Eine Szene verändert die Rollen

Von: Günter Kirschbaum
Letzte Aktualisierung:
fcfo15
Der Anfang vom Ende: Joel Matip köpft am chancenlosen Faryd Mondragon vorbei zur Schalker Führung ins Foto: imago/Moritz Müller

Gelsenkirchen. Die Spieler des 1. FC Köln hatten am Sonntag kaum Gesprächsbedarf. 0:2 (0:1) bei Schalke 04 durch individuelle Fehler verloren und einen klaren Elfmeter nicht bekommen - da tendierte die Bereitschaft, die eigene Leistung vom Karnevalssonntag zu erklären, gegen den Nullpunkt.

Die Kölner hatten am Endde eines unerfreulichen Arbeitstages nur das Ziel, die Arena so schnell wie möglich hinter sich zu lassen.

Lukas Podolski war einer der wenigen, die sich stellten. Heraus kamen dabei allerdings kaum Erkenntnisse, die den FC weiter nach vorne bringen. „Das ist bitter für die Fans, die an Karneval mitgekommen sind”, sagte „Poldi”. „Wenn es so weitergeht, wird es noch einmal eng im Kampf gegen den Abstieg.” Auch seine Leistung war nicht dazu angetan, das zu verhindern.

Dabei hatten die Kölner 45 Minuten lang beim „Hallenfußball” fast alles im Griff. Doch dann schlugen die Gastgeber in der Nachspielzeit zu. Und natürlich war es ein Standard, Sekunden vor dem Pausenpfiff schlug Lukas Schmitz einen Freistoß in den FC-Strafraum, und Joel Matip traf per Kopf zum 1:0. Da hatte Kevin Pezzoni ganz schlecht ausgesehen.

Bis dahin hatten die Kölner fast alles richtig gemacht. Gefühlte 70 Prozent Ballbesitz, Spielkontrolle und ein klares Plus in der Zweikampfbilanz standen für Soldos Formation zu Buche. Schalke machte im eigenen Stadion die Schotten dicht und setzte auf Sicherheit. „Beide Mannschaften vermieden in der ersten Halbzeit jegliches Risiko”, befand FC-Trainer Zvonimir Soldo. „Es war ein Geduldsspiel. Ich wusste, dass derjenige verliert, der den ersten Fehler macht.” Den leistete sich Köln.

Nach der Pokalblamage von Augsburg hatte Soldo umgestellt. Lukas Podolski kam für Sebastian Freis in die Elf, Pierre Wom wurde durch Christopher Schorch ersetzt. Außer einem Kopfball von Kevin Kuranyi nach Freistoß von Ivan Rakitic (34.) kam nichts Gefährliches auf Faryd Mondragóns Kasten. Maniche traf auf der anderen Seite nur das Außennetz (9.).

Pezzonis Stellungsfehler bei Matips Führungstor veränderte die Rollenverteilung zum zweiten Durchgang. Die Schalker wurden souveräner, kamen aber immer noch nicht zu großartigen Tormöglichkeiten. Im Gegenteil. In der 56. Minute hätte es Elfmeter für die Gäste geben müssen. Adil Chihi legte die Kugel an Lukas Schmitz vorbei in den Schalker Strafraum, der S 04-Linksverteidiger leistete sich zunächst ein Hand- und dann ein Foulspiel. „Ich habe nach dem Spiel mitbekommen, dass es ein klarer Elfmeter für war”, befand auch Soldo.

Es dauerte bis zur 81. Minute, ehe der sechste Schalker Heimsieg in Folge ohne Gegentor gesichert war. Kevin Kuranyi düpierte Kölns Kapitän Youssef Mohamad in einer Art und Weise, wie es der Libanese lange nicht mehr erlebt hatte, passte auf Jefferson Farfan, und der Peruaner vollendete. „Das müssen wir wieder in der Griff kriegen”, kritisierte Soldo. „Wir machen zu viele einfache Fehler.”

Dabei muss sich der Kroate allerdings fragen lassen, in welchem Umfang er durch die Änderungen zur Destabilisierung seiner Defensive beigetragen hat. Ohne Not bildete er die Viererkette um, ließ Schorsch als Rechtsverteidiger bis zum Ende schwimmen und Miso Brecko auf der linken Seite sein Unwesen treiben. Auf der Position also, auf der Pierre Wom in den bisherigen vier Rückrundenspielen überzeugte. Ihre Leistungen rechtfertigten Soldos Maßnahme jedenfalls nicht.

Auch Podolski konnte nicht nachweisen, dass er einen Einsatz verdient hatte. Der Nationalstürmer wirkte immer noch wie ein Fremdkörper im Team. „Bei ihm muss der Knoten platzen”, sagte Soldo. Doch langsam drängt die Zeit. Nur jenseits des Spielfeldes ist er derzeit eine Stütze des Teams.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert