Ein quälendes Spiel ohne jede Struktur

Von: Wilhelm Peters
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Willkommen in der Ellbogengesellschaft Fußball-Bundesliga: Kölns Abräumer Petit geht seiner Arbeit nach - zum Leidwesen des Hannoveraner Torschützen Jan Rosenthal. Foto: imago/Team2

Köln. Erstklassig waren sie, die Fans des 1. FC Köln. Wie eigentlich immer. Aus weit über 40.000 Kehlen der 45.000 Zuschauer hallten vor dem Anpfiff wieder diese Gänsehaut-Hymnen der „Höhner” durch das RheinEnergieStadion: „Unser Hätz schläät för dä FC Kölle” oder auch der Refrain „Hey Kölle, du bes e Jeföhl”.

90 plus drei Minuten später herrschte das blanke Entsetzen bei den FC-Fans. Die Podolskis, Ishiakus, Petits, Novakovics und Co. hatten gerade mit einer erbärmlichen, völlig indiskutablen Leistung aufgewartet, dass man sich mit Grauen abwendete.

Sie hatten die Gefühle ihrer Fans so heftig mit Füßen getreten, dass die Gruppe der Berufsfußballer nach dem Abpfiff den Gang in die Südkurve auf halbem Weg abbrach und umkehrte. Ein gellendes Pfeifkonzert hallte den Spielern entgegen, das in einer solchen Intensität lange nicht mehr zu hören war.

Diese 0:1-Niederlage, die Hannover durch den Treffer von Jan Rosenthal nach einem der unzähligen Fehler Petits früh besorgt hatte (37.), glich einer Bankrotterklärung, einem Offenbarungseid einer Kölner Mannschaft, die mit einem solchen Auftreten nicht mal in der zweiten Liga den Hauch einer Chance hätte.

„Es war bis jetzt das schlechteste Spiel. Meine Mannschaft hat keine Leidenschaft, kein Engagement gezeigt. Alle waren schlecht”, sagte ein ratlos wirkender Trainer Zvonimir Soldo mit gewohnt leiser Stimme, „bei mir hat keiner Laufverbot.”

Eine Woche zuvor hatte er noch angekündigt: „Wir müssen offensiv viel mehr tun.”

Die paar Tausend mitgereisten Hannover-Fans feierten dagegen einen überzeugenden Auftritt ihres Teams. „Ich habe uns heute stark gesehen und bin hochzufrieden, unser Sieg war rundum verdient”, stellte Trainer Andreas Bergmann zu Recht fest.

Sein Torhüter Robert Enke stand erstmals nach gut zweimonatiger Zwangspause (Bakterieninfektion) wieder zwischen den Pfosten. „Ein tolles Gefühl, nach so langer Zeit auswärts zu gewinnen und den Fans den Sieg zu schenken”, sagte der strahlende Nationaltorhüter, dem es „eiskalt den Rücken runter” lief vor Glück.

Enke hatte es leicht an diesem Nachmittag. Ganze drei Schüsse hatten die Kölner in seine Richtung zustande gebracht: Freis´ Versuch nach 47 Minuten ging links vorbei, ehe Enke nach sage und schreibe 62 Minuten erstmals geprüft wurde, den Schuss von Innenverteidiger Mohamad aber problemlos parierte.

Maniche war es dann, der in der Nachspielzeit dem Keeper in die Arme schoss (90+1). Das war alles, oder besser: Das war nichts, was die Kölner Berufsfußballer ihren Fans boten.

Zum Beispiel „Torjäger” Novakovic: Er blieb ohne einen einzigen Versuch. Der gleichfalls bewegungslose wie desinteressiert wirkende Podolski ebenso, und ein bemitleidenswerter Ishiaku stolperte dermaßen unbeholfen über das Grün, als sehe er in jedem Grashalm eine Fußangel.

Oder Petit: Er schickte das Spielgerät ein ums andere Mal so gekonnt in den freien Raum, dass nie irgendein Kollege die Chance hatte, es anzunehmen. Einzig auffällig: Petit fragte sich die fünfte Gelbe Karte.

Eine Struktur oder Spielidee in einer leblosen, armselig, lustlos und lauffaul auftretenden Heimelf war nicht zu erkennen. Es schien, als gelte es nur, die Fans zu quälen mit einer Vorstellung, die an fußballerischer, spielerischer Qualität nicht mehr zu unterbieten ist.

Lukas Podolski, der sich - immerhin - nach dem Gewürge zumindest den Fragen stellte, meinte: „Mit so einer Leistung brauchen wir erst gar nicht nach Berlin zu fahren. Wir waren schwach, sehr schwach, sind nicht in die Zweikämpfe gekommen, sind nicht als Team aufgetreten und müssen uns alle hinterfragen.”

Da hatten diese erstklassigen FC-Fans längst tief enttäuscht und schweigend das Stadion verlassen. Hoffnungslosigkeit lag in der Luft.
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