Frontzeck: „Ich lass´ mich nicht verbiegen”

Von: Bernd Schneiders
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Schutzherr nach außen für seine Spieler: Doch intern redet Mönchengladbachs Trainer Michael Frontzeck durchaus Tacheles. Zurückzahlen konnten ihm die Borussia-Profis sein Vertrauen bisher noch nicht.

Mönchengladbach. Derrwische und Entertainer an der Seitenlinie haben derzeit Konjunktur - und Erfolg in der Fußball-Bundesliga. Michael Frontzeck ist ein Gegenentwurf - ohne aktuellen Erfolg. Der Beinah-Stoiker ist Trainer des Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach und trotz der prekären Situation nicht bereit, publikumswirksam den wilden „Max” zu spielen.

Auch nicht vor der vorletzten Möglichkeit, bis Weihnachten noch zu punkten - dem Spiel am Sonntag in Freiburg.

Sie scheinen die personifizierte Ruhe zu sein, obwohl Sie Spieltag für Spieltag Schreckensszenarien Ihrer Mannschaft kommentieren müssen. Ist Ihre Unerschütterlichkeit nicht endlich?

Frontzeck: Für mich ist es genauso schwer wie für alle anderen auch, durch dieses Tal zu gehen. Das hat nichts mit Ruhe zu tun. Jeder geht halt anders damit um. Aber es geht auch mir nahe. Auch die Situation, die in der letzten Woche durch die „Initiative Borussia” (Anmerk. der Redaktion: eine Gruppe von Wirtschaftsexperten, die den Verein „reformieren” wollen) entstanden ist. Ich bin hier aufgewachsen, das ist mein Klub - aber ich brauche nicht dauernd zu sagen, dass ich die Raute im Herzen habe . . .

Sieht es denn in Ihnen ganz anders aus? Bröckelt Ihre Unerschütterlichkeit?

Frontzeck: Es ist ein Wesenszug von mir, so mit den Dingen umzugehen. Das heißt nicht, dass ich in der Kabine genauso bin. Aber was dort passiert und was ich mit den Spielern mache, geht keinen was an. Ich habe eben auch nicht diese populistischen Züge, die einige in dem Job besitzen. Andere Dinge sind wichtiger. Zum Beispiel, dass ich morgens immer noch in den Spiegel schauen kann, weil ich mich nicht verbiegen lasse.

Haben Sie denn noch eine Erklärung für die Malaise?

Frontzeck: Ich weise schon länger nicht mehr auf unsere Personalprobleme hin. Das wird ein Stück weit stets als Ausrede angesehen. Dabei ist es ein Fakt, mit dem jeder Klub zu kämpfen hat - auf unterschiedlichem Niveau. Warum hinken die Bayern so weit hinter Dortmund und ihren Punkte-Ansprüchen her? Aufgrund zahlreicher Verletzungen und weil sie dadurch nicht eingespielt sind. So etwas kannst du einige Wochen kompensieren, aber nicht eine komplette Hinrunde.

Nun fällt auch noch Bamba Anderson, eigentlich als Talent geholt, aus. Sehen Sie Licht am Ende des Tunnels?

Frontzeck: Ich habe die Zuversicht, wenn wir einigermaßen in die Winterpause kommen und einige Spieler zurückkehren, dass wir zu alter Stärke zurückfinden. Auch wenn Anderson und jetzt auch Brouwers beim ersten Spiel in Nürnberg noch nicht bei 100 Prozent sein werden. Es wird ein schwieriger Prozess. Aber solch schwierige Situationen im Fußball zu lösen, ist auch sehr reizvoll.

Würde nicht ein Fehler-Ausputzer wie einst Tomas Galasek auch der psychischen Stabilität Ihrer Spieler helfen?

Frontzeck: Die Mannschaft ist genug durchgerüttelt worden. Das ist keine Frage des Systems. Die Jungs spielen ihr System mit Überzeugung, es gibt ihnen Halt. Gegen Hannover haben wir bis zur 70. Minute so gut wie nichts zugelassen. Das 1:1 war keine Frage des Systems. Unser Problem sind individuelle Fehler. Wenn ich spüren würde, die Mannschaft fühlt sich mit einem anderen System stärker, wäre ich der Letzte, der darauf nicht reagieren würde. Auch wenn ich zusätzlich einen defensiven Mittelfeldspieler einbauen würde - nichts würde sich ändern.

Nun kommen auch die Quartals-Kritiker á la Effenberg und Vogts aus ihren Löchern . . .

Frontzeck: Auf der einen Seite ist es normal, dass solche Leute um die Ecke kommen, wenn du am Boden liegst. Aber bei der „Initiative”: Warum melden sie sich nicht vor drei Monaten? Sie benutzen die sportliche Schieflage, um ihr Ding einzubringen. Das ist nur Populismus und Polemik. Und wenn ich mich wie Vogts indirekt noch als Manager bewerbe, ist es wohl Teil des Spiels.

Wie bereitet man sich auf ein Spiel in Freiburg vor, wenn stets individuelle Fehler alles kaputt machen?

Frontzeck: Man verändert Inhalte im Training, versucht das eine oder andere abzustellen, das eine oder andere mehr zu trainieren.

Warum kann die Mannschaft nicht mal ein dreckiges 1:0 holen?

Frontzeck: Ich bin jetzt fast 18 Monate hier und habe noch nie nach einem Spiel das Gefühl gehabt: Jetzt hast du aber mal glücklich drei Punkte geholt.

Kann man das ändern?

Frontzeck: Du kannst es nicht planen. Ich kann ja nicht den Gegner dazu bringen, drei Großchancen zu vergeben.

Kann die Mannschaft einem Gegner mal richtig wehtun?

Frontzeck: Ja, fragen Sie mal Jupp Heynckes . . .
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