Frontzeck: Flexibilität statt Missionarstum

Von: Bernd Schneiders
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Stiller Brüter: Michael Frontzeck geht nicht mit seinen Taktik- und Systemvorstellungen hausieren. Foto: imago/Fishing4

Mönchengladbach. Natürlich ist Fußball ein Erlebnis-, pardon, Ergebnissport. Aber auch die „Innereien” zählen. Und da hat Borussia Mönchengladbach einiges zu bieten. Das zeigt sich auch bei angeblich glücklichen Siegen, wie etwa letzten Freitag gegen den 1. FC Nürnberg.

Und auch bei Niederlagen, wie etwa am Wochenende zuvor in Mainz. Viele Chancen kreieren, wenige für den Gegner zulassen - und vor allem eine Spielanlage. Pikant vor allem deshalb, weil der Mainzer Trainer in der Medienwelt als Mini-Rangnick gilt, zur Garde der Konzepttrainer zählt, die wortreich und -gewandt ihre Vorstellung von Fußball darstellen. Doch beim 0:1 der Gladbacher spielte eigentlich nur Borussia. Die Mannschaft von Thomas Tuchel war taktisch und fußballerisch klar unterlegen.

Eine Befriedigung für Michael Frontzeck, der mitunter mit seinem Pragmatismus sogar zu kokettieren scheint? „Quatsch”, widerspricht der Gladbachs Coach, „das einzige, was befriedigt hätte, wäre ein Punkt gewesen.” Der Ex-Profi „schaut nicht links oder rechts nach den Kollegen”. Und sich einstufen lassen, will er erst recht nicht. „Ich weiß, dass die Medien das gerne machen, dass sie Trainer gerne in Schubladen stecken.” In die des Oberlehrers wird Frontzeck nie geraten.

Der Zufall will es, dass er heute mit seiner Mannschaft beim wohl Intellektuellsten der deutschen Fußballlehrer-Riege antreten muss: Ralf Rangnick und 1899 Hoffenheim - der Gegenentwurf zum spröden Niederrheiner. Nur zu gerne betont Frontzeck, dass er überbordende System-Diskussionen nicht mag. Der fast 46-Jährige ist kein Missionar, er ist ein Macher. „Er gibt seinen Mannschaften ein Gesicht”, beschreibt Borussias Sportdirektor Max Eberl. Flexibilität ist ein weiteres Markenzeichen. Das derzeit erfolgreiche 4-4-2 ist nicht in Stein gemeißelt. Zu Beginn der Saison schwebte ihm ein anderes System vor, sollten Michael Bradley, Marcel Meeuwis und Thorsten Marx gemeinsam im Mittelfeld spielen. Ein Sechser-Pärchen ist daraus geworden. „Wenn du eine neue Mannschaft formst, musst du flexibel bleiben. Es geht doch nicht darum, mein Ego auszuleben. Es geht vor allem auch um die Arbeit im Team.”

Das Credo gilt - für den Trainer- und Verantwortlichenstab ebenso wie für die Mannschaft. Und das richtige Gefühl für die schrittweise Integration etwa auch sehr junger Spieler hilft bei Verpflichtungen. Gerade hat sich Jens Wissing (22), talentierter und ablösefreier Linksverteidiger vom Regionalligisten Preußen Münster, gegen namhafte Konkurrenten (Dortmund, Schalke, Köln) und für Borussia entschieden.

Voraussichtliche Aufstellung: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Daems - Bradley, Meeuwis - Reus, Arango - Bobadilla, Colautti
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