Eine Reus-Gala zum Abschied

Von: Tobias Schächter
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Mainz. Marco Reus konnte es kaum glauben: Schon wieder sei ein Jahr vorbei, sagte der Offensivspieler von Borussia Mönchengladbach fast ungläubig. Im Leben eines Menschen geht es ja zumindest altersmäßig immer nur vorwärts, damit muss man lernen, fertig zu werden, je älter man wird.

Am Samstagabend aber schien dem erst 21 Jahre jungen Fußballprofi Marco Reus der Lauf der Dinge fast unheimlich rasant vorzukommen, er sagte: „Die Relegationsspiele gegen Bochum sind erst ein Jahr her, das ist unglaublich.”

Es stimmt ja auch: Die Wandlung dieser Mannschaft vom sportlichen Überlebenskämpfer aus dem Tabellenkeller zum ästhetischen Hingucker der Liga innerhalb von zwölf Monaten ist vielleicht die erstaunlichste Geschichte dieser Saison. Beim 3:0-Auswärtssieg in Mainz am Samstag zeigten die Gladbacher noch einmal in einem 90 Minuten kurzen Zeitraffer, warum und wie sie diese außergewöhnliche Leistung vollbracht hatten.

Es war eine Gala des schnellen Direktspiels in die Spitze, mit der die Gladbacher die matten Mainzer im eigenen Stadion vorführten. Marco Reus hat dabei eine Hauptrolle gespielt, die ersten zwei Tore geschossen und den dritten Treffer von Igor de Camargo mit einem einzigartigen Außenriss-Pass aus dem Fußgelenk vorbereitet. Alleine dieses unerwartete Zuspiel über nur fünf Meter zeigt die außergewöhnlichen Fähigkeiten dieses Spielers.

Spieler ohne Grenzen

Marco Reus wirkt wie ein Spieler ohne Grenzen, zumindest sind diese noch nicht abzusehen. Was er in den letzten drei Jahren in Mönchengladbach angedeutet hat, lässt auf eine große Karriere hoffen. Auch Nationaltrainer Joachim Löw wird am Samstag auf der Mainzer-Tribüne zufrieden zur Kenntnis genommen haben, dass Reus mittlerweile vor dem Tor nicht nur die kalte Entschlossenheit eines etatmäßigen Torjägers an den Tag legt (18 Saisontreffer) und nicht nur mit dem Ball am Fuß leichtfüßig und unaufhaltsam schnell den Weg nach vorne sucht. Nach dem Spiel dann wurden nacheinander Reus, Neustädter und Dante von den Fans in der Kurve gefeiert, der Einzug in den Europapokal nach 16 Jahren Abstinenz macht den Abschied aus Gladbach versöhnlich.

Diese drei Spieler nehmen neue Herausforderungen an, Borussia Mönchengladbach aber steht vor der Herausforderung, diese drei Protagonisten zu ersetzen. Namen neuer Spieler wollte Manager Max Eberl noch immer nicht nennen, das viele Geld (22 Millionen Euro Investitionsvolumen) richtig anzulegen, ist eine große Aufgabe. In Mainz aber hat man auch gesehen, dass zum Beispiel ein junger Profi wie Tolga Cigerci das Talent besitzt, um vielleicht Roman Neustädter zu ersetzen.

Den Mann aber, den alle den Vater des Erfolges nennen, heißt Lucien Favre, ist Trainer und sagt: „Ich habe keine Angst, junge Spieler wie Ring, Korb oder Tolga zu bringen, es war gut zu sehen, dass sie Fußball spielen können”, sagte Favre. Der Schweizer lobte „die super Saison” von Reus und der ganzen Mannschaft, die Konstanz seiner Auswahl, „gegen die es immer schwer für den Gegner war, zu spielen” (24 Gegentore, nur Bayern hat noch weniger) und dass 60 Punkte nach der letzten Saison einfach „nicht normal” seien.

Zu seiner Vertragssituation sagte er nur das, was er immer schon sagte. Er habe noch ein Jahr Vertrag, er sei im Gespräch mit dem Klub, über die neue Saison aber wolle er noch nicht reden. Am Mittwoch sei Laktattest, am Donnerstag Abschlusstraining und am 2. Juli gehe es weiter. Ohne Reus, Neustädter und Dante, aber mit Lucien Favre?
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