Die Borussia und der fünfte Transfer

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
glad-1sp-fotto07
Zieht die Jacke aus und darf seine Offensiv-Qualitäten demonstrieren: Marko Marin. Foto: imago/MIS

Mönchengladbach. Eine vierköpfige Rettungsmannschaft hat Borussia Mönchengladbach in der Winterpause verpflichtet. Die fünfte Neuverpflichtung lässt noch auf sich warten. Die gute Nachricht: Sie ist nicht vom Transfer-Fenster abhängig, also auch noch nach dem 2. Februar realisierbar.

Die schlechte: Die Aussichten sind nicht sonderlich rosig. Der Tabellenletzte besitzt nicht nur die schlechteste Abwehr, womöglich auch den geringsten Rückhalt im eigenen Publikum.

Der Transfer „12. Mann” könnte sich als der Knackpunkt für den Wettstreit mit den Konkurrenten aus Cottbus, Karlsruhe, Bochum und Bielefeld entpuppen. Und den könnte Borussia verlieren.

Geradezu beschwörend titelt das vereinseigene Magazin „Fohlenecho” in der Ausgabe zum Spiel heute gegen Tabellenführer Hoffenheim: „Euer Glaube kann Berge versetzen”. Doch das Echo aufs Echo droht recht schwach auszufallen.

Große Vorwürfe sind den Fans nicht zu machen. Wobei wir hier nicht über die notorisch mäkelnden Besucher der Haupttribüne sprechen. Doch die tiefer verwurzelte Anhängerschaft, traditionell in der Nordkurve beheimatet, ist zermürbt vom stetigen Auf und Ab des Klubs ihrer Herzen.

Jetzt, wo die Mannschaft den beflügelnden Rückenwind am dringendsten bräuchte, ist der Akku selbst der Treuen leer. Zu viele Trainer, zu viele Manager, zu viele Spieler, zu wenig kontinuierliche Arbeit und damit zusammenhängend zu wenig Erfolg über zu viele Jahren haben die Antriebskraft geschwächt.

Desinformationsmaschinerie

Und als sei das noch nicht genug, stößt noch ein weiteres Problem hinzu: Auch und gerade die Fans sind abhängig und gar zum größten Teil ein Produkt der „Informationsmaschinerie”, die sich rund um den Profi-Fußball verfestigt hat. Diese verdient nicht selten den Vorsatz „Des-”.

Sehr schön (!) erkennbar an der Niederlage beim VfB Stuttgart. Das 0:2 und eine nicht naiv-offensive Ausrichtung ermutigte viele professionelle Beobachter, Hans Meyer zum Maurer-Meister zu stempeln. Ausgerechnet Hans Meyer, dessen erklärte Philosophie ein aktiver, dominanter, aggressiver, tor- und chancenorientierter Fußball ist.

Das hat er übrigens mit seinem Vorgänger Jos Luhukay gemein, den man nach einer unglücklichen Niederlage beim HSV ebenfalls als Beton-Liebhaber denunzierte. Jos Luhukay hatte Gegenteiliges in der Aufstiegssaison und dem Einstieg in die Erstliga-Spielzeit bewiesen. Meyer gar über rund vier Jahre während seiner ersten Schaffensperiode in Mönchengladbach.

Also geht es in erster Linie darum, einen Mann madig zu machen, der - wie im Fall Hans Meyer - schwierig bis unbequem oder ohne großen Namen - wie im Fall von Jos Luhukay - ist. Da ist es hilfreicher, eine Dreier- als Fünfer-Kette erscheinen zu lassen, wie nach dem VfB-Spiel.

Der so genannte Libero, sprich der freie Mann in der Dreier-Kette, avanciert zur „Opa-Taktik” und soll dann ein weiter Beleg für ein feiges Catenaccio sein. Als sei der Begriff Libero ein Synonym für eine defensive Ausrichtung. Jahrzehntelang hat man mit diesem freien Mann gespielt, über defensiv oder offensiv sagt diese Position erst mal gar nichts aus.

Unterstützt wurde diese abwegige These durch die Personalie Marko Marin. Der junge Mann, mit den wunderbaren Offensiv-Fähigkeiten saß erst mal nur auf der Bank. In einem Auswärtsspiel eines Tabellenletzten mit den meisten Gegentoren.

Womit nach dem Resultat klar war: Gladbach hat eben deshalb verloren. Hätte Marin gespielt und wäre statt seiner Alexander Baumjohann nur eingewechselt worden, hätte es geheißen: Wie kann man den Spieler, der so stark ist, dass ihn die Bayern verpflichtet haben, nicht auflaufen lassen!

Als all die geforderten Offensivkünstler wie Marin, Baumjohann und Oliver Neuville im letzten Drittel der Partie sich beweisen duften, ging die Struktur völlig verloren, die Niederlage wurde durch den zweiten Gegentreffer besiegelt. 48 Prozent Ballbesitz für Borussia weist die Statistik auf.

Potz Blitz: Eine reife Leistung für eine Mauermannschaft, die sich damit den Eingang ins Buch der Fußball-Rekorde verdient hat. Mauer-Taktik kann nur heißen, sich in der eigenen Hälfte zu verkriechen. Da muss Hans Meyer überragende Fußballer in seinen Reihen besitzen, die sich in diesen engen und übervölkerten Räumen den Ball so statistik-trächtig zupassen können.

Übrigens werden heute Marko Marin und Alexander Baumjohann gemeinsam auflaufen. Bei einer Niederlage eine Harakiri-Offensive und der Beleg für die Naivität von Hans Meyer, oder?
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert