Galaseks Schuhe zu groß für Paauwe

Von: Stefan Hermanns
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Mönchengladbacher Duo beim Kontaktlinsen-Suchen? Eher trauern Paul Stalteri (unten) und Michael Bradley dem Punkt nach, den sie mit ihren Kollegen in Berlin liegengelassen Foto: dpa

Berlin. Logan Bailly, der Torhüter von Borussia Mönchengladbach, ist spätestens seit seinen Glanztaten in Bremen zur Übergröße angewachsen. Am Samstag, beim Spiel der Borussia in Berlin, wäre ihm beinahe das nächste dicke Ding geglückt: seine erste Vorlage zu einem Tor.

Bailly platzierte einen Abschlag genau auf den Kopf von Rob Friend, von dort flog der Ball Richtung Tor - aber Bailly hatte Glück. Der Ball hatte sich auf das eigene Tor zubewegt, nachdem Borussias Torhüter seinen kurz vor ihm postierten Kollegen am Hinterkopf getroffen hatte.

Die Szene passte ganz gut zum täppischen Auftreten der Gladbacher bei Hertha BSC in der ersten Hälfte. Nach der Pause steigerten sie sich zwar erheblich, doch nach dem 0:2-Halbzeitrückstand reichte es nur noch zum 1:2 durch einen von Michael Bradley verwandelten Foulelfmeter.

Borussias Trainer Hans Meyer hatte doch auf den grippekranken Tomas Galasek verzichten müssen. Es war ein herber Verlust für seine Mannschaft. Mit dem Tschechen hätten die Gladbacher das Spiel vielleicht nicht verloren, zumindest wären die Tore für die Berliner wohl nicht so gefallen, wie sie gefallen sind.

„Man kann das Spiel so zusammenfassen”, sagte Meyer, „Cleverness contra jugendlicher Leichtsinn.” Den Borussen fehlte die Erfahrung des 36 Jahre alten Tschechen, der Gefahren erkennt, Lücken schließt und das Spiel seiner Mannschaft ordnet. Genau daran mangelte es den Gladbachern.

Viererkette in Bedrängnis

Weil die Borussen das defensive Mittelfeld nicht dicht bekamen, geriet die Viererkette immer wieder in Bedrängnis. Schon in der neunten Minute lief Herthas Brasilianer Raffael alleine auf Bailly zu, doch der Belgier parierte dessen Schuss - mit ein bisschen Glück: Er bekam den Ball genau ins Gesicht. Bailly schüttelte sich einmal und machte ungerührt weiter.

Borussias Spiel nach vorne wirkte sogar recht ansehnlich, ohne dass die Gladbacher sich allzu klare Chancen erspielen konnten; hinten aber wurde es nach Ballverlusten immer wieder gefährlich. Patrick Paauwe, Galaseks Vertreter, hatte einen üblen Tag erwischt: Der Holländer spielte fahrig, reihte Fehler an Fehler und konnte seinen jungen Kollegen nie den nötigen Halt geben.

Wie einfach Borussias Defensive zu überwinden war, zeigte sich vor dem 0:1. Cicero spielte aus dem Mittelkreis heraus einen scheinbar harmlosen Pass ungehindert durchs zentrale Mittelfeld, Andrej Voronin sprintete in den freien Raum zwischen Borussias Innenverteidigern und überwand Bailly mit einem präzisen Schuss.

Vor dem 0:2 durften die Berliner den Ball direkt vor Borussias Strafraum einmal seelenruhig von der linken auf die rechte Seite befördern, ohne dass sich jemand zum Eingreifen genötigt gesehen hätte. Patrick Ebert bediente Pal Dardai, der traf an Filip Daems vorbei ins kurze Eck.

Als Schiedsrichter Gagelmann zwei Minuten später zur Pause pfiff, blieb Hans Meyer ratlos und verärgert auf seinem Platz am Spielfeldrand sitzen. Es schien, als müsse er erst einmal in Ruhe nachdenken und alles verarbeiten. Nach der Pause bereitete ihm seine Mannschaft mehr Freude.

„In der zweiten Halbzeit haben wir richtig gut nach vorne gespielt”, sagte Außenverteidiger Tobias Levels. Borussia hatte einige Chancen, vor allem der eingewechselte Oliver Neuville brachte einigen Schwung. Hertha ließ sich weit zurückdrängen, fing sich nach dem Anschlusstreffer aber wieder.

„Man hat gesehen, dass wir anders spielen als im Herbst”, sagte Meyer. Mit mehr Struktur. Mehr Zutrauen. Mehr Mut. „Insgesamt war es ein passables Auswärtsspiel, nicht so wie in Bremen.” In Bremen waren die Borussen deutlich unterlegen, gewannen am Ende aber einen Punkt und durften sich trotz ihrer fußballerischen Minderleistung wie Gewinner fühlen.

Gegen Hertha spielten sie nach der Pause sehr ordentlich, blieben für ihren Auftritt aber unbelohnt. „Das hat auch eine psychologische Wirkung”, sagte Levels. „Ob die positiv ist, weiß ich nicht.”
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