„Drecksspiel” sichert Borussia Platz vier

Von: Bernd Schneiders
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Tunnelblick: Patrick Herrmann
Tunnelblick: Patrick Herrmann erzielt gegen Christian Wetklo das Tor des Tages. Foto: imago/team 2

Mönchengladbach. Auch Wunder muss man sich erarbeiten. Borussia Mönchengladbach tat dies mit einem 1:0-Arbeitssieg gegen Mainz 05, der Platz vier festigte. „Wir haben gezeigt, dass wir auch ein Drecksspiel gewinnen können”, frohlockte Roman Neustädter - und meinte nicht nur den extrem tiefen Boden.

„Wenn man nicht so gut spielt und 1:0 siegt, kannst du zufrieden sein”, erklärte Gladbachs Trainer Lucien Favre den sportlichen Inhalt des Dreckspiels. 33 Punkte und ein Champions-League-Qualifikationsplatz nach der Hinrunde besänftigen auch schon mal den extrem anspruchsvollen Schweizer Coach.

Was sich die Mehrzahl der Zuschauer im Borussia-Park fragte - „Wie geht es dem Zeh der Nation?” -, war schnell geklärt: Marco Reus ging es gut, so gut, dass er nach fünf Minuten bewies, dass er nicht nur ein Torjäger, sondern auch ein guter Vorbereiter ist, wenn auch mit dem heilen rechten Fuß: Steckpass auf Patrick Herrmann, Gladbachs junger Mann für die rechte Seite bugsierte den Ball an Torhüter Christian Wetklo vorbei zum 1:0 ins Mainzer Tor.

Den ersten Härtetest für Reuss gebrochenen kleinen Zeh gab es erst eine Viertelstunde später: FSV-Mittelfeldspieler Jan Kirchhoff musste feststellen: Der wieselflinke Angreifer blieb auch nach der Attacke auf den Füßen. Dem Torschützen aber verlieh sein früher Höhepunkt nicht die Sicherheit, auch mal seinem linken Fuß zu vertrauen: Erneut von Reus eingeleitet und von Roman Neustädter vorbildlich freigespielt, legte sich Herrmann, der mit Juan Arango die Seite gewechselt hatte, den Ball umständlich auf den rechten Fuß - Chance adé! (29.).

Gladbach kontrollierte das Spiel, dominierte es allerdings nicht. Dazu schlichen nach und nach zu viele Ungenauigkeiten ein, doch wie gewohnt, ließ die Borussen-Abwehr kaum etwas zu. „Für mich war Mainz besser”, urteilte Favre. „Wir hatten viel zu viele Ballverluste. Und es ist schwer, gegen eine Raute gut zu verteidigen.” Kurz vor der Pause dann doch noch ein Aufreger, Eugen Polanski, ehemaliger Gladbacher, erwischte Neustädter im Strafraum so eben mit dem Stollen - nicht genug für Schiedsrichter Peter Gagelmann.

Genug aber hatte der mitunter kleinlich pfeifende Unparteiische kurz nach der Pause von Thomas Tuchel. Als der Mainzer Trainer ihm zu vehement erklärte, dass er mit seinen Entscheidungen seinen Matchplan gefährde, schickte ihn Gagelmann auf die Tribüne. Der Freund der Gladbacher war der Referee aber auch nicht: Kurz zuvor hatte der Unparteiische Dante die Gelbe Karte gezeigt - die fünfte des Brasilianers, Borussias bester Abwehrspieler wird zum Rückrundenauftakt gegen Bayern München fehlen.

An der abnehmenden Qualität des Spiels hatte Gagelmann allerdings keine Schuld. Borussia zerstörte seine Kombinationsketten immer wieder durch Ungenauigkeiten und hätte dennoch das Spiel weniger spannend machen können: Arango verdaddelte eine Doppelchance nach einem Zuspiel von erneut Reus (67.), Sekunden später teilten sich Neustädter, Tony Jantschke und Dante das Versagen, den Ball nicht über die Linie zu drücken.

Die Kombinationsmaschinerie wollte nicht mehr anspringen, da konnte es sich Favre sogar leisten, den Anti-Kombinierer Raul Bobadilla für Reus einzuwechseln (84.). Aber auch dem Schweizer war das Timing abgekommen: Als der Argentinier schon an der Seitenlinie stand, verletzte sich Reus in seinem letzten Zweikampf, allerdings am linken Knie, nicht am Zeh.

„Er leidet ein wenig”

Torhüter Marc-André ter Stegen musste dagegen die letzten Minuten schmerzerfüllt auf dem Feld bleiben. Zweimal rauschten ihm die Mainzer in die Rippen. „Er leidet ein wenig”, zeigte sich Favre mitleidig. Mit 33 Punkten und Platz vier lassen sich Schmerzen aushalten. Die Mainzer kassierten nach fünf Spielen wieder eine Niederlage. Es gelang ihnen nicht, das spielerische Übergewicht der zweiten Halbzeit in gute Chancen zu verwandeln.

Für die Borussia dagegen endete fantastisches Bundesligajahr, mit Klassenerhalt und der Metamorphose zum Spitzenteam. Nach zwei sieglosen Spielen hat das Team den Anschluss an die Spitzengruppe gehalten, verbringt Weihnachten auf dem Champions-League-Qualifikations-Platz.
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