FC-Unberechenbarkeit: Favres natürlicher Feind

Von: Bernd Schneiders
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Kann morgen wieder wie im Hins
Kann morgen wieder wie im Hinspiel in Köln seinen Kopf hinhalten: Borussias Rechtsverteidiger Tony Jantschke, hier unterstützt von Mike Hanke, im Dreikampf gegen FC-Profi Slawomir Peszko. Foto: imago/DeFodi

Mönchengladbach. Lucien Favre ist ein Trainer, der sich Gedanken macht. Viele, womöglich manchmal gar zu viele. Sie hin- und herwälzt, bis er für jeden Gegner in der Fußball-Bundesliga ein Maximum an guter Vorbereitung und Einstellung zusammengetüftelt hat.

Am Donnerstagabend wird der mit so vielen Ideen und Details vollgestopfte Schweizer Kopf kurz vor dem Platzen gewesen sein: Der 1. FC Köln, Sonntags-Gegner von Borussia Mönchengladbach, hatte seinen Trainer Stale Solbakken entlassen.

Favre hat all seine Unterlagen und Handlungsanweisungen nicht gleich öffentlich auf dem Vorplatz des Borussia Parks verbrannt. Doch dem Tüftler ist durch den Rauswurf drei Tage vor dem rheinischen Derby eine noch größere Herausforderung entstanden.

Nun sind alle Gegner, auf die Borussia allwochenendlich und mitunter auch in der Woche trifft, „sehr, sehr gefährlich”. Der FC aber war schon vor Donnerstagabend mehr als das, weil die Kölner Leistung in den letzten Monaten zwischen all den Wellentälern auch immer Höhen besaß. Schier unberechenbar und damit ein Greuel für jemanden, der danach strebt, alle Unwägbarkeiten im Fußball vorbereitend in den Griff zu bekommen.

Erhöht wird dies noch durch die Emotionalität eines Derbys. Auch wenn Max Eberl glaubt: „Die Stimmung auf den Rängen ist extrem. Auf dem Platz aber reduziert es sich auf ein elf gegen elf”, analysiert der Mönchengladbacher Sportdirektor. „Es ist halt eine andere Wahrnehmung. Das tatsächliche Spiel wird sich nicht groß ändern.”

Aber was ist das Spiel der Schaefer-Herde? Das System Solbakken war mit all seinen Vorzügen und Schwächen bekannt. Doch welche Richtung schlägt Frank Schaefer, der zurückgekehrte Hirte der verirrten FC-Lämmer, ein? Lucien Favre, nach Siegen vom Boulevard genüsslich als „Super-Hirnli” gefeiert, gibt sich demonstrativ gelassen. „Ich habe die DVDs gesehen. Sie können nicht die ganze Mannschaft ändern. Lukas Podolski spielt sowieso. Und Frank Schaefer hat schon vorher gut gearbeitet. Wahrscheinlich wird er wieder mit Novakovic spielen.”

Ähnliches wird sein frisch gebackener, oder präziser gesagt „aufgewärmter”, Trainerkollege auch von Favre sagen können. Auch Gladbachs Trainer setzt sein Vertrauen am liebsten in elf (Tony Jantschke ist nach Muskelproblemen wieder fit) bis maximal 14 Spieler - schließlich muss man ja ab und zu auch noch einwechseln.

Allerdings mit einem grundlegenden Unterschied: Fürs System Favre ist auch Marco Reus noch unentbehrlich. Kölns System aber ist Podolski. Und die FC-Ikone ist in seinen Auftritten ebenfalls unberechenbar. Womöglich deshalb kann sich Lucien Favre nicht verkneifen, auch vor der rheinischen Variante der „Mutter aller Spiele” zu warnen: „Jedes Spiel ist eng.”

Die Irrationalität ist der natürliche Feind des Taktik-Tüftlers. Da kann man dem Schweizer Liebhaber von Automatismen zur Beruhigung nur den Blick in die Statistik empfehlen, die einen Derby-Automatismus andeutet: Die letzten sechs Bundesligapartien gegen den FC hat Borussia nicht verloren, die letzten drei gewonnen - mit einem Gesamt-Torverhältnis von 12:1. Kein Wunder, wenn Max Eberl bekräftigt: „Wir wollen Sonntag gewinnen, aber ich möchte nicht, dass Köln absteigt.”
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