Die Borussia spielt „schon richtig klasse”

Von: Heribert Förster
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Raul Bobadillas starke Szene: Mit einer Körperdrehung bringt sich Borussias Argentinier in Schussposition, doch Leverkusens Torwart Rene Adler fischt den Ball aus dem Winkel. Die Gleichschritt-Rettungsaktion der Verteidiger Manuel Friedrich (Mitte) und Sami Hyppia kommt zu spät. Foto: imago/siwe

Leverkusen. Die „Seele baumeln lassen”, mal „nicht an Fußball denken”, empfiehlt Michael Frontzeck seinen Spielern. Sollte es der Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach auch schaffen, abzuschalten in den nur achttägigen Weihnachtsferien, kann er es mit einem wohligen Gefühl tun.

Und der Gewissheit, in seinem ersten halben Jahr als Chefcoach im Borussia-Park richtig gute Arbeit geleistet zu haben.

Geadelt wurde Frontzecks bisheriges Wirken zum Hinrunden-Finale von Jupp Heynckes. Der Leverkusener Trainer stellte sichtbar angetan fest: „Du kannst sehr zufrieden sein, Micha. Das ist schon richtig Klasse, wie die Borussia spielt, ein großes Kompliment.”

Sieger loben schnell, doch Jupp Heynckes verteilte keine Wort-Geschenke, sein Urteil beschreibt genau das, was Betrachter der Gladbacher Spiele in der jüngeren Vergangenheit feststellen konnten: Die Borussia spielt richtig guten Fußball! Und das nicht zufälligerweise mal hier, mal dort. „Seit Wolfsburg”, sagt Frontzeck, „seit Wolfsburg halten wir dieses Niveau.”

Die Partie beim Meister war am 17. Oktober, am 9. Spieltag. Die Borussia verlor 1:3, kassierte die fünfte Liga-Niederlage in Folge, stand mit sieben Punkten mitten im Abstiegskampf. Schon beim VfL stimmte die Leistung der Gladbacher, die acht Spiele später mit 21 Punkten „ein gutes Fundament” gelegt haben für die Rückrunde, „darauf lässt sich aufbauen”, sagt Frontzeck.

Die Stabilität der letzten zwei Monate ist es, die der Borussia eine möglicherweise sorgenfreie Rest-Saison bescheren kann, denn wann hat es das zuletzt gegeben: Eine Mannschaft aus Mönchengladbach fährt zu Bayer Leverkusen, begegnet dieser so spielstarken Formation auf Augenhöhe und muss nach 90 gutklassigen, spannenden, ja, sogar erwärmenden Minuten unglücklich eine 2:3-Niederlage beklagen?

Die besseren Chancen hatte die Borussia, die größere Effizienz hatten die Leverkusener, die durch Treffer von Eren Derdyiok (60.) und des ganz starken Toni Kroos (69.) den 1:2-Rückstand noch in den neunten Saisonsieg verwandelten, der der Werkself das kurze Überwintern an der Tabellenspitze bescherte.

Zuvor hatten - wieder einmal - Gladbachs Innenverteidiger nach Kroos´ erstem Treffer (18.) die Borussia vom dritten Auswärtssieg der Saison träumen lassen. Roel Brouwers stand nach Rob Friends von Bayer-Torwart Rene Adler abgewehrten Kopfball dort, wo ein Torjäger stehen muss (37.) und erzielte seinen Saisontreffer Nr. 5, dann stolperte Dante, ebenfalls nach einem Eckball, den Ball ins Tor (60.).

Der Dreier war greifbar, doch „wir haben es leider nicht verstanden, die weiteren zwei, drei guten Chancen noch sauber auszuspielen”. Michael Frontzeck haderte nur ein bisschen und lag auf einer Wellenlänge mit Max Eberl, der das Fazit der 17 Spieltage zog: „Das war eine sehr, sehr ordentliche Hinrunde.”

Der Sportdirektor durfte feststellen, dass auch in Leverkusen die ausgegebene Marschroute befolgt wurde: „Fußball spielen, und den Gegner mit Ballstafetten beeindrucken.” Das gelang und - wieder einmal - hat die Borussia einem Gegner kaum Möglichkeiten zugebilligt.

Das Spiel gegen den Ball, das Verschieben innerhalb der Mannschaftsteile funktioniert bestens, taktisch ist die Borussia schon sehr weit, so dass die Hoffnung auf eine sorgenfreie Rückrunde tatsächlich nicht utopisch erscheinen. Und der Fan kann beruhigt die Seele baumeln lassen, mit Freude über die Borussia sinnieren zum Fest.

Wann hat es das zuletzt in einer Erstliga-Saison gegeben?

P.S.: Wenn Sie ein Freund oder Verwandter von Dr. Jochen Drees sind, und dem Schiedsrichter zu Weihnachten eine Freude machen wollen, schenken Sie ihm doch ein Fußballbuch. Er kann es gebrauchen. Zumindest am Samstag vermittelte Herr Drees den Eindruck, dass es für ihn durchaus sinnvoll wäre, sich einmal näher mit dem Sport zu beschäftigen, um die Eigenheiten eines Fußballspiels zu verstehen...

Rob Friend und Raul Bobadilla sind zwei Stoßstürmer, doch einer muss zumindest im Januar den etwas zurückhängenderen Part spielen, da Karim Matmour, der am Samstag wegen Zahnschmerzen fehlte, mit Algerien beim Afrika-Cup antritt. Geht das?

In Leverkusen ging es, wobei Friend wie gewohnt sehr gut viele Bälle behauptete und Bobadilla für die „langen Wege” zuständig war. Dabei deutete der Argentinier an, dass er den Borussen noch viel Freude bereiten kann.

Seine Wucht, seine körperliche Präsenz beeindruckten, auch wenn er bei zwei guten Gelegenheiten einmal kein Glück hatte, als Rene Adler im Leverkusener Tor phantastisch reagierte (36.) und sich dann nach einem Solo über fast das ganze Feld den Ball zu weit vorlegte (59.).
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