Gladbach plant mit der Rolle als „Aufholjagdbeender”

Von: Heribert Förster
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Schweigen ist Silber, Tore schießen Gold: Marco Reus bejubelt sein 2:0 gegen Mainz. Foto: imago/Fishing 4

Mönchengladbach. Nachdem der FC St. Pauli als Tabellenletzter der Fußball-Bundesliga am 6. Februar 2002 den frisch gekürten Weltpokalsieger Bayern München in der Bundesliga mit 2:1 besiegte, kamen pfiffige Marketing-Strategen des pfiffigen Klubs St. Pauli auf die pfiffige Idee, T-Shirts mit dem Schriftzug „Weltpokalsiegerbesieger” zu beflocken.

Die braunen Shirts werden noch heute gerne gekauft und getragen. In Berlin trägt man seit Wochenbeginn ein blaues Shirt. Beflockt mit: „Aufholjäger”. Vorne prangen die elf Buchstaben, auf der Rückseite steht: „Niemals aufgeben, wir schaffen das.” Die Stimmung in der Hauptstadt ist so, als sei die Hertha Weltpokalsieger geworden. Wenn man nach 16 sieglosen Spielen 3:0 in Hannover gewinnt, fühlt man sich ein bisschen wie ein Weltpokalsieger.

Janz Berlin schwebt auf ´ner Wolke, so scheint´s nach dem Triumph, doch die Realität besagt: Hertha BSC ist weiter Tabellenletzter, mit neun Punkten Abstand zum rettenden 15. Platz, darf aber Hoffnung schöpfen dank des Erfolges vom Samstag, muss aber weiter eines ganz oft bewerkstelligen: siegen, siegen, siegen.

Auch am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach muss Berlin gewinnen, um nicht wieder in die Hinrunden-Depression zu verfallen. Dieser immense Druck ist eine Chance für die Borussia, um nach den 90 Minuten gedanklich T-Shirts mit dem Wort „Aufholjagdbeender” zu beflocken. Trainer Michael Frontzeck jedenfalls glaubt an seine Mannschaft und hält nichts davon, nach dem 1:2-Rückrunden-Fehlstart gegen Bochum in Panik zu verfallen. „Man sollte nicht nach einem Spiel Angst-Szenarien aufbauen.”

Dass „die Hertha eine erfahrene Mannschaft hat, die aber noch nicht so gefestigt ist wie sie es nach Außen hin zeigt” bedeutet im Umkehrschluss nicht, die Borussia sei Favorit. „Die Berliner haben sich neu aufgestellt, es wird ein kompliziertes Auswärtsspiel”, sagt Frontzeck, der der neu erworbenen Berliner Erfahrung mit den Zugängen Lewan Kobiaschwili und Theofanis Gekas sowie dem lange verletzten Florian Kringe vielleicht jugendlichen Elan entgegensetzt.

Fabian Bäcker, 19, und Patrick Hermann, 18, stehen nach ihrem Debüt gegen Bochum erneut im Kader wie der genesene Roberto Colautti, der alle intensiven Trainingseinheiten in dieser Woche absolviert hat und für Michael Frontzeck „eine Option für die Startelf” ist. Genau wie Bäcker oder Hermann, dessen Startelfdebüt auf der rechten Seite denkbar ist (für ihn könnte Marco Reus als Sturmpartner zu Raul Bobadilla vorrücken). Moses Lamidi, der seine Chance gegen Bochum nicht nutzen konnte, muss wahrscheinlich zu Hause bleiben. Gleiches gilt für Oliver Neuville, der zwar mit der Mannschaft trainiert, aber noch nicht so weit ist wie Colautti.

Die Partie ist Michael Frontzecks 100. Bundesligaspiel als Chefcoach, was den Stoiker nicht wirklich berührt. Bedeutung habe das Jubiläum nur, „wenn wir das mit Punkten untermalen können”. Wenn die Borussia zum „Aufholjagdbeender” würde.
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