt/Main. Max Eberl schien etwas geahnt zu haben. Auf jeden Fall war der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach bestens vorbereitet. „1996”, sagte Eberl blitzschnell, als die Frage aufkam, wann es dieses aus Gladbacher Sicht „historische” Ereignis zum letzten Mal gegeben hatte.

13 Jahre ist es her, dass die Elf vom Niederrhein in der Fußball-Bundesliga letztmals zwei Auswärtsspiele in Serie gewonnen hat. In den Jahren danach waren die „Fohlen” stets gern gesehene Gäste. Als „Auswärtsdeppen” bezeichneten sich die Borussen in der Vergangenheit mit einer Portion Selbstironie. Das 2:1 (0:0) bei Eintracht Frankfurt am Samstag sorgte deshalb für ausgelassene Stimmung im Gladbacher Lager.

„Wir haben derzeit eine gute Phase. Die Mannschaft ist mit viel Selbstvertrauen aufgetreten”, sagte Gladbachs Trainer Michael Frontzeck, dessen Team zuvor bereits beim Hamburger SV gewonnen hatte. Der 45-Jährige mahnt jedoch Bodenhaftung an. „Dass mir jetzt keiner denkt, wir seien nun in zwei Wochen in München Favorit”, sagte er nach dem Sieg, der durch ein Eigentor von Frankfurts Torhüter Oka Nikolov (54. Minute) und den dritten Saisontreffer von Verteidiger Roel Brouwers (66.) zustande gekommen war. Für die Gastgeber traf Pirmin Schwegler per Handelfmeter (86.).

Davon, beim Starensemble von der Isar problemlos zu bestehen, sind die Borussen in der Tat noch weit entfernt. Doch nachdem sie im Oktober eine schwere Phase mit sechs Pflichtspiel-Pleiten nacheinander erlebt hatten, befinden sie sich nun wieder im Aufschwung. „Die Jungs haben sich mit harter Arbeit aus dieser Phase herausgeholt”, lobte Frontzeck.

Seit vier Spielen sind die Gladbacher nun ungeschlagen, haben mit 15 Punkten den Sprung ins Tabellenmittelfeld geschafft. „Wir haben jetzt mit Schalke und Bayern zwei schwere Gegner vor der Brust. Da nimmt uns dieser Erfolg etwas den Druck”, sagte Eberl, der sich auf eine ruhige Weihnachtszeit freut. Nach Jahren der Nachinvestitionen im Winter sind dieses Mal keine Aktivitäten vorgesehen. „Es sind keine Transfers geplant”, sagte Eberl.

Bei Eintracht Frankfurt sind sie hingegen gezwungen, nach Ende der Hinrunde noch einmal Geld in die Hand zu nehmen. Immer deutlicher wird, dass dem Kader die Qualität fehlt. Vor allem, wenn mit Ioannis Amanadtidis, Martin Fenin und Nikos Liberopoulos der komplette Angriff fehlt. „Die Niederlage trifft uns hart”, sagte Vorstandsboss Heribert Bruchhagen, der sich bislang darauf verlassen konnte, dass die Eintracht gegen die direkten Konkurrenten gewann. Doch nach den jüngsten Leistungen muss unbedingt noch ein Stürmer her, wenn auch nicht um jeden Preis. „Es kommt nur ein Spieler infrage, der besser als unsere Leute und zudem noch erschwinglich ist”, sagte Bruchhagen.

Die erfolgreiche Fahndung nach jenem Mister X wird auch über das weitere Binnenklima bei den Hessen entscheiden. Zwischen Bruchhagen und dem gefrusteten Trainer Michael Skibbe knirscht es weiter. Aufsichtsrats-Chef Herbert Becker will deshalb beide Protagonisten noch einmal zu einem Friedensgipfel bitten. Dass es um die Kommunikation im Club nicht gut bestellt ist, zeigt die Tatsache, dass Skibbe davon noch nichts weiß. „Mit mir hat niemand gesprochen”, sagte der 44-Jährige. Es gibt einige Baustellen am Main.
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