Frankfurt/Main - Die Schlinge zieht sich weiter zu

Die Schlinge zieht sich weiter zu

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
Momente ohne Fröhlichkeit. Al
Momente ohne Fröhlichkeit. Alemannias Verlierer stellen sich den mitgereisten Fans.

Frankfurt/Main. In der Abschluss-Einheit hatte das Trainergespann noch einmal den Zündschlüssel mit der Aufschrift „Angreifen” verteilt. Friedhelm Funkel und Christoph John ließen die Spieleröffnung proben, raus auf die Außen, von rechts und von links wurde fleißig geflankt und das Sturmzentrum bedient.

„Wir müssten einfach mal wieder in Führung gehen, um ein Gefühl der Sicherheit zu bekommen”, lautete der Therapie-Vorschlag des Chef-Coaches von Alemannia Aachen. Der Ernstfall am Freitagabend beim FSV Frankfurt endete dann mit dem nächsten Rückschlag, und die Schlinge um den Hals zieht sich immer enger zu.

Mit 1:2 setzte Aachen das erste Spiel gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf in den Sand, es war die siebte Partie in Serie ohne Sieg, die vierte Niederlage in Folge. Kapitän Benny Auer: „Eine Katas-trophe.” Das war auf das Spiel bezogen. Konsequenz aus der Entwicklung insgesamt in den letzten Wochen: „Der Relegationsplatz muss jetzt das erste Ziel sein.” Vom direkten Klassenerhalt reden sie jetzt nicht mehr am Tivoli.

Die Ankündigung, ins 4-4-2 mit Doppel-Sechs zurückzukehren, in das System, dem Funkel selbst die größte Stabilität bescheinigt hatte, erwies sich als Bluff. In der Kabine malte der Trainer ein 4-2-3-1 an die Tafel - mit Uludag hinter der einzigen Spitze (Auer), auf den Flügeln Streit und, welche Überraschung, Odonkor. Neben Demai verlor auch Radu seinen Platz in der Startelf.

Ex-Nationalspieler Odonkor bekam nach einer knappen Viertelstunde von Kapitän Auer den ersten Applaus für eine (ungenaue) Flanke. Es gab ein weiteres Pro-blem: Alemannia lag schon zurück. Und auch dieser Gegentreffer war ein Zeugnis dafür, wie simpel die Aachener Defensive auszuhebeln ist. Olajengbesi ließ Gaus laufen, Streit und Kratz verweigerten einen entschlossenen Einsatz gegen den Frankfurter, der in den Rücken der verbliebenen Abwehrspieler passte. Gledson, in der Szene nicht als Torjäger bekannt, rauschte zum Abschluss heran (6.). Ein schlechtes Zeichen auch deshalb, weil Alemannia zum elften Mal in dieser Saison mit 0:1 in Rückstand geriet - gepunktet hatte man dann nur gegen 1860 München (2:2).

„Wir haben es dem Gegner durch individuelle Fehler wieder mal leicht gemacht. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten Wochen”, sagte Friedhelm Funkel. Und was Aachen 20 Minuten lang in der Gegenrichtung versuchte, war luschig und machte nicht den Eindruck, dass hier eine Mannschaft um jeden Zentimeter für den Klassenerhalt kämpft. Achenbach hatte dann genug von dieser Lethargie. Der Linksverteidiger zog energisch an, brachte eine Flanke in den Strafraum. Im ersten Versuch scheiterte Auer noch, den zweiten im Liegen nutzte er zum Ausgleich (22.). Plötzlich war Alemannia wieder drin im Spiel, ein Hauch von Dominanz wehte über das Feld. Und nach einem Freistoß von Uludag hatte Casper gar die Führung auf dem Fuß (39.).

Doch Tölpelhaftigkeit ist ein zuverlässiger Begleiter des Funkel-Teams, und die Frage, ob diese Mannschaft es einfach nicht besser kann, kam in der zweiten Halbzeit auf Wiedervorlage. Benny Auer wollte dem nicht widersprechen: „Wenn du nach 27 Spielen nur 21 Punkte auf dem Konto hast, dann hat das sicher auch was mit mangelnder Qualität zu tun. Wir können nicht jede Woche nach Ausreden suchen.” Geschichte wiederholte sich, keine fünf Minuten brauchte der FSV diesmal, über rechts. Odonkor, Achenbach und Sibum hechelten nur hinterher, Micanski steckte den Ball durch zu Görlitz, erneut lag Alemannia zurück.

Nach gut einer Stunde warf Funkel den Rettungsanker namens Hadouir, den zwischenzeitlich Verbannten, der gut sein soll für das Besondere. Hadouir fügte sich ein, kurz darauf auch Radu, Alemannia unternahm so etwas wie Offensiv-Bemühungen. Tatsächlich gab es sie noch, die Chance zum erneuten Ausgleich, eingeleitet durch einen Frankfurter Fehlpass. Streit spielte seinen besten Ball, auf Radu - der Rumäne vergab freistehend und kläglich (81.).

Friedhelm Funkel sagte, was ein Trainer so sagt nach einem „bitteren Abend”. „Wir werden das wegstecken und weiter alles geben, um das Blatt zu wenden.” Doch die Spiele gehen langsam aus.
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