Frings: Ein Teamplayer zum Schnäppchenpreis

Von: Benjamin Jansen
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Mit 20 Jahren wagte Torsten Frings den Sprung von der Alemannia in die Bundesliga. In Bremen stieg er zum Nationalspieler auf, in Dortmund wurde er effektivster Spieler und in München gewann er das Double. Seine Karriere will der gebürtige Würselener in zwei Jahren im Weserstadion ausklingen lassen. Foto: ddp

Aachen. Seine Effektivität vor dem gegnerischen Tor? „Dat geht besser”, urteilten die Kiebitze, die sich regelmäßig auf dem Trainingsgelände von Alemannia Aachen einfanden. Doch er hatte etwas, dieser Torsten Frings.

Zwar nicht den ausgeprägten Killerinstinkt eines Torjägers (13 Treffer in 56 Regionalliga-Spielen). Aber ein Kämpferherz. Ein richtig großes sogar.

Er rackerte sich durch das Mittelfeld, pflügte die Sportplätze von Verl bis Saarbrücken um und suchte immer wieder den Weg nach vorne. Ein Teamplayer eben, der seine eigenen Belange hinten anstellt. Oder anders ausgedrückt: Torsten Frings.

Unbändiger Ehrgeiz

Bremens Trainer Hans-Jürgen „Dixie” Dörner fand Gefallen an der Einstellung des jungen Angreifers: Zum Schnäppchenpreis von 100.000 Euro wechselte der damals 20-Jährige zum SV Werder. Frings etablierte sich umgehend - sein unbändiger Ehrgeiz, eine gehörige Portion Leidenschaft und ein ordentlicher Schuss Selbstvertrauen ermöglichten seinen rasanten Aufstieg. Teamintern machte er auch als junger Profi gerne mal den Mund auf, was die älteren Kollegen zu kessen Kontern bewegte: Andreas Herzog verpasste ihm den Spitznamen „Lutscher”.

1999 im DFB-Pokal-Finale stürmte besagter „Lutscher” an der Seite von Marco Bode. Doch Thomas Schaaf, der die Bremer im Mai von Felix Magath übernommen hatte, sah die Stärken des ehemaligen Alemannen eher in der Balleroberung als in der Vollendung: In der folgenden Saison setzte er ihn als Taktgeber im Mittelfeld ein - und sein Plan ging auf. 2001/2002 gelang dem gebürtigen Würselener der Durchbruch und der „kicker” stellte fest: „Frings zählt zu dem Besten, was die Liga zu bieten hat.”

Debüt gegen Frankreich

Diesem Urteil schloss sich auch Bundestrainer Rudi Völler an, der den Bremer Shootingstar am 27. Februar 2001 im Freundschaftsspiel gegen Frankreich debütieren ließ. Ein Jahr später, bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea, war Frings bereits so etabliert, dass er alle Spiele absolvierte. Er wurde Vize-Weltmeister und entwickelte sich zum Führungsspieler, bevor er 2006 zum tragischen Helden wurde: Nach dem Viertelfinalspiel Deutschland gegen Argentinien kam es am Spielfeldrand zu einem Handgemenge. Und Torsten Frings war mittendrin. Der tätowierte „bad boy” wurde nach einer Tätlichkeit gegen Julio Ricardo Cruz von der Fifa für das Halbfinale gegen Italien gesperrt. Der Rest ist bekannt.

In der Bundesliga hatte er in den Jahren zuvor das Trikot und die Position getauscht: Als defensiver Mittelfeldspieler entwickelte sich Frings bei Borussia Dortmund in der Rückrunde der Saison 2003/04 zum „effektivsten Bundesliga-Akteur” (14 Scorer-Punkte in 16 Spielen), mit dem FC Bayern gewann er ein Jahr später das Double. „Aber Titel sind nicht alles. Ich weiß, dass es für mich persönlich besser ist, in Bremen zu spielen”, sagte Frings im Juni 2005 - und kehrte heim an die Weser.

Kapitän bei Werder

Nach dem Karriereende von Frank Baumann übernahm Frings das Kapitäns-Amt bei Werder Bremen. Thomas Schaaf, der ihn seit seiner Rückkehr zumeist auf der halbrechten Mittelfeld-Position eingesetzt hatte, beorderte ihn in die Zentrale. Auch in der Nationalmannschaft ackerte sich Frings durch das Mittelfeld. 2008 wurde er Vize-Europameister. Vor der WM 2010 bootete Nationaltrainer Joachim Löw ihn aus, so dass seine DFB-Karriere ein unschönes Ende fand.

Seitdem konzentriert er sich nur noch auf „seinen” SV Werder. Einen Wechsel im Spätherbst der Karriere schließt der 33-Jährige mittlerweile aus. „Ich bin absoluter Bremer. Ich habe nicht vor, hier noch einmal wegzugehen, auch was mein späteres Leben betrifft”, erklärte Frings vor wenigen Wochen. Damit müssen die Alemannia-Fans eine Rückkehr des „verlorenen Lutschers” wohl zu den Akten legen - obwohl Frings in der Vergangenheit mehrfach den Wunsch geäußert hatte, seine Karriere in seiner Heimatstadt ausklingen zu lassen.

Aber Wunder gibt es ja bekanntlich immer wieder. Wer hätte schließlich gedacht, dass aus dem Alemannia-Stürmer Torsten Frings der zweikampfstarke Mittelfelddirigent der Nationalmannschaft wird? Oder ein Torjäger? An den ersten beiden Spieltagen trug sich Frings jeweils mit einem Treffer in die Torschützenliste ein. Zugegeben, er traf in beiden Spielen per Elfmeter. Mit dieser Quote dürfte er aber auch die Aachener Kiebitze zufrieden stellen können.

Steckbrief (Quelle: www.transfermarkt.de )

Geburtsdatum: 22.11.1976
Geburtsort: Würselen
Alter: 33
Größe: 1,82
Nationalität: Deutschland
Position: defensives Mittelfeld
Debüt 1. Bundesliga: 15. Februar 1997 für Werder Bremen

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