Gemeinsam am Ball in der Landesliga: Dennis und Dirk Lehmann

Von: Christoph Classen
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Kumpelgeste und Kräftemessen: In der Vater-Sohn-Beziehung von Dirk (r.) und Dennis Lehmann gehört beides dazu, seit sie für die gleiche Mannschaft spielen sowieso. Foto: Stefan Schaum
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Im Einsatz für die Sportfreunde Düren: Dennis Lehmann. Foto: Herbert Haeming
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Einst im Einsatz für den FC Fulham Dirk Lehmann. Foto: sport/Claus Bergmann

Baesweiler. Einem Vater, der Fußballer gewesen ist, ein richtig guter Stürmer, gibt Dennis Lehmann eine Menge Gelegenheiten, stolz auf ihn zu sein. Weil Lehmann, 25, auch Fußballer geworden ist. Und Stürmer.

Sein Vater ist stolz auf ihn, wenn er ein Tor schießt oder wenn er eins vorbereitet, aber besonders stolz ist Dirk Lehmann auf Dennis, seinen Sohn, wenn er den Ball verliert. Weil Dennis Lehmann dann nicht hadert, flucht oder den Fehler bei einem anderen sucht. Er hat dafür keine Zeit.

Denn Dennis Lehmann, der Stürmer, läuft nach hinten, sobald er den Ball verloren hat. Das macht seinen Vater stolz. Weil er dann sieht, dass er das weitergegeben hat, was für ihn das Wichtigste im Fußball ist: die Einstellung. Dirk Lehmann, 44, Fußballtrainer und Fußballspieler, sagt: „Dennis stellt sich selbst nicht in den Vordergrund, sondern ist ein absoluter Mannschaftsspieler.“

Fußball ist oft eine Familienangelegenheit, aber dass er es das so sehr ist wie bei den Lehmanns, das gibt es dann doch eher selten. Dennis Lehmann spielt für die Sportfreunde Düren, die Mannschaft, die sein Vater trainiert. Aber seitdem der Vater in den vergangenen Monaten zum Spieler-Trainer geworden ist, stehen die beiden auch regelmäßig zusammen auf dem Platz, Dirk hinten, Dennis vorne. Und wie das kam, erzählen Vater und Sohn jetzt. Sie sitzen an einem Tisch in einer Kneipe in Baesweiler-Setterich. Wenn Dirk Lehmann mal ein Bier trinkt, dann er macht er das dort. Er wohnt in der Nähe, er arbeitet in der Nähe, aber wenn es zum Fußball geht, dann hat er einen recht weiten Weg. Aber so ist das bei ihm eigentlich schon immer gewesen.

Gegen Beckham und Giggs

Dirk Lehmann hat bei der SG Aachen mit dem Fußball angefangen, sein Talent wurde früh erkannt, und deswegen wechselte er zu Alemannia Aachen, wofür er heute noch dankbar ist, was man daran merkt, dass er oft die gute Ausbildung lobt, die er dort erfahren habe. Lehmann wurde Profi, er spielte für den 1. FC Köln in der Bundesliga. Er wechselte nach England, wo er unter anderem für Fulham auflief, er nennt die Mannschaft die beste, für die er je gespielt hat. „Ich stand gegen den FC Liverpool und Manchester United auf dem Platz, gegen David Beckham und Ryan Giggs“, sagt Lehmann, er schwärmt jetzt ein bisschen. Goldene Zeiten. Später spielte er noch in Schottland und Japan, Lehmann kam viel rum in dieser Zeit. Und auch wenn Dennis ihn dort besuchte, wo der Vater gerade Fußball spielte, war es natürlich eine Fernbeziehung.

Dennis Lehmanns erster Verein war der SV Breinig, er durchlief dort alle Jugendabteilungen, was sein Vater im Nachhinein ein bisschen schade findet. Dirk Lehmann möchte nicht, dass er falsch verstanden wird, er nennt Breinig einen „guten Jugendverein“, aber er sagt auch: „Dennis hat eine Menge Talent, aber er hatte das Pech, dass er nicht so eine gute fußballerische Ausbildung bekommen hat wie ich.“ In Breinig wurden die Nachwuchsmannschaften auch schon mal von Vätern der Spieler betreut, nicht ausschließlich von Lizenz-Trainern, wie es eben in seiner Zeit bei Alemannia der Fall gewesen sei, sagt Dirk Lehmann. Es ist kein Vorwurf an den Verein, sondern nur ein bisschen Bedauern, dass sein Sohn nicht früher den Verein gewechselt hat. Und es ist ein Kompliment: Hätte Dennis Lehmann so viel Förderung erfahren wie Dirk Lehmann, hätte er eine ähnliche Karriere gemacht. Da ist sein Vater sicher.

Zusammengeführt hat der Fußball sie dennoch. Dirk Lehmanns Zeit als Profi war irgendwann vorbei, er wechselte zu Borussia Freialdenhoven, Mittelrheinliga. Dort spielte auch sein Sohn, in der zweiten Mannschaft. Und als Dirk Lehmann nicht mehr Fußballspieler, sondern Fußballtrainer sein wollte, wechselte er zu Alemannia Bourheim, Kreisliga A. Und zu den Spielern, die er dort trainierte, gehörte sein Sohn, er war auch dorthin gegangen.

Vor der Saison wechselten beide dann zu den Sportfreunden Düren, Landesliga, der Vater als Trainer, der Sohn als Stürmer. So war es zumindest gedacht. Aber in der Mannschaft gab es ein paar Querelen, lange Geschichte, am Ende meldeten sich viele Spieler ab, deswegen gehörte in den vergangenen Spielen auch der Trainer zum Kader, damit sie elf Fußballer auf dem Platz haben. „Seitdem läuft es“, sagt Dennis Lehmann.

Die Sportfreunde waren miserabel in die Saison gestartet, aber die vergangenen drei Spiele haben sie gewonnen. Dirk Lehmann wurde mittlerweile drei Mal für die FuPa-Elf der Woche nominiert, Dennis Lehmann zwei Mal. Wie ist das, wenn der Vater Trainer und Teamkollege ist? „Wenn ich einen Fehlpass spiele, bekomme ich direkt einen auf den Deckel, andere dürfen sich ein paar mehr erlauben“, sagt Dennis Lehmann. „Natürlich bin ich auch streng zu Dennis, aber ich denke nicht, dass ich zu ihm strenger bin als zu anderen Spielern“, sagt Dirk Lehmann.

Der Vater war sich vor dem Wechsel nicht sicher, ob sein Sohn das packen würde, in der Landesliga, zwei Klassen höher. Jetzt sagt er: „Egal wo Dennis spielt, er macht seine Tore.“ Und er läuft mit zurück. Das macht Dirk Lehmann stolz.

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