Dritter Anlauf in der Kreisliga: Spiel mit verrückter Vorgeschichte

Von: Lukas Weinberger
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Aussicht auf Besserung: Das erste Spiel zwischen Genclerbirligi Baesweiler II und Pley wurde abgebrochen, das zweite für den Verlierer gewertet. Jetzt treffen die Teams wieder aufeinander. Foto: sport/Fotokombinat

Baesweiler/Würselen. Das Duell zwischen der zweiten Mannschaft des SV Genclerbirligi Baesweiler und der SG Pley ist eigentlich kein Spiel, auf das besonders viele Menschen warten, es ist eine Partie in der Kreisliga D, in der untersten Klasse des Amateurfußballs.

Wenn 20 Zuschauer am Spielfeldrand stehen würden, um die Partie zu sehen, wären das schon ziemlich viele. Einige kämen, um Pley zu unterstützen, die SG spielt noch um den Aufstieg in die Kreisliga C; andere kämen, um Baesweiler anzufeuern, weil es darum geht, den Tabellenführer zu ärgern, ein beliebtes Ziel, in jeder Liga.

Das Duell zwischen der zweiten Mannschaft von Genclerbirligi Baesweiler und der SG Pley könnte ein normales Spiel in der Kreisliga D, Staffel 2, sein, aber das ist es nicht. Dafür ist zu viel passiert.

Hinspiele gab es zwei, nun ja, zumindest anderthalb. Das erste Duell war zur Halbzeit abgebrochen, die Partie daraufhin neu angesetzt und wiederholt worden, und am Ende bekam der Verlierer drei Punkte. Das ging so:

Als sich beide Mannschaften am 4. Oktober zum ersten Mal gegenüberstanden, war der Schiedsrichter, der die Partie pfeifen sollte, nicht zum Sportplatz in Bardenberg gekommen, wo die SG Pley ihre Heimspiele austrägt. Ersatz musste gefunden werden, und die Vereine einigten sich auf einen mitgereisten Betreuer von Genclerbirligi Baesweiler, in so einem Fall hat der Gast immer das Recht, den Schiedsrichter zu stellen. Und der Betreuer habe ja auch „nicht zum ersten Mal ein Spiel gepfiffen“, sagt Mustafa Koç, der für Genclerbirligis Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. So weit, so normal.

Es kam nun so, dass Baesweiler bereits in der Anfangsphase drei Tore schoss, 3:0. Überraschend, weil die Gastgeber aus Pley ja als Favorit in das Spiel gegangen waren, sie hatten zu diesem Zeitpunkt noch keinen Punkt abgegeben. Aber nun führte Baesweiler, der Außenseiter. Die Baesweiler Verantwortlichen sagen, das habe an der guten Leistung ihrer Spieler gelegen; die Pleyer, dass zwei Abseitstore und die parteiische Leistung des Schiedsrichters den Ausschlag gegeben hätten. Das Spiel jedenfalls war nach den drei Toren ziemlich ruppig geworden, es gab viele Fouls, so viele, dass Pley irgendwann beschloss, nicht mehr mitmachen zu wollen.

Weil sie Angst gehabt hätten, dieses Spiel zu verlieren, sagen die Gäste aus Baesweiler; weil sie Angst um ihre Gesundheit gehabt hätten, sagen die Gastgeber aus Pley. Der Schiedsrichter habe Fouls absichtlich nicht unterbunden, er habe Genclerbirligis Spieler sogar ermuntert, hart einzusteigen. Sascha Clermont, Pleys Trainer, sagt: „Es war uns wichtiger, da heil rauszukommen als drei Punkte zu holen“, und deswegen habe man entschieden, nicht weiterzuspielen.

