Eberl schöpft sogar Zuversicht aus der „Malaise”

Von: Bernd Schneiders
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Mag vieles derzeit einfach nic
Mag vieles derzeit einfach nicht mehr hören. . . Borussias Sportdirektor Max Foto: imago/Rust

Mönchengladbach. Der interessierte und weniger gut als umfassend informierte Besucher des Borussia-Parks wird die Bagger vermissen. Trümmerarbeiten sollten eigentlich anstehen nach dem kollektiven medialen Bemühen, die scheinbar heile Erfolgs-Welt in Trümmern sehen zu wollen.

Marco Reus geht weg, mit Roman Neustädter noch ein weiterer und offensichtlich kaum ersetzbarer Super-Star, die nie verhehlten sportlichen Verbesserungsgelüste von Abwehrchef Dante werden auf Wiedervorlage gelegt. Und der Aderlass scheint auch Trainer Lucien Favre blass werden und an der Endzeitstimmung teilhaben zu lassen. Der Schweizer besitzt noch einen Vertrag bis 2013, hat es aber geschafft, dass allenthalben über seinen vorzeitigen Ausstieg spekuliert wird. Einstürzende Neubauten? War die gut einjährige Erfolgszeit des Traditionsklubs nur ein Intermezzo?

Die Lust am Menetekel grassiert und ergreift nicht nur naturgemäß den Boulevard, sondern auch scheinbar seriösere Instanzen, wie etwa Spiegel online. Die Abteilung Schnellschuss des renommierten Nachrichtenmagazins schildert, dass nun auch (neben Dante und Marc-André ter Stegen) Patrick Herrmann genauestens hinschaut, wie es mit dem Klub weitergeht. Huch! Jetzt auch noch Patrick Herrmann. Patrick Herrmann, next Borussen-Superstar!? Ist das nicht der junge Mann (20), der sich zwar bei Borussia heuer ins Rampenlicht gespielt hat, aber von dessen 14 Liga-Einsätzen (3 Tore) nur vier über 90 Minuten gingen? Der noch beweisen muss, dass er auch langfristig den Durchbruch zum Bundesliga-Profi geschafft hat. Borussias Mannschaftsgebilde scheint nur noch aus Säulen zu bestehen, und wenn ein Superstar wegbricht, übernimmt der nächste das Etikett und ächzt unter der Last. So die Beobachtung.

Und was macht der Architekt dieses Gebildes? Max Eberl hat nicht nur offensichtlich versäumt, die Bagger Richtung Borussia-Park zwecks Trümmer-Beseitigung rollen zu lassen. Er schöpft aus der „Malaise” auch noch Zuversicht. „Ich halte das alles für Hysterie. Die Situation erinnert mich an 2009. Damals haben uns Marko Marin und Alexander Baumjohann verlassen, und damals hieß es: Davon wird sich der Verein nicht erholen.” Stattdessen aber habe man, so sieht es der Sportdirektor, mit dem Geld unter anderem Juan Arango, Roman Neustädter und Marco Reus geholt „und als Verein den nächsten Schritt gemacht. Genau das wollen wir auch jetzt tun.”

Der Architekt will die Statik verbessern, der Bauleiter aber verströmt latente Zweifel, was seinem stets am Perfekten orientierten Wesen entspricht. Euphorie gehört nicht zu Lucien Favres Stimmungsrepertoire. Und Schauspielkunst ebenso wenig. So stark seine Taktik-Arbeit mit der Mannschaft auch ist, taktisches Verhalten gegenüber den Medien oder der Öffentlichkeit ist - positiv ausgedrückt - ausbaufähig.

Es wäre ein Leichtes für den 54-Jährigen gewesen, mit einem nüchternen Verweis auf seine Vertragslaufzeit (2013) allen Spekulanten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Stattdessen schürte der Schweizer im Trainingslager mit dem Verweis, er konzentriere sich auf seine Arbeit erst einmal bis Juni, das Gerüchte-Feuer. Lucien Favre ist kein Vereins-Soldat. Spätestens nicht mehr seit seinen Erlebnissen bei Hertha BSC, wo der Verlust von Leistungsträgern nicht adäquat aufgefangen, er aber für den sportlichen Niedergang verantwortlich gemacht worden war.

Die Erinnerungen kommen hoch, wenn scheinbar ähnliche Entwicklungen sich auch nur andeuten. Dabei hat er selbst häufig darauf hingewiesen, dass die Verhältnisse zwischen Spree und Niederrhein nicht vergleichbar seien. Die aktuelle Mannschaft der Borussia hat eine Struktur. Personell und sportlich. Die Defensivqualität bleibt unberührt von Reus Weggang. Und es ist auch noch gar nicht so lange her, dass selbst die Nordkurve kollektiv aufstöhnte, weil der bald andere Borusse zu viele Chancen vergab.

Stars zu holen, war bisher nicht Eberls Ding. Eher zu entwickeln und gewinnbringend zu verkaufen, was vorerst auch zwingend so bleiben wird. Und so hütet sich der Manager zurecht davor, die Millionen aus dem Reus-Transfer auf Zahl zu setzen. Transfers bleiben immer ein Stück Glücksspiel, das Risiko zu streuen damit sinnvoller und verantwortbarer für den Verein, speziell wenn die Philosophie eh auf Mannschaftsstärke ausgerichtet ist.

Superstar für Superstar? Einen 17,1-Millionen-Flop kann sich Borussia nicht leisten. Und wenn man an Favres Hü und Hott beim Transfer des Japeners Yuki Otsu denkt, ist es wohl auch besser, den Trainer und den Klub vor weiteren Zögerlichkeiten zu bewahren. Selbst einen „Messi für Arme” wird der FC Barcelona-Bewunderer kaum für 17 Millionen Euro finden. Die Basis zu verbessern, scheint die bessere Architektur zu sein. Zumal Top-Stars ja eben immer wieder von dannen ziehen - und Trainer auch.
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