Mönchengladbach - Gehorsame Borussen piesacken Bayern

Gehorsame Borussen piesacken Bayern

Von: Bernd Schneiders
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Der FC Bayern bekommt ein paar Beulen in Mönchengladbach ab: Hier bremst Roel Brouwers (oben) Iviva Olic. Foto: imago/T-F-Foto

Mönchengladbach. Gehorsamkeit ist eine Tugend, die schon mal altbacken daherkommt. Doch sie ist nicht per se sinnentleert und nur auf Hierarchien gebaut. Wie im Fußball etwa.

Michael Frontzecks Order des Tages gegen die schier übermächtigen Münchner Bayern war ebenso simpel wie angebracht: „Spielt das, was Ihr könnt.” Zur Erbauung von Borussia Mönchengladbachs Trainer und dem überwiegenden Teil der 54.057 Zuschauer hielten sich die Profis an die Direktive - zum Nachteil des Tabellenführers: Das 1:1 ist für den Tabellenelften mehr als ein Achtungserfolg.

Frontzecks Plan richtete sich nicht gegen die zu erwartende Dominanz der Bayern. Imposante 72 Prozent Ballbesitz spuckte die Statistik aus. Doch diese Marke besitzt keinen Wert an sich. Borussia besaß die klareren Chancen.

„Fußballerisch und vom Positionsspiel her können wir mit den Bayern nicht mithalten”, machte Frontzeck nach dem gefühlten Sieg noch einmal klar. „Meine Mannschaft hat mit Leidenschaft, Herz und Disziplin den künftigen Deutschen Meister an den Rand einer Niederlage gebracht.”

Es gab weitere Zutaten, die der junge Trainer seit fast einem Jahr anrührt: Das Umschalten aus der Defensive ist sehenswert. Sichtbar beim 1:0, als Raul Bobadilla die Erfahrung machte, dass nicht nur Tore zählen: Mit einem wunderbaren Pass schickte der Argentinier, der sich selbst so sehr unter Torerziel-Druck setzt, Borussias Edel-Flitzer Marco Reus auf die Reise.

Der 19-Jährige vollendete fulminant (60.) und überflügelte nicht nur seine Bayern-Gegenspieler, sondern auch den Kollegen Roel Brouwers: Mit acht Treffern schob sich Reus in der Torjäger-Statistik am Innenverteidiger vorbei.

Buster-Keaton-Miene

Die Strahlkraft des Jüngling hält nicht Schritt mit dem Talent, das er überraschend einbruchsfrei diese Saison zeigt: Mit Buster-Keaton-Miene schilderte er seinen Stich ins Bayern-Herz.

Mehr professionell als vehement widersprach der gebürtige Dortmunder der These, ihm sei die Freude vergällt, weil er mit seinem Treffer ausgerechnet den Schalker Erzfeinden im wahrsten Sinn des Wortes Schützenhilfe geleistet hatte.

Wenige Meter weiter in der Mixzone leistete ein Niederländer Geschichtsunterricht. Roel Brouwers, Borussia kopfballstarker Innenverteidiger, half seinen Landsleuten auf die Sprünge. Die Journalisten wollten unbedingt hören, dass Brouwers & Co. lieber Schalke als Meister sähen.

„Das ist uns egal. Wir haben versucht, gegen Schalke zu gewinnen - und gegen die Bayern”, klärte der Limburger auf. Um dann den „Einwurf”, (fast) das ganze Stadion habe bei der Einblendung der Schalker Führung gejubelt, zu kontern: „Das stammt noch aus der Vergangenheit.”

Der späte Siegtreffer des Verfolgers hatte besonders Sebastian Schweinsteiger getroffen. Wutschnaubend stapfte er nach dem 1:1 in die Kabine. Die Sprüche, mit denen er Schiedsrichter Michael Weiner bedachte, weil dieser die drei Minuten Nachspielzeit sekundenmäßig verkürzt hatte, hätten ihm im Zivilleben eine Beleidigungsklage eingebracht.

Doch Weiner hatte schon zuvor bemerkenswerten Respekt vor dem Liga-Branchenführer bewiesen. Als Daniel Buyten sich nach seiner Behandlung wieder aufs Feld begeben wollte, wartete Weiner mit der Ausführung eine Gladbacher Freistoßes, bis der Verteidiger seine Position in der Abwehr eingenommen hatte. Toller Service!

Schweinsteiger flippte aus, sein Trainer blieb kühl bis ins Herz. „Nichts hat sich geändert. Wir haben einen schweren Gegner hinter uns, und nur noch eine schwierige Woche vor uns. Dann wird´s leichter”, blickte Louis van Gaal mit der Selbstsicherheit eines Tabellenführers auf das Liga-Restprogramm.

Selbst die Waden-Verletzungen beider Innenverteidigern, van Buyten und Martin Demichelis, versetzten ihn fürs Rückspiel am Dienstag gegen Lyon in der Champions League nicht in Panik. „Wenn einer fit wird und Badstuber dazukommt, dann habe ich wieder zwei - und bin zufrieden.”

Diese Zufriedenheit wird auch durch seinen Beitrag zur Niederlagen-Verhinderung befeuert worden sein. Nachdem Miroslav Klose nach Vorarbeit von Phillip Lahm zum 1:1 eingeköpft hatte (73.), fasste sich der Niederländer demonstrativ an die Nase. Schließlich hatte er den Nationalstürmer gerade erst eingewechselt.

Gladbachs Tor war herausgespielt, die Entstehung des Ausgleichs entsprach nicht unbedingt dem Fußball-Credo des Kombinier-Liebhabers van Gaal: „Endlich mal wieder ein Flanke”, wies Klose süffisant auf den Seltenheitswert dieses Stilmittels hin. Nase, Kopf, auch Körperteil Nummer 3 ist van Gaal dagegen willkommen: „Wir haben es selbst in der Hand.”
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