Aachen - Ein ganz bitterer Abend für Alemannia

Ein ganz bitterer Abend für Alemannia

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Und der Abstieg lauert im Hint
Und der Abstieg lauert im Hintergrund: Alemannias Mirko Casper nach der nächsten Pleite gegen Union Berlin. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Das Spiel war aus, und dieser letzte Pfiff des Schiedsrichters löste eine Schockstarre aus. Aachens Spieler verharrten sekundenlang, jeder für sich in seiner eigenen Gedankenwelt. Ein Gemälde des Scheiterns.

Gerade hatte Alemannia gegen Union Berlin 1:3 verloren, das Ergebnis bringt die Mannschaft noch stärker in Gefahr. Es war ein bitterer Abend, dem Team kann man nicht den Willen absprechen, sich gegen das Unheil zu stemmen. Aber es bleibt zu harmlos, und das ist kein beruhigendes Fazit für die ausgerufenen „Wochen der Wahrheit”.

Der Trainer suchte natürlich an diesem tristen Abend nach Sonnenstrahlen. „Mich stimmt positiv, dass die Mannschaft Moral hat, dass sie sich wehrt, dass sie will”, tröstete sich Friedhelm Funkel.

Sein Team hatte ungeahnt stürmisch begonnen. Schon nach zwei Minuten beobachteten die 15.165 Zuschauer eine Rarität: eine Chance für Aachen. Uludag brach alleine durch, aber sein Schuss war zu überhastet, war eher eine Rückgabe für Unions Keeper Jan Glinker. Das war das Ergebnis eines Konters, anschließend fesselten die Aachener die Gäste in ihrer Hälfte. Chancen waren keine bestaunte Seltenheit mehr, schon bis zur Halbzeit wurden rekordverdächtige acht Ecken addiert. „Aber wir sind nicht zwingend genug”, fasste Verteidiger Timo Achenbach treffend zusammen. Aus einer zaudernden wurde vorübergehend eine angriffslustige Mannschaft.

Funkel setzte auf eine Raute, um mehr Tiefe zu gewinnen. Albert Streit scheiterte mit einem Freistoß (5.), ein Volley-Schuss von Achenbach landete in der Berliner Mauer (13.). Der Patient schien auf einem guten Weg, aber natürlich dauert so eine Genesung. Alper Uludag leistete sich einen verwegenen Rückpass, brachte auch noch Kevin Kratz in große Not. Christopher Quiring lief fröhlich der Führung entgegen. Doch der schnelle Rechtsaußen hatte zu viel Fernsehen geguckt, ließ sich plump im Duell mit Aachens Keeper Boy Waterman fallen. Gelbe Karte statt Gästeführung (18.).

Verrutschte Flanke

Die Berliner fanden die Lücken da, wo der Aachener Verteidigungsring am stabilsten sein sollte, im Zentrum. Mattuschka steckte an den Innenverteidigern vorbei zu Chinedu Ede. Der Angreifer rutschte noch aus, vollendete dennoch aus fünf Metern zum 0:1. Da waren 23 Minuten gespielt, und dem Aachener Koordinatensystem drohte der völlige Ausfall.

Den vorzeitigen Gau verhinderte Gästekeeper Jan Glinker mit einem überdimensionierten Geschenk. Eine verrutschte Achenbach-Flanke von der Außenlinie ließ er ins eigene Netz flutschen zum 1:1 (28.). Nur unter maximaler Mithilfe endete Alemannias Torflaute. Auch das dokumentiert die Tristesse.

Die Aachener bekamen wieder das Kinn von der Brust, die Führung wäre verdient gewesen. Die Innenverteidiger Casper (34.) und Stehle (37.) scheiterten jeweils knapp nach ruhenden Bällen.

Dummerweise hatten die Routiniers ihre besten Szenen in der Offensive. Im eigenen Strafraum passte es nicht so richtig, davon profitierte noch einmal Berlins Sturmführer Simon Terodde. Der Leihspieler aus Köln drehte sich fröhlich um Gegenspieler Stehle und vollendete aus kurzer Entfernung zum 1:2 (41.). „Die Tore gegen uns fallen zu einfach, da müssen wir uns alle an die Nase fassen”, meinte Stehle.

Die Pause bot Gelegenheit sich zu sammeln, aber die guten Vorsätze entwichen nach 30 Sekunden. Zoundi verlud Achenbach und schlenzte den Ball locker ins Netz zum 1:3 (46.). „Das war der Knackpunkt. Wir fühlten uns gut in der Partie, aber werden dann kalt erwischt”, klagte Stehle später.

Nur noch Boy Waterman verhinderte hartnäckig den vierten Treffer gegen Terodde, gegen Ede, gegen Polenz, gegen . . . Aachens Ordnung ging verloren, das Team kam nicht mehr zurück. Der Rest waren Pfiffe für das Gemälde des Schreckens.
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