Gestenreiche Generalprobe: Borussia besiegt Boleslav

Von: Bernd Schneiders
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Hinweis fürs Baumjohann: „Schweigen ist Gold.”

Mönchengladbach. Zwei Gesten, ein Tor, kein Gegentreffer: Die Bilanz nach Borussia Mönchengladbachs 1:0-Erfolg im letzten Test vor dem Rückrundenstart gegen Mlada Boleslav ist ebenso positiv wie ungewöhnlich - vor allem wegen der Null hinten.

Szenen abseits des rein Sportlichen sorgten dabei wie schon zu oft für mehr Diskussionsstoff als die reichlich noch bestehenden Fragen, die das Kern-Geschäft des Tabellenletzten betreffen - den Fußball.

Geste 1: Der eingewechselte Alexander Baumjohann, von einigen Fans aus der Nordkurve des lediglich mit 3007 Zuschauern „gefüllten” Borussia Parks mit „Bayern-Schwein”-Rufen begrüßte Bald-Münchner, revanchierte sich nach seinem feinen Siegtreffer (74.), bei dem ihm Oliver Neuville den Vortritt ließ, mit einer branchenüblichen Geste: Finger auf den Mund, heißt - soll heißen „Klappe halten!”

Das hätte der gerade 22 gewordene Mittelfeldspieler in den Augen seines Trainers besser auch, Hans Meyer rüffelte seinen potenziellen Zehner postwendend an der Seitenlinie für die stumme aber beredte Kritik: „Er soll besser mit Leistung antworten. Ich habe ihm gesagt, dass er ein bisschen mehr überlegen und Größe zeigen soll. Das Duell kann er nicht gewinnen.”

Geste 2: Steve Gohouri trug nach dem Schlusspfiff demonstrativ einen Gladbach-Schal. Borussias „enfant terrible”, bislang eher durch Disziplin- und zuletzt Lustlosigkeit als durch konstant gute Leistungen aufgefallener Verteidiger, überraschte die Journalisten mit einem Dementi: „Ich habe nie gesagt, dass ich weg will.” Dann muss Sportdirektor Max Eberl einen Hörschaden haben, der eben diese Aussage bestätigt hatte.

Ball paradox: Der Ivorer wurde von den Fans gefeiert. „Das ist das Geilste, wenn die deinen Namen rufen”, durfte der Modell-Athlet anschließend sagen. „Ich will nur Fußball spielen, Gladbach helfen, nicht abzusteigen und mich mit der Nationalmannschaft für die WM qualifizieren.” Womöglich lassen ausbleibende Angebote von angeblich interessierten Klubs die Liebe neu entflammen.

Fragen-Komplex Nr. 1: Wie sehr hat Borussias zweite stärkere Halbzeit etwas mit den eingewechselten Baumjohann, Neuville und Friend zu tun? Vorher quälten die Tschechen die Gladbacher mit einem Forechecking, als wenn sie schon drei Jahre von Hans Meyer trainiert worden wären. Hängt die Tiefenwirkung, die zuvor gefehlt hatte, damit zusammen, dass dieses kräfteraubende System nicht über 90 Minuten umsetzbar ist und sich den eingewechselten Borussen dadurch die nötigen Räume boten? Hätten sich Baumjohann und Neuville auch vor der Halbzeit so in Szene setzen können?

Fragen-Komplex Nr. 2: Gladbach ließ nur drei Torchancen zu, zwei davon besaß Gäste-Kapitän und Ex-Alemanne Lubos Pecka. War der Defensiv-Riegel mit Stalteri, Brouwers, Gohouri und Dorda so stark oder die Offensive der Tschechen eher durchschlagsschwach? Reicht eine solide Leistung Gohouris, ihm das Vertrauen für das VfB-Spiel zu geben? Welches Risiko ist größer: auf den Ivorer zu setzen oder Dante, dem Spielpraxis und Training fehlen?

Frage Nr. 3: Ist ein Filip Daems, erst recht bei einem fehlenden oder nicht 100 Prozent spielfittem Dante, in der Innenverteidigung wertvoller als auf Links?

Frage Nr. 4: Ist ein Baumjohann mit mehr Torgefahr und der Lizenz zum Steckpass hinter der Spitze sinnvoller als der in erster Linie auf Einzelaktionen spezialisierte Marin? Die Zeit der Gesten ist am Samstag vorbei. Dann zählen nur noch Antworten.

So spielten sie: Bailly - Stalteri, Brouwers, Gohouri, Dorda - Galasek - Alberman, Bradley (63. Baumjohann) - Marin (46. Neuville), Matmour - Colautti (60. Friend)
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