Bei Genclerbirligi sieht man die Sache ein bisschen anders. Ja, das Spiel sei hektisch und körperbetont gewesen, sagt Koç: „Aber das ging von beiden Seiten aus.“ Jede Situation sei diskutiert worden, sogar Einwürfe an der Mittellinie. Und dann soll, so erzählt es Koç, ein Pleyer Spieler den Schiedsrichter kurz vor der Halbzeit als „Tuppes“ bezeichnet haben. Er wurde vom Platz gestellt, wobei der Effekt überschaubar blieb, weil unmittelbar danach alle Spieler der SG das Feld verließen, Spielabbruch.

Es wird nicht mehr aufzuklären sein, wie es wirklich war, das ist ja oft so, wenn zwei Parteien unterschiedliche Sichtweisen haben.

Die Entscheidung, wie das abgebrochene Spiel zu werten sei, musste am Ende die Kreisspruchkammer fällen. Beide Vereine verfassten ihren Bericht, beide schickten ihn an die Spruchkammer, und die entschied, dass es wiederholt, unter Verbandsaufsicht gestellt und von einem offiziellen Schiedsrichter gepfiffen werden solle, so sagt es Peter Büttgen, der Vorsitzende der Kammer.

Dieses Wiederholungsspiel wurde am 26. März angepfiffen, diesmal von einem Unparteiischen, der nichts mit beiden Vereinen zu tun hat. Wieder in Bardenberg, wieder schoss Baesweiler viele Tore; am Ende stand es 6:0, ein deutlicher Sieg. „Nicht den Hauch einer Chance“ habe man Pley gelassen, findet Koç. Und Clermont sagt: „Wir sind richtig unter die Räder gekommen.“ Ihm hätten fünf Stammspieler gefehlt, aber das könne keine Ausrede sein, „sie waren klar besser.“ Es sei ein sehr faires Spiel gewesen, es ist beiden wichtig, das hinzuzufügen. So weit das Sportliche.

Drei Punkte bekam Genclerbirligi für den Sieg aber nicht, sie gingen an Pley, obwohl die SG verloren hatte. Baesweiler war mit der ersten Mannschaft angetreten, die eigentlich in der Kreisliga C spielt, eine Klasse höher also als die Zweite; für Genclerbirligi standen insgesamt acht Fußballer auf dem Platz, die nicht hätten spielen dürfen. Clermont sagt, ihm sei das von Anfang an komisch vorgekommen, er habe deshalb am Tag nach dem Spiel Protest eingelegt, fast zeitgleich erstattete Genclerbirligi eine Selbstanzeige beim Fußballkreis. Die Sache war klar: „Das Spiel wird mit 2:0 Toren und drei Punkten für SG Pley gewertet“, so steht es in den Amtlichen Mitteilungen des Fußballverbandes Mittelrhein.

Genclerbirligi muss zudem 75 Euro zahlen, aber das hat der Klub vorher gewusst, weil er die Höhe der Strafe für ein solches Vergehen eigens recherchiert hatte. „Und das war es uns wert“, sagt Koç. Pley habe den Aufstieg so gut wie in der Tasche, und Genclerbirligi II als Fünfter keine Ambitionen, oben anzugreifen. „Wir wollten einfach ein Zeichen setzen, dass wir dieses Spiel nur am Grünen Tisch verloren haben“, so steht es auch in einer langen Stellungnahme des Vereins auf Facebook, die Koç verfasst hat.

Damit sei die Sache aber jetzt auch abgehakt, das sagt Koç, das sagt auch Clermont. Vor dem Rückspiel am Sonntag gebe es „keine offenen Rechnungen, kein böses Blut“, nur ein paar Wünsche. Mustafa Koç hofft, dass die Partie „fair und attraktiv“ wird, dass es einen verdienten Sieger gibt, aber eine kleine Spitze kann er sich dann doch nicht verkneifen, er sagt: „Und dass sie hoffentlich 90 Minuten dauert“, dann lacht er laut. Und was wünscht sich Sascha Clermont? „Ein ganz normales Fußballspiel.“ Wäre mal was anderes.

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