Doppelt erfolglos vom Elfmeterpunkt

Von: Roman Sobierajski
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Da hilft auch kein Lamentieren durch Stehle, Olajengbesi und Hohs. Schiedsrichter Felix Brych gibt den dritten Elfmeter. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Der alte Tivoli hat schon einige spektakuläre Aufeinandertreffen zwischen Alemannia Aachen und dem VfL Bochum gesehen. Zwei Mal stieg der Revierklub sogar in die Erste Bundesliga auf an der Krefelder Straße, 2002 und zuletzt 2006 gegen reichlich verkaterte Aachener Aufstiegshelden.

Die Aachener 1:3-Niederlage an der neuen Spielstätte stellt all das aber locker in den Schatten: Ein Duseltor des Tabellendritten, zwei innerhalb von drei Minuten verschossene Elfmeter, obendrauf ein verwandelter, zudem ein Platzverweis in einem Spiel, das Schiedsrichter Dr. Felix Brych mit seinem notorischen Griff in die Brusttasche vor 19.013 Zuschauern ohnehin schon in ein Farbenfestival verwandelt hatte.

Glücksschuss zur Führung

Auch wenn die Mannschaft von Trainer Peter Hyballa nach den Niederlagen gegen Hertha BSC und Ingolstadt spielerisch eine klar verbesserte Leistung ablieferte - Sportdirektor Erik Meijer war in den Katakomben mehr als angefressen: „Für solch ein Spiel kann ich mir beim Bäcker kein Brot kaufen”, ärgerte sich der 41-Jährige über das eigene Team - und vor allem über den Unparteiischen. „Der erste Elfmeter war ein typischer Auer, der zweite fragwürdig, und der dritte war ein Scherz.”

Mit einem Sonntagsschuss hatte Mimoun Azaouagh den Aufstiegsaspiranten mit 1:0 in Führung gebracht. Eine eigentlich schon geklärte Ecke schlug der 28-Jährige aus dem Halbfeld zurück Richtung Aachener Tor, der Ball wurde lang und länger und senkte sich über Torwart David Hohs hinweg in die Maschen (15.).

„Das war ein Glücksschuss”, räumte der gebürtige Marokkaner später ein, „ich wollte ihn nur hinter die Abwehr schlagen.” Doch die Hausherren schüttelten sich nur kurz - und schlugen überzeugend zurück: Einen von Marco Höger durch die Bochumer Abwehr gechippten Ball nahm Tolgay Arslan aus vollem Lauf mit der Brust an und versenkte ihn volley ins lange Eck (26.).

Die erneute Führung der Gäste durch Ümit Korkmaz (54.) war dann weniger der große Aufreger als die Szenen, die sich rund um die 60. Minute abspielten: Nach einem Zweikampf zwischen Benny Auer und Marcel Maltritz zeigte Felix Brych auf den Elfmeterpunkt. Marco Högers schwachen Schuss ins rechte Eck parierte Andreas Luthe (61.). Und während sich ein Teil der VfL-Spieler noch darüber freute, bat Brych schon wieder zum Duell vom Punkt, nachdem Shervin Radjabali-Fardi, attackiert vom Bochumer Torwart, benommen im Strafraum liegen geblieben war. Diesmal lief Benny Auer als Vollstrecker an - der Ball sprang von der Latte hinter die Linie (63.).

„Ist das bitter, den hätte man nach den Fernsehbildern sogar als Tor geben können”, ärgerte sich der Kapitän über seine „Fahrkarte”. „Der Schiedsrichter hat viele seltsame Entscheidungen getroffen.” Erik Meijer hatte den Blick auf den Kontostand gerichtet: „Jetzt entscheiden wieder die 85-Jährigen von der Fifa, ob wir eine Torkamera brauchen oder nicht. Schließlich geht es nicht um Pfennige in diesem Millionengeschäft.”

Dass man unbedrängt aus elf Metern den Ball auch im Tor unterbringen kann, zeigte dann Maltritz zum abschließenden Treffer der Bochumer. Felix Brych hatte nach einer Aktion von Thomas Stehle gegen Zlatko Dedic erneut zum Strafstoß gepfiffen (85.).

„Man hat uns schon eine Krise angedichtet, aber wenn man 13 Mal in Folge ungeschlagen bleibt, hat man keine Krise”, philosophierte Trainer Friedhelm Funkel. „Und wir haben nun drei Mal in Folge verloren”, ergänzte Peter Hyballa, „aber wir haben auch keine Krise. Wir lernen noch.”
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