Mönchengladbach - Gladbach kassiert die zweite herbe „Klatsche” in Folge

Gladbach kassiert die zweite herbe „Klatsche” in Folge

Von: Bernd Schneiders
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Am Boden: Gladbachs überragender Spieler Tobias Levels, der allerdings an der Enstehung des Tors zum 0:1 beteiligt war. Foto: imago/Bergmann

Mönchengladbach. Die Sensation vollzog sich im Borussia-Park in der 83. Minute. Die Nordkurve feierte frenetisch die Mönchengladbacher Profis. Normal, belanglos? Die Tragweite erschließt sich aus dem Spielstand, der auch das Endresultat war: Borussia lag gegen den VfL Wolfsburg 0:4 zurück.

Nach dem enttäuschenden Auftritt beim 0:3 in Dortmund die nächste Klatsche, noch höher, wieder ohne eigenen Treffer. Was treibt die Fans da zum trotzigen und ironiefreien Jubel? „Sie haben ein feines Gespür”, glaubt Michael Frontzeck. Und meint damit einerseits, dass seine Spieler selbst nach zwei drastisch misslungenen Auftritten immer noch einen zuvor erspielten Kredit besitzen.

Andererseits hofft der Gladbacher Trainer, dass die Anhänger erkannt haben: Auch gegen Wolfsburg lag es nicht am mangelnden Willen. Ein Indiz für diese Annahme lieferte das Fehlen der branchenüblichen Stereotype: Ein „Wir wolln euch kämpfen sehen” war nicht zu hören, nicht mal nach den Toren von Zvjezdan Misimovic (41.), Edin Dzeko (49.,/80.) und Christian Gentner (58.).

Andere feilten sehr wohl an dieser simplen Interpretation der Malaise. Ausgerechnet der beste Borusse, Tobias Levels, gab ungewollt die Vorlage dazu. Gefragt nach seiner - im Verhältnis zu den Kollegen - überragenden Leistung, erklärte der Verteidiger: „Ich habe versucht, über meine Grenzen zu gehen, um der Mannschaft zu helfen.”

Torhüter Logan Bailly wurde diese Einschätzung vorgelegt, mit dem erwartungsvollen Zusatz, ob denn wohl alle Kollegen das verinnerlicht hätten. Und der Belgier sah bei seiner Antwort ähnlich unglücklich aus wie beim 0:1, als ihn Edel-Schütze Misimovic mit seinem Flachschuss zu zentral in seinem Gehäuse erwischte: „Ich hoffe es.”

Das Wollen mehr als das Können also als grundsätzliches Manko: Wolfsburg selbst lieferte dafür eine weitere Vorlage. Nur 42 Stunden nach dem 1:1 in der Europa League im tiefen Russland gegen Rubin Kasan musste der Deutsche Meister wieder in der Bundesliga ran. Ein gefundenes Fressen für Wolfsjäger - eigentlich. Doch wie so häufig entpuppt sich die vermeintlich so simple Sportart Fußball als recht schwierig und verzwickt.

Die Müdigkeit einer strapazierten Mannschaft muss man herausarbeiten. Die geeignetste Gelegenheit dazu bietet sich in der Anfangsphase. Da und weniger zum Ende einer Partie zeigt sich die Müdigkeit, vor allem darin, dass Fußballer nach Reisen oft nur zäh ihren Rhythmus finden.

Vor einer Woche lieferte Dortmund mit aggressivem Forechecking Anschauungsunterricht, wie dies im Borussia-Park um 15.30 Uhr hätte aussehen können. Doch diese Option kollidiert mit der fußballerischen Wirklichkeit: Nach dem 0:3 fehlte den Gladbachern das Selbstvertrauen, mutig und weit vorne die Gäste zu stellen und zu Fehlern zu zwingen. Und grundlegend: Unter Michael Frontzeck hat Borussia den Konter- als den Erfolgsweg gefunden, taktische Varianten hat sie (noch) nicht im Repertoire.

Arango & Co. zeigten durchaus eine bessere Leistung als eine Woche zuvor. Bis zum überraschenden 0:1, bei dessen Entstehung sich Levels und Roel Brouwers vom überragenden Dzeko übertölpeln ließen, erspielte sich Borussia eine Schein-Ausgeglichenheit. Und hatte auch kurz nach der Pause noch die Chance zur Wende. Schlüsselszene heißt das im Fachjargon. Doch Raul Bobadilla semmelte die Vorlage von Levels aus kurzer Distanz hoch übers Tor. Fast im Gegenzug unterlief Michael Bradley ein Handspiel. Dzeko verwandelte den Strafstoß zum vorentscheidenen 2:0.

Zwei Niederlagen, dabei 0:7 Tore: „Wir haben zweimal Lack gekriegt”, sagte Michael Frontzeck. Diese Statistik birgt Sprengstoff: „Wir machen vorne die Dinger nicht rein”, sagt Tobias Levels. „Wir hätten noch zwei Stunden weiterspielen können und hätten kein Tor erzielt”, orakelte Sportdirektor Max Eberl. Noch fataler - für eine Kontermannschaft: Borussia ist die Fähigkeit zu Null zu spielen abhanden gekommen. „Wir müssen unsere Lehren aus dem 0:4 ziehen und wieder aufstehen”, fordert Frontzeck. Es wird ein Crash-Kurs sein müssen: Die nächste Prüfung steht bereits am Freitag an - beim Derby in Köln.
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