Die Episoden-Kicker oder der misslungene Spagat

Von: Bernd Schneiders
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Mönchengladbach. Für einen wegen seiner Bescheidenheit bekannten Trainer war das 0:1-Pokalaus von Borussia Mönchengladbach gegen den MSV Duisburg keine Überraschung.

„Das war geplant.” Peter Neururer heißt der Planer und ist - überraschenderweise - der Coach des Siegers. Allerdings ist es gegen die Mönchengladbacher derzeit nicht sonderlich sensationell, einen Plan zu haben.

Bei Betrachtung der letzten Spiele springt ins Auge, dass oft etwas in der zweiten Halbzeit nicht mit rechten Dingen zugeht. „Das hat nicht mit mangelnder Kondition zu tun”, befand Kapitän Tobias Levels. „Das ist eine Kopfsache.” Also hat Borussia gegen Hoffenheim nur in den letzten fünf Minuten den Kopf verloren?

Also hat Borussia gegen den MSV nur in der letzten Sekunde den Kopf verloren? „Es fehlt die Abgebrühtheit”, schloss sich auch Michael Frontzeck seinem Kapitän an. „Kondition kann es nicht sein, schließlich machen wir mit den Spielern ja nicht umsonst alle zwei Monate einen Laktattest.”

Drei Niederlagen in Folge, der hoffnungsweckende Start in die Saison scheint zu zerbröseln. Einen ökonomischeren Umgang mit der Kraft mahnt der Borussen-Trainer an. Und verweist erneut auf einen „Lernprozess”. Doch der Spagat zwischen Ökonomie und Spiellust scheint für Arango & Co. derzeit nicht machbar. Die Borussen nur noch Episoden-Kicker? Grundsätzlich zu offensiv? „Es liegt nicht am System”, widerspricht Levels. Aber womöglich daran, dass sein Team dieses System zum wiederholten Mal nur 45 Minuten mit der nötigen Kraft und Konzentration füllen konnte.

Lückenbüßer mit Nadelstichen

Vor allem bei der Defensivarbeit, Fußball-Neuhochdeutsch „gegen den Ball”. Doppelsechs vor der Abwehr, zwei Offensive auf den Außenpositionen und vorne ein Zweier-Sturm: Zu vermeiden ist dabei, dass hinter den Spitzen ein Loch entsteht. Dafür muss etwa Zweit-Stürmer Roberto Colautti sorgen und auch die Außen Karim Matmour und Juan Arango durch entsprechendes Einrücken.

Geht bei der Umsetzung langsam die Puste aus, ist noch nicht alles verloren: Man kann sich zurückfallen lassen und damit auch weiterhin kompakt stehen. Das aber schafft Gladbach - noch - nicht: Ihre Offensivqualitäten im Kopf, die Müdigkeit in den Beinen - die Mannschaftsteile lassen sich auseinanderziehen, sie verlieren den Anschluss, beim Spiel nach vorn leidet die Ballzirkulation an Dauer-Unterbrechung, was zu langen Schlägen und einem Übermaß an Einzelaktionen führt. Beides erhöht den Druck aufs eigene Tor.

Einwechslungen können helfen, speziell Marco Reus hat das schon bewiesen (in Bochum, gegen Mainz). Doch sowohl der Jungspund als auch Oliver Neuville arbeiten weniger in der Defensive als Dauerläufer Matmour und Schattenstürmer Colautti. So dass dieses Mittel nur wirkt, wenn die Lückenbüßer es durch Nadelstich-Aktionen kaschieren. Aber auch diese Konter sitzen eher, wenn sie aus einer kompakten - wenn auch tiefer gestaffelten - Mannschaft gestartet werden. Zusammenrücken heißt die Zauberformel. Nicht nur auf dem Fußballplatz.
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