Dirk Broichhausen: „Ich finde das sehr bedauerlich“

Von: Christoph Pauli
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Dirk Broichhausen
Der Geschäftsführer des Unternehmens GoalControl, Dirk Broichhausen, zeigt in Würselen eine Torkamera. Foto: dpa

Würselen. Die 36 deutschen Profifußball-Vereine haben am Montag mehrheitlich gegen die Einführung einer Torlinien-Technik gestimmt. Damit bleibt die englische Premier League vorerst die einzige Liga mit technischer Unterstützung. Im Interview mit unserer Zeitung äußert sich Dirk Broichhausen, Geschäftsführer der Würselener Firma Goalcontrol, zu der Entscheidung.

Nur in England wird ein System angewendet. Sind die übrigen Nationen technikfeindlicher?

„Nein, das glaube ich nicht. Das zeigen unsere Erfolge auf internationaler Ebene. Auf die Bundesliga bezogen finde ich es aber sehr, sehr bedauerlich, dass sich heute gleich neun Erstligisten so, und aus meiner Sicht damit gegen eine zukunftsorientierte Ausrichtung der Bundesliga entschieden haben. Torlinientechnik kann ja als Grundlage für neue Analyse- und Entertainmentlösungen deutlich mehr, als nur die Frage „drin“ oder „nicht drin“ beantworten!“

Sind Sie überrascht, dass das Thema ohne Aussprache beendet wurde?

„Zumindest bin ich überrascht, als Begründung eines Clubs lesen zu müssen, ´zu viele Fragen seien noch unbeantwortet´. Dann muss man sie stellen… Wir stehen auch weiterhin gerne zur Verfügung, aufzuklären und Fragen zu beantworten.“

Bleiben Sie am Ball? In welchen Ligen ist man für eine technische Unterstützung aufgeschlossener?

„Die Bundesliga wäre für uns als deutsches Unternehmen natürlich ein besonders attraktives Einsatzgebiet gewesen. Nun werden wir unsere zum Teil schon laufenden Gespräche mit anderen Verbänden und Ligen intensivieren und ich bin auch zuversichtlich, dass sich die Technologie auf Dauer in den Spitzenligen flächendeckend durchsetzen wird.“

Als größtes Hindernis für die Vereine gelten die Investitionskosten. Können Sie beziffern, was auf jeden Profiverein zugekommen wäre?

„Wir wären ja erst in eine Ausschreibungsphase auf genaue Zahlen gekommen; aber wir haben die Zahl einer Einmal-Investition von 200.000 – 300.000 Euro ja immer schon offensiv kommuniziert. Die Relationen zu den Summen, die sonst in der Fußball-Branche bewegt werden, mag jeder selber ziehen und bewerten.“

Kann man sich die „rechtliche“ Sicherheit nur bei den großen Turnieren wie die kommende WM leisten? Ist absehbar, dass die Investitionen für die Klubs geringer werden?

„Ich glaube eine Liga, mit den heute schon erzielten Milliarden-Umsätzen sowie in den letzten Jahren stets wachsenden und positiven Zahlen hätte sich eine solche Innovation sehr gut leisten können. So wie es ja auch in der englischen Premier League darum keine große Diskussion gab. Andere Ligen werden gewiss folgen. Es wird nicht nur bei großen Turnieren bleiben, nach der WM werden einige Ligen einführen.“

Welche Bedeutung hat der heutige Entschluss für das Unternehmen GoalControl?

„Wir stecken aktuell mitten in den WM-Vorbereitungen und hätten uns parallel natürlich gerne an einer DFL-Ausschreibung beteiligt; egal, das haken wir jetzt ab, schauen nach vorne und werden uns nochmal stärker bei unseren internationalen Kunden engagieren.“
 

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