Favres Selbstkontrolle: 0:7-CD zensiert

Von: Bernd Schneiders
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Ruhig, ruhig: Gladbachs Traine
Ruhig, ruhig: Gladbachs Trainer Lucien Favre ist nicht nur im Spiel für Kontrolle. Foto: imago/deFodi

Mönchengladbach. Bei Borussia Mönchengladbach ist jetzt ein eklatanter Fall von Zensur ruchbar geworden. Lucien Favre unterlief bei der Pressekonferenz am Donnerstag eine Selbstanzeige.

Zur Vorbereitung auf das Spiel seiner Elf am Samstag beim SC Freiburg blieb eine CD in der FSK hängen - Favres Selbstkontrolle: „Freiburgs 0:7 in München wollte ich nicht zeigen, das spiegelt nicht die Wahrheit wider.”

Die Wahrheit ist für den Schweizer eine permanente: „Das wird ein ganz schwieriges Spiel.” Das würde er wohl auch noch sagen, wenn der Gegner mit seiner Regionalliga-Mannschaft antreten würde, weil der Profikader unter einem Virus litte. Wahrscheinlich fehlt auch nicht viel und der Fußball-Pädagoge würde auch die Partie der Freiburger auf Schalke noch mal neu aufnehmen - als Remake mit Laiendarstellern.

Denn auch dort verlor der SC, nur mit 2:4 - was Favres Wahrheit vom Ergebnis her dennoch nicht deutlich genug sichtbar macht: „Sie haben eine sehr gute Leistung gezeigt. Acht Torchancen hatten sie!” Und allen Ungläubigen versichert er mit treuem Blick und Nachdruck: „Das kann ich zeigen und beweisen.”

Natürlich ist es nur ein Gerücht, dass Favre kurz davor war, diese Woche auch noch eine Sonder-Edition herauszubringen, die belegt, dass Freiburg eigentlich auch eine Super-Abwehr hat - obwohl der Tabellenvorletzte mit 22 Gegentreffern die mit Abstand schlechteste Abwehr der Liga vorweist. Das wäre auch nur der Wahrheit verpflichtet. Denn zieht man die sieben unwahren Bayern-Tore ab, stehen nur noch 15 Gegentore zu Buche. Damit läge man gleichauf mit dem 1. FC Köln und Mainz 05 und hätte sogar den Hamburger SV (18) hinter sich gelassen.

Die Wahrheit vom Niederrhein ist dagegen unumstößlich und auch nicht manipulierbar - auch nicht im pädagogischen Sinne. Freiburgs Trainer Marcus Sorg hat eine große Auswahl an CDs, die diese widerspiegeln und mit denen er eine der Überraschungsmannschaften der letzten Saison auf die Favre-Elf vorbereiten kann.

Ein Sorglos-Paket ist das aber nicht gerade. Borussia hat in den letzten 17 Bundesligapartien in keinem Spiel mehr als ein Gegentor kassiert. Diese neue, schier geschichtsträchtige Erfolgsquote, benötigt der Tabellendritte auch für den zuletzt traditionell schweren Gang, oder besser Zugfahrt, in den Breisgau.

In den letzten beiden Spielzeiten wurde Borussia jeweils mit einer 0:3-Niederlage nach Hause geschickt. Ein Ergebnis, mit dem am Samstag bei einem Wettanbieter eine Menge Geld zu verdienen wäre. Weil es so krass der 17-spieltägigen Wahrheit widersprechen würde, Borussias Wahrheit anno 2011/2012.
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