Mönchengladbach - Favres Suche nach der Kompaktheit

Favres Suche nach der Kompaktheit

Von: Bernd Schneiders
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Wirbt um Vertrauen: Mike Hanke
Wirbt um Vertrauen: Mike Hanke, Borussias Neuneinhalber. Foto: imago/Eibner

Mönchengladbach. Für Ärzte gilt die Schweigepflicht. Für Trainer der Fußball-Bundesliga auch, wenn es ums Wesentliche geht und der Patient ernsthaft krank ist. Deshalb muss man sich nicht wundern, wenn derzeit Lucien Favre noch weniger substantiell über seine Mannschaft spricht als er es von Natur aus bereits tut.

„Doktor Favre” selbst attestierte seiner Mannschaft nach dem Saisonstart Probleme in der Offensive: „Unsere Stürmer sind sich zu ähnlich.”

In den Heimspielen gegen Kiew und Nürnberg war der Krankheitsherd plötzlich nach hinten gewandert: Insgesamt kassierte Borussia sechs Tore, im Vergleich mit der Stabilität der vergangenen Saison unfassbar und gefährlich viele. Und zu schlechter Letzt bewies der fast kollektiv schlechte Auftritt beim 1:1 in Leverkusen, dass die Behandlung im vorderen Bereich zu Wunden in der Zentrale, dem Herzen der Mannschaft geführt hat: Mit Granit Xhaka hinter Luuk de Jong in der Abteilung Attacke und Tolga Cigerci statt des Schweizers auf der Sechs neben Harvard Nordtveit ist auch die Kompaktheit der Mannschaft perdu.

„Alle Positionen sind wichtig”, lautet Favres Replik auf dieses buchstäblich zentrale Problem. Doch momentan kommt seine Mannschaft wie ein morsches Boot daher: Wenn versucht wird, ein Leck im vorderen Teil zu stopfen, sickert das Wasser plötzlich im Heck ins Boot. Da passt es, dass am Mittwoch der Gegner von der Waterkant kommt. Der Hamburger SV kennt sich bestens aus mit Undichtigkeiten und ist in den letzten Monaten Dauergast auf der Werft. Doch nun haben sie mit Rückkehrer Rafael van der Vaart einen Mann, der wie viele zu glauben scheinen, sogar auf dem Wasser gehen kann.

Der Sieg gegen Borussia Dortmund könnte das hanseatische Flaggschiff wieder flott gemacht haben. Doch sensationeller Weise reagiert Lucien Favre nicht mit einem „Das wird ein schwieriges Spiel”. Stattdessen sagt er: „Wir freuen uns auf das Spiel.” Das hört sich nach einem Crashkurs in Sachen Medienarbeit an. Zumal der Schweizer fast schon trotzig über das recht beeindruckende HSV-Personal sagt: „Sie haben viele gute Spieler, aber das ist mir ganz egal.”

Nicht egal ist ihm die Entwicklungsarbeit mit seiner Mannschaft. Und sein Pseudo-Lob nach dem 1:1 in Leverkusen war im Grunde eine entsetzte Kritik. „Zum Glück sind wir viel gelaufen.” Heißt: Mit dieser Leichtathletik-Tugend wurden die Defizite im fußballerischen und taktischen Bereich kompensiert. Denn die Marathon-Arbeit beschreibt lediglich die fehlende Kompaktheit. „Besser zwei Meter richtig laufen als acht Meter falsch”, fordert auch der Borussen-Trainer.

Die Entscheidung, wann zu laufen, richtig zu laufen und auch richtig zu stehen, ist besonders auf der Position vor der Abwehr gefragt. Dort spielt Cigerci eher den Gegen-Entwurf zu Roman Neustädter: hektisch, übereifrig und reichlich wirr. Jetzt erst merkt man, wie gut der zu Schalke gewechselte Mittelfeldspieler diesen Job erledigt hat. Tolgai Cigerci ist sicherlich ein guter Fußballer, kann aber auf dieser so wichtigen Position Gladbach im Moment nicht helfen. „Das ist eine sehr interessante Aufgabe”, urteilt Favre betont positiv über die anstehende Arbeit. „Wir werden uns Schritt für Schritt verbessern.”

Ein wesentlicher wäre, Xhaka fest auf der Sechser-Position zu installieren. Der Schweizer hat das strategische Potenzial, die Neustädter-Lücke zu füllen. Um de Jong herum verdient Mike Hanke mehr als einen Dreiviertel-Einsatz. Der passionierte Neuneinhalber braucht Spiele und Vertrauen, um seine Raffinesse und Torgefahr wieder gewinnbringend einbringen zu können. Zum Schluss noch das Baldrian-Bulletin des Stationsarztes Max Eberl: „Es ist alles ganz normal, was passiert ist.”

So könnten (!) sie spielen: ter Stegen - Jantschke, Brouwers, Dominguez, Daems - Nordtveit, Xhaka - Herrmann, Hanke, Arango - de Jong
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