Favre kündigt personelle Veränderungen an

Von: Bernd Schneiders
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Freudloses Erfolgserlebnis: Ma
Freudloses Erfolgserlebnis: Marco Reus hat gerade gegen seinen ehemaligen Klub das 1:0 erzielt und verkneift sich jeden Jubel. Foto: imago/osnapix

Dortmund. Wenige Kilometer vor Dortmund unterfährt man auf der A45 eine Überführung: Rheinische Esel, ist auf dem Geländer zu lesen. Das ist eigentlich der Name einer Bahn-Trasse. Vor 15.30 Uhr am Samstag. Ab 20.15 Uhr konnte der überdimensionale Schriftzug durchaus anders interpretiert werden. Doch der Mannschaftsbus von Borussia Mönchengladbach passierte diese Stelle eh nicht.

Was aber auch nicht nötig war: Lucien Favre hatte seinen „Fohlen” nach dem 0:5 bei Borussia Dortmund bereits die Ohren langgezogen: „So können wir nicht weiterspielen.” Und meinte damit nicht nur die Art, sondern auch sein Personal: „Ich muss einige Auswechslungen machen.”

Was war passiert? Im Grunde hat sich nur das fortgesetzt, was sich bereits beim 2:2 gegen den HSV und beim 1:1 in Leverkusen gezeigt hat: Borussia Mönchengladbach hat die Grundlage ihres erfolgreichen und in der letzten Saison häufig auch spektakulären Spiels verloren - die Kompaktheit.

Der Einbruch beim Deutschen Meister kam nicht unerwartet. Das einzig Überraschende an diesem Abend war, dass die Favre-Elf es fast 30 Minuten schaffte, ihre alte Stärke zu zitieren. Allerdings gegen einen BVB, der auch noch sichtlich an den Misserfolgserlebnissen der letzten beiden Spieltage zu knabbern hatte.

Doch das 1:0 durch - wen sonst?- Marco Reus (35.) löste beim BVB die mentale Zwangsjacke und durchbrach bei Mönchengladbach alle Defensiv-Dämme. „Das 1:0 und das 3:0 waren unglaublich”, urteilte Favre. Und fühlte sich an die Naivität im Hinspiel gegen Dynamo Kiew erinnert, die den Einzug in die Champions League verhinderte.

Die Misere hat Zahlen: „Man muss sich nur mal die Tabelle, die Punktzahl und das Torverhältnis anschauen”, empfiehlt Sportdirektor Max Eberl. Wohlan: Platz 12 mit 6 Punkten und einem Torverhältnis von 7:12; zwölf Gegentore nach sechs Spielen. Die Abschlusstabelle der letzten Saison wies nur die doppelte Anzahl vor - nach 34 Spielen.

Und auch, wenn Reus zudem noch das 3:0 gegen seine ehemaligen Kollegen erzielte: Mit dem Weggang des treffsicheren Edelsprinters hat dieses Problem wenig zu tun. Eine der wenigen Schwächen des Neu-Dortmunders ist seine Defensiv-Arbeit, die er in seinem letzten Jahr für Gladbach mit zunehmendem Erfolg und Ruhm immer mehr reduzierte.

„Es ist auch nicht die Abwehr”, rückt Lucien Favre zurecht, wenn er diese sensationell-erschreckenden Defensivprobleme anspricht. „Es ist die Verbindung.” Soll heißen, die Verknüpfung von Mittelfeld und Sturm mit der Abwehr. Das 1:0 lokalisiert den Krankheitsherd: Natürlich rutscht Alvaro Dominguez bei Reus Sturmlauf ab durch die Mitte unglücklich bis ungeschickt aus. Favre aber murmelt lakonisch: „Xhaka ist nicht da.”

Xhaka hat sich verstrickt

Die Doppel-Sechs ist die Schaltzentrale, hier laufen die Verknüpfungen zwischen den Mannschaftsteilen zusammen. Und hier hat sich der Schweizer Jungspund maßlos verstrickt. Gleich doppelt: Zum einen ist der kesse 20-Jährige nicht so gut wie er glaubt, zum anderen ist er das Opfer einer Überforderung: Nach dem Verlust von Roman Neustädter sollte das Talent, was Xhaka immer noch ist, dem Team mehr Kreativität und Torgefahr einhauchen. Dafür hält sich Xhaka auch fähig und zuständig - und vergisst die unspektakuläre, aber grundlegende Abräum- und Zustell-Arbeit.

Beim 3:0 von Reus, ein überraschender und für BVB-Trainer Jürgen Klopp „Weltklasseschuss” vom Strafraumeck aus, gefiel sich Gladbachs Neuzugang, minutenlang an der Außenlinie über ein vermeintliches Foulspiel zu lamentieren. Und war damit wie beim 1:0 nicht da.

Das 2:0 - ein Kopfball von Neven Subotic (40.) - „kann passieren”, kommentierte sein Trainer. Aber „dieses 3:0 war eine Schande”. Und leitete die Deklassierung der niederrheinischen Borussia durch die Tore von Ilkay Gündogan (79.) und Jakub Blaszczykowski (85.) ein. „Es fehlte der Wille zu verteidigen”, kritisierte Favre. Ähnlich sieht es auch Max Eberl. „Die Spieler haben vergessen, was die Basis war: die Arbeit gegen den Ball.”

Sein Trainer erinnert, er habe schon vor Wochen die Probleme benannt. Doch gesprochen hat er mehr vom fehlenden Rückgrat, fehlender Schnelligkeit und vor allem dem fehlenden Marco Reus. Und damit mehr das Selbstbewusstsein und das Bewusstsein um die Basics unterminiert: laufen, kämpfen, Ball erobern. Die Arbeit gegen den Mangel an Esprit und Kreativität kann derzeit nur Zukunftsmusik sein.
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