Gegen Augsburg fehlen Reus und die Einstellung

Von: Maik Rosner
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Igor de Camargo und Juan Arang
Igor de Camargo und Juan Arango sind konsterniert nach der Niederlage in Augsburg, Schiedsrichter Markus Schmidt schaut interessiert zu. Foto: imago/Eibner

Augsburg. Lucien Favre ging mit Grüblermiene. Sein Blick verlor sich irgendwo in der Luft, und man sah Borussia Mönchengladbachs Trainer an, wie er im Laufen seinen Gedanken nachhing und die Umgebung nur schemenhaft wahrnahm.

Im Gänsemarsch war er als einer der Letzten aus der Kabine getrottet, einfach dem Vordermann folgend, ohne wirklich hinzuschauen. Beinahe wäre Favre noch mit einem der grimmigen Security-Männer kollidiert, weil die Spieler vor ihm abgebogen waren und Favre Gedanken und Füße einfach weiterlaufen gelassen hatte.

Ein wenig verloren

Es war nicht der Tag der Borussia, und wie der Trainer wirkten auch die Profis zuvor auf dem Augsburger Fußballplatz ein wenig verloren. Die Tabellenführung hätten sie zumindest bis Sonntagabend übernehmen können. Doch nach der „schlechtesten Saisonleistung”, wie Kapitän Filip Daems und Roman Neustädter gleichermaßen befanden, wirkte dieser mögliche Lohn einer bisher so überaus positiv verlaufenen Saison wie ein surrealer Traum.

„Sie waren besser, sie haben mehr investiert, sie sind viel mehr gelaufen”, hatte Favre nach der 0:1 (0:0)-Niederlage beim Aufsteiger FC Augsburg aufgelistet, „wir waren immer einen Schritt zu spät und haben zu langsam gespielt. Wir waren schlecht.”

Enttäuscht sei er von der Leistung seiner Spieler, sagte der Schweizer weiter und wunderte sich über die „kuriose Unsicherheit” seiner Mannschaft. Beim Gegentor durch Jan-Ingwer Callsen-Bracker in der 51. Minute durften allerdings mildernde Umstände geltend gemacht werden.

Den Freistoß des ehemaligen Mannschaftskollegen, im Sommer aus Mönchengladbach nach Augsburg gewechselt, hatte Raul Bobadilla unhaltbar für Torwart Marc-André ter Stegen abgelenkt.

Natürlich wurde später wieder über Marco Reus gesprochen, die prägende Figur des Gladbacher Wandels vom Beinahe-Absteiger zum Anwärter auf die Champions League.

Zum zweiten Mal hatte Reus nun wegen seines Zehenbruchs gefehlt, was sich zuvor beim 1:1 gegen Meister Borussia Dortmund noch nicht im Ergebnis niedergeschlagen hatte. Favre hatte wenig Lust, Reus nun als Erklärungsansatz heranzuziehen.

Natürlich fehle der Nationalspieler mit seinen herausragenden Fähigkeiten. Aber ursächlich für die Niederlage sei die Einstellung der gesunden Profis gewesen, befand der Schweizer säuerlich. „Augsburg war sehr engagiert, manchmal war der Einsatz am Limit. Diese Zweikämpfe musst du annehmen, das haben wir nicht”, urteilte Favre.

Zudem sei das flotte Passspiel vernachlässigt worden. Ein, zwei Ballkontakte wünscht er sich von seinen Kickern, „drei Kontakte waren zu viel”. Selbst Dante, für sein sonniges brasilianisches Gemüt bekannt, brachte anschließend kaum ein Lächeln über die Lippen.

Gegen Mainz 05 am kommenden Sonntag „müssen wir es viel besser machen”, sagte der Brasilianer in seinem hübschen und portugiesisch eingefärbten Singsang. Und zwar: „Alles.” Bei der Borussia hoffen sie, dass Reus dann wieder dabei ist. „Reus setzt ganz andere Akzente, aber es bringt nichts, darüber zu philosophieren. Wir wünschen uns, dass er bald zurück ist”, sagte Martin Stranzl.

Froh waren dagegen die Augsburger, dass der erfolgreichste Torschütze der Borussia (zehn Saisontore) daheim vor dem Fernseher saß. „Es hat mit Reus der entscheidende Mann gefehlt. Das war gut und wichtig für uns”, sagte Callsen-Bracker. Neuen Mut haben sie nun geschöpft. Den Klassenerhalt hatten selbst die Optimisten in Augsburg kaum für möglich gehalten zu Saisonbeginn.

Nach dem zweiten Heimsieg in Folge und nur noch einem Punkt Abstand auf den rettenden Tabellenplatz 15 fangen die bayrischen Schwaben nun an, an die Überraschung zu glauben. Sie fühlen sich angekommen in der Bundesliga und ihren Herausforderungen gewachsen.

„Wenn du Aufsteiger bist, musst du dich erstmal an die Liga gewöhnen. Diesen Prozess haben wir abgeschlossen”, befand Callsen-Bracker. „Jetzt sind wir in jedem Spiel konkurrenzfähig. Wir können die Klasse halten.”
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