Gemeinsam - ist Gladbach schwach

Von: Bernd Schneiders
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Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach
Der Dortmunder Jakub Bkaszczykowski und Filip Daems (r) aus Mönchengladbach versuchen an den Ball zu kommen Foto: dpa

Dortmund. Borussia Mönchengladbach hat schon besser verloren in Dortmund. Nicht nur, weil am Samstagabend das Ergebnis von 0:3 Bände sprach. Michael Frontzeck, Gladbachs Trainer, lieferte schonungslos das Urteil: „Wir haben einen schlechten Tag erwischt. Wir waren im Ballbesitz und auch gegen den Ball ganz schlecht.”

Da bleibt nicht mehr viel übrig, um ein Spiel zu gewinnen. Im Fußball ist zwar vieles möglich, dort schlägt das sportliche Schicksal so manchen Purzelbaum, doch die niederrheinische Borussia versuchte sich am Unmöglichen: Mit Fehlpässen en masse nach vorne zu kommen, würde in die Lehrbücher Eingang finden unter der Rubrik: einmalig oder - das Wunder vom ehemaligen Westfalenstadion! „Wir sind nicht in die gefährlichen Räume gekommen”, verdeutlicht Frontzeck.

Und da die Dormunder - auch nicht aus Dankbarkeit über Gladbachs Fehlpass-Orgie - partous nicht den Part der Vorlagen-Geber für die Gäste spielen wollten, musste ein mickriger Kopfball von Roel Brouwers nach einem Eckball (39.) als einzige Tormöglichkeit herhalten. Damit diese sich statistisch nicht ganz einsam fühlt, fügen wir wohlwollend noch einen immerhin recht passablen Torschuss von Roberto Colautti (59.) hinzu.

„Indiskutabel”, brachte Tobias Levels es treffend - immerhin klappte dies für die Reise-Borussen bei Worten - auf den Punkt. Auch als Selbstanklage. Denn der Rechtsverteidiger war beim frühen Führungstreffer des BVB beteiligt. Eine kurze Spielbeschleunigung reichte, um die Gladbacher Abwehr aufzuschlitzen: Den Quer-Pass des steil geschickten Zidan konnte Levels nicht verhindern, in der Mitte fehlte seinem Kollegen Brouwers ebenfalls der Körperkontakt zu Kevin Breitkreutz, Dortmunds „enfant terrible” drückte mühelos den Ball über die Linie (13.).

Nicht nur in dieser Szene demonstrierte die Elf von Michael Frontzeck Überraschendes: Wie komme ich in der Defensive selbst bei eigener Überzahl in Probleme? Gladbachs ebenso vielfüßige wie fatale Antwort: In dem ich zu den unterzähligen Angreifern so Distanz bewahre, als hätten diese vor dem Anpfiff ein Knoblauch-Konzentat schlucken müssen.

Dortmund durfte munter kombinieren, obwohl die Zahlenverhältnisse dies gar nicht hergaben. „Es ist uns nicht gelungen, als Mannschaft zu verteidigen”, befand denn auch Sportdirektor Max Eberl. „Jeder Einzelne hat versucht, seine Defensivzweikämpfe zu gewinnen, aber es wurde zu wenig geholfen.”

Gemeinsam sind wir stark - auch nicht immer: Beim 2:0 durch Mohamed Zidan ließen sich Dante und Michael Bradley gleich im Doppelpack durch einen Bauerntrick des Ägypters vorführen: Genüsslich konnte Klopps Lieblingsschüler den Ball in den Winkel zirkeln (54.).

Auf einzelne Spieler musste Frontzeck, der seine Spieler so gerne schützt, denn auch gar nicht eingehen: Gladbach hätte einen Massen-Pranger dafür gebraucht. Denn „wir waren kollektiv schlecht, es gab keine Unterschiede”, war Frontzeck beinah erleichtert.

Und so gab es stattdessen auch eine kollektive Absolution - allerdings mit Auflage. „Ich gestehe der Mannschaft zu, dass sie mal so einen Tag hat.” Die Betonung aber lag auf „mal”, und diese Einmaligkeit und Absolution gilt es, am Samstag gegen den VfL Wolfsburg zu bestätigen und zu verdienen.

Diese „Gnade” hat sich die Mannschaft in den letzten Wochen erarbeitet. Und auch Michael Frontzeck demonstrierte, dass es solche tage gibt, an denen alles schieg geht. Selbst gut gemeinte Eingriffe des Trainers ins Spiel, die zuvor so häufig Effekt gezeigt hatten.

Rob Friend und Karim Matmour nach dem 0:2 rein für den Gelb belasteten Bradley und Colautti. Doch der dritte Wechsel kam zu spät: Mit Marco Reus statt des US-Amerikaners in der Zentrale - Matmour übernahm die Reus-Position - ging auch die letzte Struktur verloren. Erneut Zidane bestrafte dies mit seinem Treffer zum 3:0 (70.).

Erst danach ersetzte der Gladbach-Coach den gebürtigen Dortmunder durch den Taktik-Fuchs Tony Jantschke. „Wir haben auch in der Höhe verdient verloren”, gab Frontzeck ehrlich zu. Womöglich wollte er auch sich in die kollektive Unpässlichkeit eingliedern.
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