Die Prinzen-Rolle passt Podolski noch nicht

Von: Günter Kirschbaum
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Vorbildliche Haltung: Maniche klärte hier technisch anspruchsvoll gegen VfL-Torjäger Grafite. Foto: dpa

Köln. Es war alles angerichtet, es hätte der Lukas-Podolski-Tag werden sollen. Der 1. FC Köln führte gegen den VfL Wolfsburg durch einen Treffer von Fabrice Ehret vier Minuten nach der Pause mit 1:0. 48000 feierfreudige Zuschauer waren in bester Stimmung.

Selbst als der Bayern-Rückkehrer zwei Konter in aussichtsreicher Position mit Fahrkarten abschloss (60., 68.) gab´s Ovationen für Podolski. Doch dann löste der Deutsche Meister die Handbremse und nahm den FC nach allen Regeln der Fußball-Kunst auseinander. 3:1 hieß es am Ende für die „Wölfe”. Verdient.

Der „1. FC Podolski” funktioniert eben noch nicht richtig. „Wir brauchen noch etwas Zeit”, bat Kölns Trainer Zvonimir Soldo die Fans um Geduld. „Wir haben gegen den Deutschen Meister gespielt, eine hervorragend eingespielte Mannschaft. Das ist bei uns noch nicht der Fall.” Doch damit zündete Soldo auch eine Nebelkerze. Denn die drei Wolfsburger Treffer waren ausschließlich individuelle Fehler.

Beim Ausgleich durch Edin Dzeko (73.) hatte Kevin McKenna den Bosnier schlicht aus den Augen verloren, zur Führung der Gäste köpfte Pierre Wom die Kugel in den eigenen Kasten (74.), und vor seinem ersten Bundesligator düpierte Obafemi Martins den überforderten Miso Brecko am Fünfermeterraum mit einer simplen Körpertäuschung und schob als Linksfuß mit rechts ein.

Es war für die Gäste dennoch ein Tanz auf der Rasierklinge. Dessen war sich auch der VfL-Trainer bewusst. „Wenn Podolski das 2:0 macht, verlieren wir hier vielleicht”, kommentierte Armin Veh die Dramaturgie der Partie.

Doch Podolski traf nicht, die Comeback-Party fiel aus, und den Erklärungsversuchen des Zehn-Millionen-Manns fehlte es an Realitätssinn. „Wir wollten zu sehr auf das 2:0 drängen und sind dann in die Konter reingelaufen”, befand der Nationalstürmer. „Wir dürfen das Spiel nicht aus der Hand geben.”

Doch der FC hat nichts aus der Hand gegeben, die Wolfsburger haben einfach durch ihre Klasse die Partie an sich gerissen. Mit einem überragenden Zvjezdan Misimovic (120 Ballkontakte!) hinter der Torfabrik Grafite/Dzeko. Dieses magische Dreieck allein versetzte die Kölner in Angst und Schrecken.

„Es wird noch einige Wochen dauern, bis die Spieler ihr volles Leistungsniveau erreichen”, betonte Soldo. „Maniche und Podolski haben lange nicht regelmäßig gespielt, Novakovic muss Trainingsrückstand aufholen.”

Natürlich kann der Meister nicht der Maßstab für den FC sein. Nach den beiden Niederlagen in Dortmund und gegen Wolfsburg wächst der Druck auf Soldos Formation. Und nächsten Samstag gegen Frankfurt muss ein Erfolg her. „Dieses Spiel müssen wir unbedingt gewinnen”, sagt Soldo. Dann wird Podolski aller Voraussicht nach Milivoje Novakovic an seiner Seite haben.

Der Kapitän durfte sich in der Endphase noch ein paar Minuten zeigen. „Mit ihm sind wir stärker”, sagt Podolski, dem 1190 Tage nach seinem letzten Bundesligaeinsatz im Geißbock-Trikot die Prinzen-Rolle noch nicht passt.

Und im Hintergrund werkelt Manager Michael Meier daran, noch zwei Neue zu verpflichten. Einer davon ist Florian Kringe, den Borussia Dortmund von 2002 bis 2004 schon einmal nach Köln ausgeliehen hatte. „Der Spieler will nach Köln, doch Dortmund hat unser Angebot abgelehnt”, berichtet Meier. „Wenn ein Klub mehr für Kringe bezahlt, soll er eben dahin gehen.”

Kringe gehört nicht mehr zum Kader von BVB-Trainer Jürgen Klopp und will deshalb weg. Und Meiers Unterton lässt vermuten, dass für ihn das Thema Kringe noch nicht durch ist.
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