Mönchengladbach - Gladbach scheitert am Widerspruch Favre-Frontzeck

Gladbach scheitert am Widerspruch Favre-Frontzeck

Von: Bernd Schneiders
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Mönchengladbach. Manches ist im Fußball nur schwer zu verstehen. Besonders hohe Ansprüche stellt diese Saison Borussia Mönchengladbach an ihre Anhänger und die zahlreichen Analytiker. Das 0:1 am Freitagabend gegen den 1. FC Kaiserslautern ist mit die größte Herausforderung.

Doch bevor man sich daran gibt, sich Erklärungen zumindest anzunähern, bleibt eine Antwort, die - faktisch untermauert - ein unzweifelhaftes Urteil ist: Wer all die Duelle gegen die Abstiegskonkurrenten in den Sand setzt, hat weder sportliche noch moralische Ansprüche auf die Erste Liga.

Rätsel aber bleiben. Eines hat zwei Beine und zwei Fäuste - besonders die eine: Mit der patschte sich Logan Bailly den Ball nach einem Tiffert-Eckball selbst ins Netz. So täppisch und unnötig, weil unbedrängt, dass sich die Gedanken so manchen Beobachters Richtung Wettskandal-Prozess, der gerade vor dem Landgericht Bochum verhandelt wird, verirrten. Bailly ist ein Wiederholungstäter. Und bei allem Potenzial, das der Belgier besitzt, muss er oberhalb der Augen ein Problem haben, das ihn auf Strecke zu einem Risiko-Profi werden lässt.

Fatal für Lucien Favre und seine bis zu Baillys Treffer zumindest noch nicht utopischen Rettungspläne: Der Schweizer hatte den Belgier rehabilitiert, nachdem dieser sich unter Michael Frontzeck bereits ins Aus dilettiert hatte. Und die Situation, in der sich Borussia nach der erbärmlichen Hinrunde befindet, macht aus jedem Fehler einen fatalen oder gar letalen.

Nur auf „Dreier” geeicht

Der „hohe” Tiefschlag Baillys erklärt aber nicht die Probleme seiner Vorderleute, auch wenn er sie verstärkte. Favre glaubt, dass zuvor zu viel über einen Sieg gesprochen wurde, seine Profis nur auf einen „Dreier” geeicht waren und im Spiel nur noch dachten: „Gewinnen, gewinnen, gewinnen!”

Die Einfachheit und das Flügelspiel hätten gefehlt. Und damit provoziert der Ursachen-Sucher die lenkenden Zurufe: „Heiß, ganz heiß!” Denn abgesehen vom psychologischen Ballast, den die Gladbacher gegen Lautern nicht loswurden, stolperten sie über zwei sportliche Probleme. Das eine hat mit Lucien Favre zu tun, das andere mit seinem Vorgänger Michael Frontzeck. Das verzweifelte und erfolglose Bemühen, per Direktpass-Kombinationen die Pfälzer Abwehr zu knacken, entspringt der Philosophie des neuen Trainers. Doch innerhalb von vier Wochen ist die Metamorphose in eine Qualitätsfußball-Mannschaft der Marke „Barca light” nicht zu stemmen. Der Sand im Kombinationsgetriebe wird somit zugleich zum Treibsand, in dem Neustädter & Co. Richtung Liga 2 versinken.

Das zweite, ähnlich fatale Problem, ist eine Altlast, die Frontzeck hinterlassen hat. Der Favre-Vorgänger hat Borussia zu einer Reaktionsmannschaft geformt. Damit nähert man sich auch dem Phänomen, warum sie die Keller-Duelle regelmäßig verliert: Wenn der Gegner nicht mitspielt, muss der Tabellenletzte eine Aufgabe bewältigen, für die er lange Zeit nicht trainiert wurde.

Das zumindest gibt Hoffnung auf die nun nur noch utopische Rettung: In den verbleibenden Spielen trifft die Favre-Elf ausschließlich auf Top-Ten-Teams. Das Spiel zu machen, ist dann weniger gefragt, wohl aber die Realisierung eines Märchens: Sieben auf einen Streich!
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