Der kleine Drache Kokosnuss Freisteller

Erik Meijer schaut für Alemannia schon in der 3. Liga vorbei

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
Was nun, Herr Funkel? Der Alem
Was nun, Herr Funkel? Der Alemannia-Coach nach der jüngsten Pleite beim FSV Frankfurt. Wieder mit leeren Taschen. Foto: Heiko Rhode

Frankfurt/Aachen. Am Ende des Abends scheiterten auch die Fans mit ihrem Versuch des Abgreifens. Den Mannschaftsbus wollten sie stoppen vor der Abfahrt aus Frankfurt, doch der war schon unterwegs.

Die Aussprache, die eher einem monothematischen Abladen von Ärger und Frust über Alemannia Aachens nächste Pleite (1:2 beim FSV) glich, folgte mit Verzögerung nachts in der Tiefgarage am Tivoli.

Der Glaube, dass die Schwarz-Gelben noch die Kurve kriegen im Kampf um ein weiteres Jahr 2. Liga, schwindet von Woche zu Woche, und es fällt immer schwerer, berechtigte Hoffnungen auf ein doch noch gutes Ende zu nähren. „Ich denke über sehr viele Sachen nach”, sagt Erik Meijer, der Sport-Manager. Was bleibt an Möglichkeiten, was sind „die richtigen Entscheidungen”, um den Gau zu verhindern? Und er fragt sich „seit Monaten”, ob das alles so richtig war mit der Zusammenstellung des Aufgebots. „Man trifft ja öfter die Kollegen in Frankfurt. Die gucken mich schon blöd an und sagen: Das kann doch nicht sein, dass du mit so einem Kader so in der Tabelle stehst.”

Inzwischen geht es nicht mehr um System-Fragen oder darum, ob Odonkor spielt oder nicht, ob Demai und Radu eine Pause bekommen oder nicht - es ist letztlich ohne Belang. Friedhelm Funkel reduziert das Problem auf diese Sätze: „Die Jungs brauchen ein Erfolgserlebnis. Aber wir haben noch sieben Spiele. Die Entwicklung kann auch schnell in die andere Richtung gehen.” Von einem Korrosions-Prozess will der Trainer nichts wissen: „Der Wille ist da.”

Den Eindruck, dass Funkel selbst schon abgeschlossen hat mit dem Kapitel Alemannia, teilt Bas Sibum nicht. „Ich habe viele Gespräche mit dem Trainer gehabt, und ich bin fest davon überzeugt, dass er alles tut, damit wir in der Liga bleiben”, sagt der stellvertretende Kapitän. Auch Mirko Casper erkennt keine emotionale Entfremdung: „Schwachsinn. Im Gegenteil: Friedhelm Funkel stellt sich ja auch noch in den Wind und vor die Mannschaft”, sagt der Verteidiger. „Es wäre der einfache Weg, ständig Spieler auszutauschen, wenn es nicht wegen Verletzungen oder Sperren notwendig ist, oder rumzutoben. Das tut der Trainer gerade nicht.” Und wenn nun behauptet würde, der 58-Jährige sei innerlich durch mit Aachen, „dann ist es eher notwendig, ein paar Dinge in der Mannschaft anzusprechen”, sagt Casper. Dass Teile des Kaders ihrem direkten Vorgesetzten inzwischen die Gefolgschaft verweigern, sieht Funkel allerdings nicht: „Kein Prozent.”

Disput mit Achenbach

Aus gutem Grund, nachlesbar in der Tabelle, halten sich die Profis mit kessen Worten zurück. „Alles, was du jetzt sagst, ist zuviel und falsch”, weiß Bas Sibum. „Egal zu welchem Thema, es ist besser, nichts zu sagen”, meint Timo Achenbach. Zwischen dem Linksverteidiger und Erik Meijer war es am Freitagabend zu einem Disput gekommen; der Manager hatte Achenbachs „schöne orangen Schuhe” erwähnt, „aber er trägt keine Stollen drunter”. Eine Breitseite auf das Abwehrverhalten vor dem 1:2, und doch hatte die Mängelliste erneut auch von Mittelfeld und Angriff Besitz ergriffen.

Es roch im Stadion am Bornheimer Hang schon streng nach 3. Liga. Samir Arabi, Alemannias ehemaliger Chef-Scout und seit einem Jahr Sportlicher Leiter von Arminia Bielefeld, war da und hielt nach was Brauchbarem Ausschau. Spätestens seit Sonntag sind im Alemannia-Terminkalender der 10. und 14. Mai rot markiert: Der Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz beträgt nun sechs Punkte, der Klassenerhalt ist wohl nur noch über die Relegation zu schaffen.

Erik Meijer hatte bereits in der vergangenen Woche die Fahrt nach Sandhausen geplant, um einen möglichen Gegner zu beobachten. Der SV, 4:0-Sieger gegen Babelsberg, hat beste Chancen, dem Duell mit dem Zweitliga-16. zu entgehen und direkt aufzusteigen. Meijer nahm immerhin mit, „wie es so zugeht in der 3. Liga. Vielleicht hätte ich die ganze Truppe mitnehmen müssen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.