Für den 1. FC Köln wird jedes Spiel zum Endspiel

Von: rom/the
Letzte Aktualisierung:
Der Anfang vom Kölner Ende ge
Der Anfang vom Kölner Ende gegen Dortmund: Pisczek köpft gegen Lanig zum 1:1 ein. Foto: dapd

Köln. Es ist ein gewaltiger Druck, der inzwischen auf allen Mitarbeitern der Großbaustelle 1. FC Köln lastet, das war praktisch 90 Minuten lang zu sehen während der fürchterlichen 1:6 (1:1)-Niederlage des Abstiegskandidaten gegen Borussia Dortmund.

Die Kölner führten heftige Diskussionen untereinander, in einigen Szenen beschimpften sie sich gegenseitig, sie haderten mit dem Schiedsrichter und mühten sich krampfhaft, mit dem Deutschen Meister mitzuhalten. Aber am Ende haben sie sich auf geradezu unwürdige Art und Weise in ihr Schicksal gefügt.

Die Antwort von FC-Trainer Stale Solbakken auf die Frage, ob jeder im Team den Ernst der Lage begriffen habe: „Nein.” Die Antwort auf die Frage nach seiner eigenen Zukunft? „Ich denke, ich bin der richtige Mann. Aber es ist nicht meine Entscheidung.”

Mal ist man als Stürmer der Idiot, mal der Superheld, hatte Solbakken vor dem Spiel zur anhaltenden Kritik an Torjäger Milivoje Novakovic festgestellt. Und tatsächlich war der Slowene vor 50.500 Zuschauern fast eine Viertelstunde lang der „Idiot”, musste sich Pfiffe des Publikums anhören. Das änderte sich schlagartig in der 14. Minute: Ein gechipter Ball von Martin Lanig fand zwischen Neven Subotic und Lukasz Piszczek den Kopf von Novakovic, der aus acht Metern vollstreckte. Die Mannschaft von BVB-Trainer Jürgen Klopp kam erst nicht richtig ins Rollen, doch am Ende waren die Verhältnisse eindrucksvoll geklärt.

Eine Aktion der Kölner brachte das nun 21 Mal in Folge ungeschlagene Team wieder zurück in die Partie: Sascha Riether wehrte einen Flankenversuch mit der Hand ab, den folgenden Freistoß von Marcel Schmelzer köpfte Lukasz Piszczek recht unbedrängt in die Kölner Maschen (26.). Bis zum Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Felix Zwayer kamen die Dortmunder noch zu zwei weiteren Großchancen, weil Kölns Defensive plötzlich tiefer verteidigte: Ein Volley-Geschoss von Piszczek strich über das Tor von FC-Keeper Michael Rensing (29.), einem Kopfballtreffer durch Sven Bender verweigerte der Schiedsrichter wegen Abseits die Anerkennung (41.).

Aus der Kabine kam dann allerdings ein wesentlich effektiverer Deutscher Meister mit dem erkennbaren Willen, die Herausforderung der Münchener Bayern anzunehmen und den hartnäckigsten Verfolger auf fünf Punkte Abstand zu halten: Der zweite Durchgang war gerade einmal zwei Minuten alt, als der bis dato völlig uneffektive Japaner Kagawa frei im Kölner Strafraum zum Abschluss kam und Torwart Michael Rensing keine Abwehrmöglichkeit ließ. Und während vier Minuten später Lukas Podolski noch am Dortmunder Strafraum wegen eines nicht gegebenen Handspiels tobte, lief der nächste schwarz-gelbe Express-Angriff über Kagawa, den quergelegten Ball brauchte Robert Lewandowski nur noch einzuschieben. Doch anders als in vorausgegangenen Partien brach Köln nach den Nackenschlägen nicht sofort ein, sondern erst 20 Minuten später.

Eine knappe Viertelstunde vor Schluss sorgte der im zweiten Durchgang überragende Kagawa für den (mehr als) standesgemäßen Sieg der Dortmunder: Erst bediente der Japaner mustergültig Gündogan, der nur noch einschieben musste (79.), dann vollstreckte er eine Minute später selbst und durfte zum Dank die letzten Minuten der Begegnung auf der Reservebank genießen. Dort sah der 23-Jährige dann das 6:1 des eingewechselten Ivan Perisic (84.), der die Niederlage endgültig zum FC-Debakel machte.

„Wir kriegen mal wieder Tore nach Standards und brechen zusammen. So spielen wir mal wieder gegen den Abstieg”, haderte Lukas Podolski mit dem FC-Schicksal. Nur einen Punkt über dem Strich, das schlechteste Torverhältnis in der Liga: Eine Bilanz, in der man auch die Trainerfrage stellen könnte. „Ich bin nicht dazu da, um hier die Leute auszuwechseln”, wollte Podolski nicht den Stab über den Chefcoach brechen. „Jedes Spiel ist für uns jetzt ein Endspiel.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert